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Einwohner
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8,02 Mio. (EU15: 371 Mio.)
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Fläche
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110.994 qkm (EU15: 3,2 Mio. qkm)
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Einwohner / qkm
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72
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Hauptstadt
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Sofia (1.096.389 Einwohner)
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Amtssprache
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Bulgarisch
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Religion
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bulgarisch-orthodoxe Christen (85,7 %),
Muslime (13,1 %)
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Urbanisierung
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67 %
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Arbeitslosigkeit
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16,3 %
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Staatsform
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Republik
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Nationalfeiertag
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3. März
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Regierung
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Georgi Prawanow (Staatspräsident)
Simeon Sakskoburggotski (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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voraussichtlich 2007
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I. Werte, Identität und Kultur
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Die
bulgarische nationale Identität ist zum einen durch eine sehr
früh beginnende Eigenstaatlichkeit geprägt. Wurzeln des
bulgarischen Staatswesens lassen sich bis ins 7. Jahrhundert zurückverfolgen.
Zum anderen lebten die Bulgaren viele Jahrhunderte unter einer Fremdherrschaft,
zunächst als Gebiet des byzantinischen Reichs, ab 1396 und
für die folgenden 500 Jahre als Teil des osmanischen Herrschaftsgebietes.
Das schwierige und von Vorurteilen geprägte Verhältnis,
das Bulgaren und Türken auch heute noch "verbindet",
lässt sich bis zu dieser Zeit zurückverfolgen. Am 3. März
1878 erlangte Bulgarien erneut seine Unabhängigkeit. Der bulgarische
Nationalfeiertag erinnert an die Ausrufung des bulgarischen Staates
in diesem Jahr. In der Zeit des Ost-Westkonflikts lag Bulgarien
im Einflussbereich der sowjetischen Führung.
Die Bulgaren sehen sich historisch und kulturell mit Europa verbunden.
Laut Umfrage bezeichnen sich 44% der Bulgaren zugleich als Bulgaren
und Europäer. Die Unterstützung für den Beitritt
zur Europäischen Union ist sehr hoch. 70% der Befragten bezeichneten
im Frühling 2003 eine EU- Mitgliedschaft Bulgariens als erstrebenswert
und bringen damit die Hoffnungen auf eine Unterstützung für
die Lösung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme
des Landes zum Ausdruck. Im Gegensatz zur Sicht der Rumänen,
empfanden die Bulgaren den Beschluss ihr Land nicht vor 2007 aufzunehmen
als eine Zurückweisung.
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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Der Zusammenbruch der sozialistischen Volksrepublik Bulgarien erfolgte
1989 ohne den abrupten Regimewechsel, der in vielen anderen Wendestaaten
das Bild prägte. Der regierende Parteiführer wurde abgesetzt,
doch die bis dahin regierende kommunistische Partei regierte danach
unter dem Namen Bulgarische Sozialistische Partei weiter. Durch
die Verfassung von 1991 wurde Bulgarien zu einer demokratischen
Republik mit parlamentarischer Regierungsform. Erst 1997 kam die
Opposition an die Macht, und die wirkliche Öffnung Bulgariens
in Richtung Westen konnte beginnen.
Bis zum 2. Weltkrieg war Bulgarien eine Monarchie gewesen. Der von
den Kommunisten entmachtete Zar hatte fast 50 Jahre im spanischen
Exil gelebt, bis er 2001 seine eigene bulgarische Partei gründete
und zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Simeon II aus
dem Hause Sachsen- Coburg- Gotha und seine Partei "Nationale
Bewegung Simon der Zweite" regieren seit 2001 gemeinsam mit
der Partei der türkischen Minderheit. Das Staatsoberhaupt Bulgariens
ist seit 2001 der Ex-Kommunist Georgi Parwanow, der jedoch weitgehend
nur repräsentative Aufgaben inne hat.
Bulgariens Minderheiten sind nicht alle so gut organisiert und
vertreten wie die türkischstämmige Bevölkerung (9%
der Gesamtbevölkerung), die auch auf Unterstützung durch
ihr Mutterland rechnen können. Als 1984 die Kommunistische
Partei Bulgariens den "Wiedergeburtsprozess" einleitete,
eine Bulgarisierungskampagne, die u.a. die Türken dazu zwang,
bulgarische Namen anzunehmen, flüchteten Hunderttausende in
die Türkei. Diese Möglichkeit war den Pomaken, den Bulgaren
islamischen Glaubens, und den Roma (4 Prozent der Bevölkerung)
nicht gegeben. Insbesondere die Integration der Roma wurde niemals
gefördert, heute sind sie stärker als andere ethnische
Gruppen von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. In der Verfassung
Bulgariens werden die nationalen Minderheiten nicht erwähnt.
