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Die
ersten Spuren einer Besiedlung Zyperns sind rund 10.000 Jahre alt.
Schon in der Bronzezeit beliefert Zypern die gesamte Mittelmeerregion
mit Kupfer und Keramiken. Ca. 1500 v. Chr. erreichen Mykener und
1200 v. Ch. Achäer die Insel. Ab diesem Zeitpunkt wird Zypern
fester Bestandteil des hellenischen Kulturkreises. Sie bringen die
griechische Sprache, ihre Religion und Bräuche nach Zypern.
Städte und Stadtkönigreiche wie Salamis und Pafos entstehen.
Homer nennt Zypern als den Geburtsort Aphrodites: "geboren
aus dem Schaum des Meeres" geht sie auf Zypern an Land.
Ab 700 v.Chr. wird die Insel abwechselnd von Ägyptern, Assyrern
und Persern besetzt, bis sie 333 v.Chr. von Alexander dem Großen
befreit wird. Von 58 v. Chr. bis 330 n.Chr. ist Zypern Teil des
Römischen und bis 1191 des Byzantinischen Reiches. Im Jahr
1191 erobert Richard Löwenherz auf seinem Dritten Kreuzzug
die Insel. Im selben Jahr verkauft er die Insel zunächst an
die Tempelritter, später an Guy de Lusignan. Fast 300 Jahre
bleibt Zypern im Besitz der fränkischen Familie. 1489 schenkt
die letzte Königin dieses Geschlechts, Chaterina Cornaro, die
Insel Venedig. 1571 wird Zypern von türkischen Truppen besetzt
und in das Osmanische Reich eingegliedert. Türken besiedeln
vermehrt die Insel, obgleich die Bevölkerungsmehrheit immer
griechisch bleibt. Ein jahrhundertelanges friedliches Zusammenleben
der beiden Volksgruppen beginnt. Im Zuge des Verfalls des Reiches
gelangt es 1878 in den Einflussbereich des britischen Kolonialreiches.
Nach der endgültigen Niederlage des Osmanischen Reichs im Ersten
Weltkrieg wird Zypern von Großbritannien annektiert und 1925
in das Empire eingegliedert. Die Insel wird britische Kronkolonie
und Commonwealth Mitglied.
Nachdem die Zyperngriechen, unterstützt durch Griechenland,
die Eingliederung an ihr Mutterland ("Enosis") forderten,
suchten die Zyperntürken, aus Angst vor griechischer Unterdrückung,
den Schutz der seit 1923 bestehenden Türkei. Ihr Ziel wiederum
war die Teilung des Landes ("Taksim") in einen griechischen
und einen türkischen Teil. Die Zyperngriechen waren jedoch
bereit, die Enosis notfalls mit Gewalt herbeizuführen und so
kommt es 1931 erstmals zu feindlichen Auseinandersetzungen und massiven
Ausschreitungen zwischen den beiden bis dahin friedlich zusammenlebenden
Volksgruppen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Verlust ihrer Einflusssphären
ziehen sich die Briten immer mehr von der Insel zurück. Die
zypriotischen Volksgruppen geraten zunehmend unter den Einfluss
ihrer Mutterländer Griechenland und Türkei. Nach einem
vierjährigen Befreiungskampf verhandeln in Zürich die
Türkei, Griechenland und Großbritannien über die
Zukunft Zyperns, im selben Jahr wird in London ein Vertrag unterzeichnet,
der die neue Verfassung und den neuen Status der Insel festlegt.
Die neue Verfassung beinhaltet ein Interventionsrecht der Garantiemächte
Türkei, Griechenland und Großbritannien, sollte der vertraglich
festgelegte Status Quo der Insel einseitig verändert werden.
Am 16.8. 1960 wird Zypern eine unabhängige, souveräne
Republik. Erzbischof Makarios wird erster Staatspräsident.
Da dieser sich zunehmend für die Selbstständigkeit der
Insel stark macht, inszeniert die griechische Militärjunta
1974 einen Putsch auf Zypern um den Sturz Makarios und die Vereinigung
mit Griechenland herbeizuführen. Die Türkei sieht die
Verträge von Zürich und London verletzt und startet eine
Militärinvasion Zyperns. In der Nacht vom 13. auf den 14. 8.
