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Einwohner
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5,3 Mio
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Fläche
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43.094 qkm
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Einwohner / qkm
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123
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Hauptstadt
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Kopenhagen (1.379.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Dänisch
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Religion
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Christen (89,8 %), Muslime (1,3 %)
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Urbanisierung
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85 %
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Arbeitslosigkeit
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6,1 % (2001)
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Staatsform
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Parlamentarische Monarchie
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Regierungschef
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Paul Nyrup Rasmussen (Sozialdemokrat)
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Regierungsparteien
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Sozialdemokraten und Sozialliberale
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Beitritt zur EG/EU
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1973
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I. Werte, Identität und Kultur
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Im
Inselstaat Dänemark ist keine Ortschaft weiter als 52 Kilometer
vom Meer entfernt. Von den 474 Inseln Dänemarks sind jedoch
nur 100 bewohnt. Der Grad an Urbanisierung ist in Dänemark
mit 85 Prozent sehr hoch, rund 2 der 5,3 Millionen Dänen leben
allein im Ballungszentrum Kopenhagen. Neben dem Dänischen ist
Englisch weitverbreitet; alle Dänen in verantwortlichen Positionen
sprechen in der Regel Englisch. Grund hierfür ist die intensive
Einbindung Dänemarks in den internationalen Handel mit Gütern
und Dienstleistungen. Im Grenzbereich zu Deutschland sprechen viele
Dänen auch Deutsch. Dänemark gehört zu den EU-Ländern
mit einem überdurchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen, wie auch
die anderen skandinavischen Länder verfügen die Dänen
über ein steuerfinanziertes Sozialsystem auf hohem Niveau.
Dänemark blickt auf eine lange nationalstaatliche Identität
zurück und hatte trotz seiner geringen geografischen Größe
lange Zeit weltweit beträchtlichen Einfluss. Seit dem Jahr
950 kann Dänemark auf eine durchgängige Königsabfolge
verweisen und war, mit Ausnahme der Besatzung durch Deutschland
im 2. Weltkrieg, niemals fremd beherrscht. Im Gegenteil: Dänemark
beherrschte selbst ausgedehnte Gebiete in Afrika, Asien und Westindien.
Die politische und wirtschaftliche Macht des kleinen Dänemarks
war enorm. Obwohl die Dänen im Anschluss an die napoleonischen
Kriege Gebiete an England und Schweden verloren, bekamen sie im
Zuge der Restauration von der Staatengemeinschaft quasi als Kompensation
Teile Schleswig-Holsteins dazu. Der Hamburger Stadtteil Altona gehörte
im 19. Jahrhundert ebenfalls zu Dänemark. Eine demokratische
Verfassung gaben sich die Dänen 1915 seitdem ist Dänemark
eine parlamentarische Monarchie. Derzeitiges Staatsoberhaupt ist
Königin Margrethe II, aus den Wahlen von 2001 ging Anders Fogh
Rasmussen als Ministerpräsident hervor. Die Kolonien Dänemarks
in Afrika, Asien und Westindien wurden inzwischen verkauft oder
zurückgegeben. Nur Grönland und die Färöer-Inseln
gehören noch zu Dänemark. Obwohl die dänische Verfassung
auch dort gültig ist, verwalten sich beide Gebiete weitgehend
selbst und verfügen über umfassende Rechtsetzungsbefugnisse.
So sind die Färöer z.B. gar nicht erst der EG/EU beigetreten,
Grönland trat 1982 wieder aus.
Die Dänen sind stolz auf die über 1000-jährige Geschichte
ihres Landes, ihr Selbstbewusstsein ist eng mit der nationalen Identität
verknüpft. Als relativ kleiner Mitgliedstaat haben sie
so dass Gefühl vieler Dänen nur einen geringen
Einfluss auf die Entscheidungsprozesse der EU. Wichtige Entscheidungen
sollten in der EU darum auch künftig einstimmig gefällt
werden müssen. Als eines der pro Kopf gerechnet
wohlhabendsten Länder und damit größten Nettozahler
der EU fürchtet man zudem, dass das hohe Niveau des dänischen
Sozialsystems oder auch die vergleichsweise hohen Umweltstandards
im Zuge weitergehender Integrationsschritte verwässert werden
könnten. Kurz: die Dänen tun sich schwer damit, ihre nationalstaatliche
Unabhängigkeit zugunsten der europäischen Ebene abzugeben.
