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Wieso Geschichten erfinden?

Die Idee des Wettbewerbs

Wir benutzen jeden Tag – meist unbewusst – Geschichten, anhand derer wir unsere Wahrnehmungen einordnen. Geschichten deuten die Realität, in dem sie einzelne Ereignisse oder Fakten in einen Zusammenhang stellen und ihnen so Bedeutung geben. Geschichten helfen uns, uns zu erinnern. Geschichten verbinden Menschen miteinander; sie ermöglichen es, gemeinsame Ziele zu verfolgen und Erfahrungen weiterzugeben. Szenarien sind Geschichten über mögliche Zukünfte.

Unsere Welt ist komplexer geworden, Veränderungen vollziehen sich heute schneller als je zuvor. Gerade bei der Europäischen Union ist das Gefühl oft: "Da habe ich doch sowieso keinen Einfluss, was kann ich schon tun." Eine Geschichte zu entwickeln, heißt eigene Bewertungen vorzunehmen und "die Sache selbst in die Hand zu nehmen".

Die ursprüngliche Geschichte der Gründungsväter der Europäischen Integration ist im Grunde eine ganz einfache gewesen:


Nach Jahrhunderten der Kriege und Konflikte haben die Europäer einen Weg gefunden, friedlich auf der Grundlage gemeinsamer Werte – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, individuelle Grundrechte, soziale Marktwirtschaft – zusammen zu leben. Mit der Schaffung gemeinsamer Institutionen und Regeln, eines gemeinsamen Marktes und der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung können die europäischen Nationalstaaten nicht nur künftige Konflikte vermeiden, sondern auch zu mehr Wohlstand beitragen, als es in zahlreichen, kleinen und voneinander abgeschotteten Volkswirtschaften möglich wäre. Schließlich ermöglicht ein geeintes Europa individuelle Bewegungsfreiheit für seine Bürger.

Diese Geschichte hat funktioniert und sehr viele Menschen haben über die letzten 50 Jahre an ihr mitgearbeitet und zahllose Ergänzungen vorgenommen. Nun steht die Einigung Europas an einer neuen Stufe, und wieder einmal ist die Zukunft offen. Welche Rolle wird das erweiterte und neu verfasste Europa für die Menschen und Kulturen spielen, die in ihm leben?

Anliegen des Wettbewerbs "Ein Tag im Leben – Szenarien zu Europa 2015" ist die Förderung einer Kultur des Erzählens und des Dialogs. Jeder Wandel lebt von den Geschichten, die ihm zugrunde gelegt werden.

Szenarien sind Produkte der Kreativität derer, die sie erarbeitet haben. Ob sie sich durch einen Mangel oder ein Übermaß an Phantasie auszeichnen, muss der Betrachter stets für sich entscheiden. Es geht darum, die Zukunftsperspektive Europa mit Leben zu füllen.

 


"Was B. an einem Tag irgendwo im Europa
des Jahres 2015 erlebte. Und warum."

 

"Ein Tag im Leben - Szenarien zu Europa 2015" ist ein Projekt des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Zusammenarbeit mit dem Centrum für angewandte Politikforschung

 
 
       
© 2004-05
Zuletzt aktualisiert: 06.03.2005