Immerhin wird allen Bulgaren Religionsfreiheit garantiert so wie
die gewaltsame Assimilation als rechtswidrig verankert.
Obwohl
Bulgarien innerhalb der letzten Jahre eine enorme Aufholleistung
hinsichtlich der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien (Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit, offene Märkte, Erfüllung von EU-Satandards)
bestätigt werden kann, wird das Land noch nicht 2004 mit den
anderen Mittel- und Osteuropäischen Staaten der Europäischen
Union beitreten können. Gemeinsam mit Rumänien hofft man,
ab 2007 dabei zu sein. Nachdem Bulgarien lange Zeit nicht in die
engere Wahl hinsichtlich des Beitrittskandidatenstatus (=Aufnahme
von konkreten Beitrittsverträgen) gekommen war, belohnte man
das solidarische Verhalten Bulgariens während der Kosovo-Krise
1999 mit dem Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen Anfang 2000. Weitere
Schritte, die zu einer Annäherung an die EU beigetragen haben,
war die Abschaffung der Todesstrafe und der Ratifizierung der Rahmenkonvention
zum Schutz Nationaler Minderheiten im Jahr 1999. Daneben konnten
weitere Erfolge bei der Einführung einer funktionierenden Marktwirtschaft
verbucht werden.
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III. Europas Rolle in der Welt
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Zur Zeit des Kalten Krieges war Bulgariens Innen- und Außenpolitik
eng an die damalige Sowjetunion angelehnt. Bulgarien galt als sozialistisches
Musterland in Südosteuropa. Auch nach der Wende wurde diese
besondere Freundschaft mit Moskau durch die regierende Nachfolgepartei
der Kommunisten als Ergänzung zur EU- Integration und Alternative
zur NATO-Osterweiterung aufrechterhalten. Nachdem die Opposition
1997 die bisherige Regierung abgelöst hatte, schlug Rumänien
den Kurs in Richtung Westen ein und erwartet im kommenden Jahr die
Aufnahme in die NATO. Der EU hofft Bulgarien 2007 beitreten zu können.
Dennoch sind traditionelle Bande mit Russland vorhanden und werden
erhalten. Bulgarien versteht sich als Vermittler zwischen euro-
atlantischen und russischen Interessen.
Bulgarien beteiligt sich bereits heute im Rahmen der Partnerschaft
für den Frieden an internationalen Missionen auf dem Balkan,
in Afghanistan und derzeit auch im Irak.
Die regionale Kooperation ist ein Schwerpunkt bulgarischer Außenpolitik.
Neben dem Stabilitätspakt für Süd- Osteuropa konnten
in den vergangenen Jahren noch andere stabilisierende Abkommen in
der Region geschlossen werden, die Schwarzmeer- Wirtschaftskooperation
etwa oder die "Charta für Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft"
zwischen den Anrainerstaaten der ehemaligen Bundesrepublik Jugoslawien.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Bulgarien gilt als der ärmste der EU- Beitrittskandidaten.
Eine Million von insgesamt acht Millionen Bulgaren leben unter der
Armutsgrenze. Mit einem durchschnittlichen Monatslohn von 120_ ist
der Lebensstandard sehr niedrig. So ist es nicht erstaunlich, dass
die Bulgaren sich von ihrem EU- Beitritt vor allem die Bekämpfung
der Armut erwarten.
Rechtsunsicherheiten, Hindernisse in der Verwaltung und die Tatsache,
dass Bulgarien Nachbarstaat einer Konfliktregion (das ehemalige
Jugoslawien) gewesen ist, haben ausländische Investoren in
den 90ern davon abgehalten, in Bulgarien zu investieren. Motiviert
durch die bevorstehende Aufnahme Bulgariens in den Kreis der Beitrittskandidatenstaaten
erfolgten seit 1999 zahlreiche Umstrukturierungsmaßnahmen,
so dass sich langfristig die Situation verbessern kann. Vor allem
im Bereich Tourismus wurde seit 1996 eine Verdoppelung der Einnahmen
verzeichnet. 2002 bestätigte die Europäische Kommission
Bulgarien eine funktionierende Marktwirtschaft.
Im europäischen Vergleich verlief das bulgarische Wirtschaftswachstum
in den letzten Jahren überdurchschnittlich (2002: 4%). Überdurchschnittlich
hoch liegt jedoch auch die Arbeitslosenquote (zwischen 18 und 20%).