Gleichzeitig haben sie als Exportland aber ein großes Interesse
an einem funktionierenden europäischen Binnenmarkt und setzen
sich auch für die Osterweiterung der EU ein. Im Gegensatz zu
ihren Vorfahren, den Wikingern, ist das Ziel Dänemarks heute
der Erhalt von Frieden und Stabilität in Europa. Dänemark
verfügt über eine direkte Grenze zu einigen der Beitrittsländer
und wird vermutlich von der Erweiterung wirtschaftlich profitieren.
In einem Referendum sprachen sich die Dänen 1992 zunächst
gegen den Maastrichter Vertrag aus da alle Mitgliedstaaten
zustimmen mussten, drohte die angestrebte EU-Reform zu platzen.
Nur durch bestimmte Sonderregelungen konnte der Maastrichter Vertrag
schließlich in einem zweiten Referendum die Zustimmung der
Dänen finden. In einem Referendum am 1.Juni 1998 stimmte die
Mehrheit der Dänen für den Amsterdamer Vertrag
der eine erneute Reform der EU vorsah. Im Vorfeld der Volksabstimmung
über den Amsterdamer Vertrag war die vorgesehene Vergemeinschaftung
der Asyl-, Flüchtlings- und Einwanderungspolitik sowie die
Übernahme des Schengener Besitzstandes (Aufgabe von Grenzkontrollen
an den EU-Binnengrenzen) besonders heikle Themen. Während rechtspopulistische
Parteien durch die Abschaffung der Binnengrenzen eine Flut von 40
Millionen osteuropäischer Arbeitnehmer in die EU und damit
einhergehend eine Überfremdung Dänemarks befürchteten,
kritisierten die Linken den damit verbundenen Verzicht auf nationale
Selbständigkeit und den Bau an der "Festung Europa.
Im Gegensatz zu ihren Regierungsvertretern steht die dänische
Bevölkerung einer europäischen Asylpolitik äußerst
skeptisch gegenüber.
Dänemark galt mit seiner großzügigen Asylpolitik
lange Zeit als "Musterknabe der Europäischen Union.
Dieses Bild muss aber im Zuge der Entwicklungen der letzten zehn
Jahre ein wenig korrigiert werden. Seit 1984 haben mehr als 70 000
Menschen Asyl oder eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären
oder anderen Gründen in Dänemark erhalten. Mehr als ein
Drittel der Flüchtlinge stammen aus dem früheren Jugoslawien
gefolgt von Flüchtlingen aus dem Iran, dem Irak, Sri
Lanka, Somalia und Vietnam. Ähnlich wie in den meisten EU-Staaten
erreichte die Anzahl der Asylanträge 1993 mit 14347 Anträgen
einen Rekord. Die dänische Regierung reagierte darauf mit einer
Asylrechtsnovellierung. Ergebnis: Die Gesamtzahl der Asylanträge
nahm deutlich ab und wurden 1995 noch 86,7 Prozent aller Anträge
auf Gewährung von Asyl anerkannt, waren es im Jahr 2000 nur
noch rund die Hälfte. Unter dem Druck einer zunehmenden Fremdenfeindlichkeit
in der Bevölkerung und des Aufstiegs der rechtspopulistischen
Dänischen Volkspartei unter Pia Kjaersgaard, verschärfte
die dänische Regierung Ende der 90er Jahre erneut das Ausländerrecht.
Die rechtspopulistischen Tendenzen in der dänischen Gesellschaft
werden seit September 2000 zusätzlich durch Forderungen der
sozialdemokratischen Innenministerin unterstützt. Diese möchte
alle straffällig gewordenen Flüchtlinge auf einer Insel
internieren. Auch dem Konzept einer multikulturellen Gesellschaft
wurde von der Ministerin eine Absage erteilt: Dänemark solle
"immer christlich und durch und durch dänisch" bleiben.