1970 landen türkische Truppen im Nordteil der Insel und besetzten
40% des Gesamtterritoriums. Im Zuge der Invasion kommt es zur Vertreibung
von 170.000 griechischen Zyprioten. Im Süden hingegen zu blutigen
Vergeltungsmaßnahmen an der türkisch zypriotischen
Bevölkerung.
Im
Februar 1975 wird für den Norden des Landes eine eigene Verfassung
ausgearbeitet sowie politische Institutionen für einen türkisch
zypriotischen Teilstaat. 1983 wird die Türkische Republik
Nordzypern (TRNZ) ausgerufen. Während die Türkei die TRNZ
sofort anerkennt und sich zur Garantiemacht erklärt, verurteilt
der UNO Sicherheitsrat die Ausrufung als illegal und fordert
einen sofortigen Abzug aller Besatzungstruppen aus Zypern, dem nicht
nachgekommen wird. Bis heute ist Zypern entlang der sogenannten
Attilalinie in einen Nord- und einen Südteil geteilt, die auch
direkt durch die Hauptstadt Nikosia verläuft. Da die TRNZ von
der internationalen Staatengemeinde mit Ausnahme der Türkei,
nicht anerkannt wurde, versteht sich die griechisch zypriotische
Regierung weiterhin als einzig legitime Volksvertretung der gesamten
Insel. Aus diesem Selbstverständnis heraus beantragte die griechisch
zypriotische Regierung 1990 die EU Vollmitgliedschaft
für die gesamte Insel.
Nachdem sich die EU Kommission 1993 erstmals für einen
Beitritt ausgesprochen hatte, wurden auf dem EU Gipfel in
Kopenhagen 2002 die Beitrittsverhandlungen abgeschlossen. Obwohl
von Seiten der EU die Lösung der Zypern Frage keine
zwingende Vorraussetzung für den Beitritt der Insel darstellte,
erhoffte man sich doch eine Katalysatorwirkung auf den Zypernkonflikt.
Aus diesem Grund begrüßte der Europäische Rat im
selben Jahr die Wiederaufnahme von Verhandlungen auf der Grundlage
der Vorschläge des Generalsekretärs der Vereinten Nationen
Annan. Jegliche Hoffnung auf einen gemeinsamen EU Beitritt
der Insel schwand jedoch, als die Verhandlungen im März 2003
in Den Haag für gescheitert erklärt wurden. Die starre
Haltung der Volksgruppenführer, vor allem die des türkisch
zypriotischen Präsidenten Denktasch, machte eine Einigung
unmöglich.
Diese Haltung scheint sich jedoch nur auf die Politiker zu beschränken.
Umfragen zufolge wünschen die Zyprioten im Norden wie im Süden
eine Wiedervereinigung und eine gemeinsame Aufnahme in die EU. Vor
allem die türkischen Zyprioten realisieren sehr genau was ein
EU Beitritt für sie bedeutet und welche wirtschaftlichen
Vorteile damit verbunden sind. So kam es während der Verhandlungen
im türkischen Teil der Hauptstadt Nikosia zu Massendemonstrationen
von mehr als 80.000 türkischen Zyprioten. Die Hauptforderung
ist ein eigenes Referendum in dem über die Wiedervereinigung
und den EU Beitritt abgestimmt werden soll. Unterstützung
erhalten die türkischen Zyprioten neben der Presse, die die
Ablehnung des Annan Plans scharf kritisierte, von den Oppositionspolitikern
der TRNZ. Oppositionsführer Talat rief Ende März 2003
deshalb eine Kampagne ins Leben, die unter dem Motto steht: "Dieses
Land ist das unsrige". Darin wird über die Volksgruppenzugehörigkeit
hinweg an das gemeinsame zypriotische Nationalempfinden der Bevölkerung
appelliert. Daran beteiligt sind neben den Gewerkschaften 40 Organisationen
und alle Repräsentanten der Oppositionsparteien. Die Presse
meldete unter anderem, dass eine Vereinigung türkischer Zyprioten
es in Erwägung ziehen würde, am Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte zu klagen.