Nachdem unter kommunistischer Herrschaft das ehemals agrarisch
geprägte Land zum Industriestandort umgewandelt worden war,
spielt heute die Landwirtschaft wieder eine wichtige Rolle. Zwischen
11 und 13% des BIP werden in diesem Sektor erwirtschaftet. Hauptanbauprodukte
sind Getreide, Tabak, Wein, Sonnenblumen und Obst.
Den wichtigsten Wirtschaftszweigen chemische Industrie, Nahrungsmittel-
und Tabakindustrie so wie Maschinenbau, Textil-, Glas- und Porzellanindustrie
kommt eine relativ gut ausgebaute Infrastruktur zu Gute (See- und
Flughäfen).
Bulgarien
ist arm an natürlichen Ressourcen. Schon unter kommunistischer
Herrschaft bestand eine Rohstoffabhängigkeit von Russland.
Auch heute werden die Energieträger Erdöl und Erdgas aus
Russland importiert. Neben der heimischen Kohle liefern die beiden
staatlichen Atomkraftwerke einen Großteil der Energie (bis
zu 40%). Stolz auf ihre eigene Energieversorgung reagierten die
Bulgaren mit Unverständnis auf die Forderung der EU, die Blöcke
1- 4 des sicherheitstechnisch als kritisch eingestuften Kernkraftwerks
Kozloduj abzuschalten. Laut Umfrage betrachtete die bulgarische
Bevölkerung diese Forderung als unerlaubten Eingriff in die
Energieautonomie Bulgariens. Die Bulgaren befürchten höhere
Energiepreise und forderten mit rund einer Million Unterschriften
Ende der 90er Jahre den weiteren Ausbau der Atomenergie. Neben Wasserkraft
(7,5%) werden erneuerbare Ressourcen kaum genutzt.
Der breite Einsatz von Braunkohle zur Stromgewinnung bedeutet eine
hohe Umweltbelastung. Bulgariens Hauptumweltproblem ist die hohe
Luftverschmutzung. Zusätzlich gelten die Bereiche Wasserversorgung
und Abwasserentsorgung als problematisch.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Bulgarien hatte in den letzten Jahren ein negatives Bevölkerungswachstum
zu verzeichnen (mehr Sterbefälle als Geburten). Zusätzlich
führt eine hohe Abwanderungsrate zu stetigem Bevölkerungsrückgang.
Die Lebenserwartung der Bulgaren ist während der letzten 10
Jahre zudem um zwei Jahre gesunken. Als alarmierend werden die große
Anzahl bösartiger Tumore und Herzgefäßerkrankungen
als Folge von Stress, fettreicher Ernährung, einem hohen Tabakkonsum
und die Ausbreitung typischer Armutskrankheiten wie Tuberkulose
genannt.
Erst 2000 führte Bulgarien ein Pflichtsozialversicherungssystem
ein. Das Rentensystem wurde modernisiert und in drei Säulen
untergliedert: 1. staatliche Umlage nach Pflichtbeitrag durch den
Arbeitnehmer; 2. obligatorische Einzahlung in einen Rentenfonds
und 3. freiwillige private Zusatzversicherung. Auf diese Weise versucht
man vor allem, dem Problem der hohen Arbeitslosigkeit (18- 20%)
und der damit verbundenen geringen Anzahl Beitragszahler zu begegnen.
Derzeit unterhalten die Beiträge von 100 Erwerbstätigen
90 Rentner. Die monatliche Höchstrente liegt bei 80 Euro.
Das sehr gute und aufwendige Gesundheitssystem aus der kommunistischen
Ära konnte nicht aufrechterhalten werden. Bis 1990 war die
Gesundheitsfürsorge völlig kostenlos gewesen. Die neu
eingeführte Krankenversicherung, die von Arbeitnehmer und Arbeitgeber
finanziert wird, deckt längst nicht alle medizinischen Leistungen.
Das Ergebnis ist eine Zwei-Klassen-Medizin, die oft nur denjenigen,
die es sich finanziell leisten können, eine angemessene medizinische
Behandlung erlaubt.
Erst kürzlich wurde an der Universität in Sofia ein Studiengang
für Allgemeinmedizin eingerichtet. Bisher zeichneten sich die
bulgarischen Mediziner durch einen hohen Grad an Spezialisierung
aus. Bezogen auf die Bevölkerungszahl ist der Anteil an hochqualifizierten
Ärzten heute in Bulgarien höher als in der Schweiz.
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