Immerhin 80 % der Dänen haben laut einer Umfrage der Boulevardzeitung
B.T. diesen Vorschlag begrüßt.
Sind die Dänen nun gegen die Europäische Integration?
Nein, laut einer Umfrage von Eurobarometer aus dem Jahr 2002 sieht
sich die Mehrheit der Dänen als "Dänen und Europäer"
(52 %), und 63 % bewerten die EU- Mitgliedschaft als eine gute Sache.
Doch sieht die Mehrheit der Dänen in der EU eben einen Zusammenschluss
souveräner Staaten, die ihre Eigenständigkeit bewahren
sollten.

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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Dänemark ist im Jahre 1973 zusammen mit Großbritannien
der EG/EU beigetreten. Die dänischen Regierungen vertreten
seitdem einen eher zurückhaltenden Kurs in Bezug auf weitere
Integrationsschritte der Gemeinschaft. Die dänische Bevölkerung
befürchtet eine Aushöhlung ihrer sozialen und wirtschaftlichen
Errungenschaften sowie einen Verlust an nationaler Eigenständigkeit.
Die traditionelle Zusammenarbeit mit den anderen skandinavischen
Ländern soll durch die europäische Einigung nicht beeinträchtigt
werden. Eine Entwicklung der EU, hin zu einem europäischen
Bundesstaat, lehnt die Mehrheit der Dänen rundweg ab. Das dänische
Leitbild für die Europäische Integration ist geprägt
von dem Modell einer Zusammenarbeit eigenständiger Staaten.
Dänemark sieht in Deutschland den wichtigsten Partner in der
EU; aber die auch traditionell sehr engen Verbindungen mit den nordischen
Staaten (Norwegen, Schweden, Finnland und mit den baltischen Ländern)
werden intensiv gepflegt.
Im Zuge der Nachverhandlungen zum Maastrichter Vertrag, der von
den Dänen im ersten Referendum abgelehnt wurde, wurde Dänemark
der Verzicht ("Opt-Out") auf die Teilnahme bei einigen
Politikfeldern der EU eingeräumt ("Edinburgh Kompromiss"):
Dänemark wird sich nicht an bestimmten Bereichen der mit dem
Maastrichter Vertrag begründeten Gemeinsamen Außen- und
Sicherheitspolitik und der Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz
und Inneres beteiligen. Insbesondere lehnt Dänemark eine Stärkung
der sicherheitspolitischen Dimension der EU durch die Schaffung
gemeinsamer militärischer Strukturen ab, hat aber von Anfang
an erklärt, dass es eine verstärkte Zusammenarbeit der
anderen EU-Mitglieder auf diesem Gebiet nicht behindern wird. Dänemark
wird nicht an der Währungsunion teilnehmen und es musste nochmals
eindeutig festgeschrieben werden, dass die mit Maastricht eingeführte
Unionsbürgerschaft in keiner Weise an die Stelle der nationalstaatlichen
Staatsbürgerschaft treten werde. Im Jahr 2000 scheiterte das
Referendum zur Einführung des Euro 53 Prozent der Dänen
sprachen sich gegen die gemeinsame Währung aus. Die dänische
Krone bleibt den Dänen also zunächst erhalten. Auch wenn
Dänemark weiterhin an bestimmten Politikbereichen in justiziellen
und inneren Angelegenheiten nicht teilnimmt, ist das Land seit Dezember
1996 dem sogenannten Schengener Abkommen beigetreten, dass die Abschaffung
der Grenzkontrollen zwischen den EU-Mitgliedstaaten mit Ausnahme
Irlands und Großbritanniens vorsieht. Aufgrund innerer
Spannungen, konnte die dänische Regierung das Schengener Abkommen
jedoch erst im März 2001 konkret umsetzen.
In dänischer Sicht sollte im Europa der Zukunft der Nationalstaat
weiterhin Grundstein der europäischen Architektur bleiben und
die Integration vor allem wirtschaftlicher Natur sein. Die Vision
von Europa als Bundesstaat lehnt man grundsätzlich ab. Anders
als andere kleine EU-Mitgliedstaaten spricht sich Dänemark
gegen eine Veränderung des Kräfteverhältnisses zwischen
den Institutionen zugunsten der Kommission und des Parlamentes aus.