Trotz der Kritik im eigenen Land wird in Athen 2004 wohl kein geeintes
Zypern der EU beitreten. Rein rechtlich wird die gesamte Insel zur
EU gehören, da die griechisch zypriotische Regierung
völkerrechtlich gesehen das ganze Staatsgebiet repräsentiert.
Das EU Recht wird für den türkischen Nordteil zunächst
ausgesetzt und kommt erst dann zur Anwendung, wenn eine Einigung
in der Zypern Frage erreicht wurde. Die EU Kommission
sicherte aber zu, dass die Wirtschaftshilfen im Umfang von jährlich
260 Mio. Euro weiter geleistet werden.
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Die
Republik Zypern, der Südteil der Insel, ist entsprechend der
Verfassung von 1960 eine unabhängige, souveräne Republik
mit einem präsidialen System. Der auf fünf Jahre direkt
gewählte Präsident ist Staatsoberhaupt und Regierungschef
in einer Person. Nach der zypriotischen Verfassung verfügt
er über umfassende Kompetenzen. Er ernennt die Mitglieder des
Ministerrates und verfügt in der Gesetzgebung über ein
endgültiges Vetorecht in den Bereichen Außen-, Verteidigungs-
und Sicherheitspolitik. Für alle übrigen Gesetzesvorschläge
des Parlaments über ein suspensives Veto, d.h. er kann diese
zu einer erneuten Beratung an die Legislative zurückweisen.
Der Staatspräsident benötigt, ähnlich dem amerikanischen
Präsidenten, nicht unbedingt das Vertrauen des Parlaments.
Vor Ablauf seiner Amtszeit kann er deshalb nur durch ein Impeachment
Verfahren seines Amtes enthoben werden.
Seit dem 1.3. 2003 heißt der neue Staatspräsident Tassos
Papadopoulos. Der studierte Jurist ist ein erfahrener Politiker.
Von 1959 1970 bekleidete er zahlreiche Ministerposten und
wirkte maßgeblich an der Ausarbeitung der zypriotischen Verfassung
nach der Unabhängigkeit mit.
Die Regierung der Republik Zyperns, der Ministerrat, setzt sich
aus elf vom Staatspräsidenten ernannten Ministern zusammen.
Sie müssen keine Mitglieder des Parlaments sein und brauchen
keine Zustimmung der Legislative.
Die 80 Mitglieder des Repräsentantenhauses werden auf fünf
Jahre vom Volk gewählt. 56 Mitglieder sind griechische Zyprioten
und 24 Mitglieder türkische Zyprioten, die von der türkisch
zypriotischen Volksgruppe gewählt werden. Da diese Abgeordneten
ihr Mandat seit 1964 nicht mehr wahrnehmen und ihre Sitze vakant
sind, besteht das Repräsentantenhaus aus den 56 Mitgliedern
der griechisch zypriotischen Volksgruppe. Gesetze werden
mit einfacher Mehrheit beschlossen.
Die Türkische Republik Nordzyperns (TRNZ) hat seit 1975 eine
eigene Verfassung und eigene politische Institutionen. Der ehemalige
Vorsitzende des türkisch zypriotischen Kommunalparlaments
Rauf Denktasch wurde im selben Jahr zum Präsidenten ernannt.
Seitdem wurde er bei allen Präsidentschaftswahlen in seinem
Amt bestätigt.
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Seit 1960 ist Zypern Mitglied der Vereinten Nationen. Seit 1961
Mitglied des Europarats und des Commonwealth. Neben umfangreichen
Beziehungen zu den EU Ländern, insbesondere Großbritannien,
unterhält Zypern gute Kontakte zu den Ländern der arabischen
Welt. Die zahlreichen bilateralen Handelsabkommen waren mitverantwortlich
für den Wirtschaftsaufschwung Südzyperns nach der Teilung
des Landes. Daneben ist es Mitglied in allen großen internationalen
Wirtschaftsorganisationen: WTO, IWF, Weltbank und Weltzollorganisation.