Der Verfassungsvertrag soll ein Grundvertrag und keine Verfassung
mit weit reichenden Folgen für die Verfassungen der Mitgliedstaaten
sein. Seine Annahme wird wieder einem Referendum unterstellt. Entsprechend
ihrer integrationspolitischen Grundeinstellung, der zufolge die
Mitgliedstaaten weitgehend eigenständig bleiben sollen, hält
die dänische Regierung eine Erweiterung auch ohne eine substantielle
Vertiefung der Europäischen Integration für möglich.
Mit Blick auf den Entwurf für einen EU-Verfassungsvertrag,
den der EU-Konvent zur Zukunft Europas im Juli 2003 vorgelegt hat,
lehnt die dänische Regierung insbesondere die darin vorgesehene
neue Gewichtung für Mehrheitsentscheidungen im Rat ab, da dadurch
die kleineren Mitgliedstaaten zugunsten der großen an Einfluss
verlieren würden.
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III. Europas Rolle in der Welt
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Auf der einen Seite will sich Dänemark aktiv an der Gestaltung
der internationalen Sicherheitspolitik beteiligen, auf der anderen
ist die dänische Außenpolitik in zunehmenden Maße
ein Teil der sich vertiefenden Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
der EU (GASP). Seit 1990 verfolgt das Land aktiv außenpolitische
Ziele mit hohem moralischem Anspruch wie beispielsweise die Kritik
der Menschenrechtsver-letzungen in China. Dänemark stellte
Truppen für die NATO Aktionen im Balkan und im Kosovo bereit.
Jetzt erkennt es allerdings, dass die außenpolitischen Ziele
Dänemarks in zunehmenden Masse nur noch im Rahmen der GASP
durchzusetzen sind. Europäische Sicherheitsfragen sollten jedoch
nach Ansicht Dänemarks weiterhin in der NATO erörtert
werden und nicht in der EU. Dänemark beteiligt sich nicht an
der Schnellen-Eingreif-Truppe der EU (EFRE). Die Dänen unterstützen
das Recht der NATO auf die "erste Entscheidung". Das bedeutet,
dass im Falle einer Krise immer erst innerhalb der NATO eine Lösung
gesucht werden soll.
In den neunziger Jahren wurde die dänische Armee entscheidend
umstrukturiert. Der Schwerpunkt liegt jetzt ganz deutlich auf Krisenbewältigung
und dem Einsatz von Schnellen Eingreiftruppen für Friedensmissionen
der UN, OSZE oder der NATO. Die Mehrheit der Dänen befürwortet
die Teilnahme der Armee an diesen internationalen Militärmaßnahmen.
In Fragen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
sucht Dänemark die Unterstützung der Mitgliedstaaten,
die auch eher auf die NATO bauen: Großbritannien, Portugal
und die Niederlande. In der Frage der internationalen Terrorismusbekämpfung
hat sich die dänische Regierung von Anfang an eindeutig auf
die Unterstützung der USA festgelegt. Dänemark hat sich
aktiv in enger Verbindung mit Deutschland an den militärischen
Bemühungen zur Überwindung der Krisensituation in Afghanistan
beteiligt. Dänemark ist in dieser Hinsicht eine Art Vorreiter
bei der Bereitstellung von Truppen für internationale Friedensmissionen
und beteiligt sich auch aktiv an der Mobilisierung der Krisenreaktionsfähigkeit
im Rahmen von OSZE und NATO.
Mittlerweile wird das Opt-out Dänemarks Im Bereich der sich
abzeichnenden Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik
(ESVP) in Frage gestellt, denn es könnte der Fall eintreten,
dass dänische Soldaten nach Hause geschickt werden müssen,
sobald die EU bei Peacekeeping-Aktionen das Kommando übernimmt.