Seit 1995 ist Zypern Mitglied der OSZE. Daneben gehört es
zu den zwölf assoziierten Partnerländern der Europa
Mittelmeerpartnerschaft, die 1995 in Barcelona ins Leben gerufen
wurde. Die Kooperation umfasst eine politische und sicherheitspolitische
Partnerschaft, Wirtschafts- und Finanzpartnerschaft sowie Zusammenarbeit
im sozialen und kulturellen Bereich.
Zypern gehört zu den Befürwortern einer gemeinsamen europäischen
Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) und versucht in einem
multilateralen politischen Dialog diese verstärkt voranzubringen.
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Die politische Teilung zog eine tiefe wirtschaftliche Krise Zyperns
nach sich. 170.000 Flüchtlinge aus dem Nordteil mussten aufgenommen
werden, nahezu 30% der griechischen Zyprioten waren obdachlos. In
der Folge sank das Bruttossozialprodukt um zweidrittel, die Arbeitslosenquote
schnellte von 1,2% auf 29,6%. Der Flughafen Nikosia lag plötzlich
im Niemandsland und der Hafen Famagustas über den bis dahin
80% des Seehandels abgewickelt wurde war unzugänglich geworden.
Dennoch kam die Wirtschaft im Südteil des Landes schnell wieder
in Gang. Zwischen 1974 und 2000 lag das Wachstum im Durchschnitt
bei 6%. Das Pro Kopf Einkommen beträgt mit 15.200 Euro
ca. 80% des EU Durchschnitts. Damit belegt Zypern den ersten
Platz unter den Beitrittskandidaten.
Verantwortlich für den Aufschwung war vor allem ein starker
Dienstleistungssektor, bestehend aus Tourismus, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen.
65% der Bevölkerung ist in diesem Sektor beschäftigt und
erwirtschaftet 75% des gesamten Bruttoinlandproduktes. Dabei ist
die Tourismusbranche die wichtigste Einnahmequelle des Landes. Rund
3 Mio. Besucher verzeichnete Zypern 2001. Allerdings ist besonders
diese Branche anfällig für weltpolitische und wirtschaftliche
Krisen. So sank die Wachstumsrate in Folge der weltweiten Konjunkturschwäche
und des Irak Krieges auf 2,3% im Jahre 2003.
Ein zusätzlicher Hemmschuh der zypriotischen Wirtschaft sind
die steigenden Ölpreise der letzten Jahre. Seinen Energiebedarf
deckt das rohstoffarme Zypern fast vollständig aus teuren Ölimporten.
Die Kosten dafür betragen ganze 48% des gesamten Exporterlöses.
Vor allem das Betreiben der Meerwasserentsalzungsanlagen ist energieaufwendig.
Um deshalb bei der Energieversorgung eine größere Unabhängigkeit
zu erreichen, legte die Regierung 2002 einen Aktionsplan vor, um
erneuerbare Energien, vor allem solarthermische Energie, zu fördern.
Aufgrund
eines absoluten Wirtschaftsembargos seitens des Südteils und
fehlender internationaler Anerkennung war die TRNZ in ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung stark gehemmt. Der Handel bleibt größtenteils
auf den türkischen Markt beschränkt. Das Pro Kopf
Einkommen liegt bei 4.500 Euro und damit deutlich unter dem
des Südteils. 75% des Bruttoinlandsproduktes werden in der
Landwirtschaft erbracht. Neben der allgemeinen Strukturschwäche
ist vor allem die konstant hohe Inflation ein Problem.
Durch die Übernahme der türkischen Lira als offizielles
Zahlungsmittel wurde die hohe Inflationsrate der Türkei importiert.
Um die wirtschaftliche Schwäche der TRNZ zu kompensieren, wendete
Ankara 2002 200 Mio. US Dollar auf. Für den Zeitraum von 2003
2005 sind Wirtschaftshilfen mit einem Gesamtvolumen von 450
Mio. US Dollar geplant.
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