Die Dänen haben sich immer außerordentlich stark im Bereich
internationale Friedensmissionen im Rahmen von NATO- und UN- Einsätzen
engagiert. Warum also nicht auch unter EU-Kommando? Die Opting-outs
können nur durch ein Referendum außer Kraft gesetzt werden.
Die dänische Regierung wagte sich jedoch bisher nicht an ein
solches Projekt.
Dänemark zeigt nicht nur großes Engagement im Bereich
Friedensmissionen und Menschenrechtspolitik, sondern ist
bezogen auf die Bevölkerungsgröße auch eines
der größten Entwicklungshilfe-Geberländer. Die Dänen
fordern den freien Zugang zum Weltmarkt für die Entwicklungsländer,
was insbesondere auch eine Reform der immer noch sehr hohen Subventionen
im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik bedeuten
würde. Dahinter steht natürlich auch das Interesse der
Handelsnation Dänemark an freien Weltmärkten.
Letztlich würden viele Dänen es gerne sehen, wenn sich
die Außenpolitik der EU auf wirtschaftliche Bereiche
z.B. die Verhandlungen im Rahmen der WTO oder Assoziationsabkommen
mit den Entwicklungsländern konzentriert und die sicherheitspolitische
Dimension im Rahmen der transatlantischen Sicherheitsarchitektur
unter dem Dach der NATO verbleiben würde.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Die
dänische Wirtschaft ist von kleinen und mittleren Unternehmen
geprägt, im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten gibt
es wenig Großunternehmen. Das dänische Wirtschaftswachstum
im Jahr 2002 betrug lediglich 1,5 %, was auf die allgemeine Flaute
in der Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Dänemark
gehört gleichwohl zu den 10 reichsten Ländern der Welt
im Hinblick auf das jährliche Bruttosozialprodukt pro Kopf.
Bisher hat Dänemark den Euro als Währung abgelehnt. Nach
der Einführung des Euro als Zahlungsmittel im übrigen
Europa ist die Stimmung in Dänemark zwar zugunsten einer gemeinsamen
Währung umgeschwenkt, jedoch ist noch kein Termin für
ein neues Referendum in Aussicht. Da Dänemark einmal
abgesehen von den Öl- und Gasvorkommen in der Nord- und Ostsee
wenig eigene Rohstoffe besitzt, ist man darauf angewiesen Know-How
zu verkaufen. Bildung hat daher traditionell einen hohen Stellenwert
und ein dänisches Sprichwort lautet: "Wer sich nicht zu
fragen traut, schämt sich etwas dazuzulernen."
Noch am Ende des 2. Weltkrieges war Dänemark ein Agrarland,
seitdem hat es eine rasante Entwicklung hin zum Handelsplatz und
Standort für technologieintensive Wirtschaftszweige durchgemacht.
Eine intensive Industrialisierung und die gleichzeitige Umwandlung
Dänemarks in eine Dienstleistungsgesellschaft hat die Bedeutung
der Landwirtschaft verringert sie liefert jedoch nach wie
vor die Grundstoffe für die recht große dänische
Lebensmittelindustrie. Obwohl Dänemarks Landwirte jahrelang
von der gemeinsamen Agrarpolitik der EU profitiert haben, vor allem
im Hinblick auf die Garantiepreise für Milcherzeugnisse, spricht
sich Dänemark für einen allmählichen Abbau der Subventionen
aus, die europäische Produkte auf dem Weltmarkt so attraktiv
machen.
Wichtige industrielle Sektoren Dänemarks sind die Pharmazeutische
Industrie, die Lebensmittelindustrie so wie der Landmaschinen- und
Schiffsbau. Eine aktive Förder- und Ansiedelungspolitik hat
zahlreiche Hochtechnologieunternehmen (z.B. in den Bereichen Biotechnologie
und Telekommunikation) nach Dänemark gelockt. Dänemark
hat es sich zum Ziel gesetzt, im IT-Sektor eine Vorreiterrolle einzunehmen.
Obwohl Dänemark drittgrößter Ölproduzent in
Westeuropa ist und auch über hohe Gasvorkommen in der Nordsee
verfügt, ist Energieträger Nummer 1 im dänischen
Energiemix die Steinkohle, die importiert werden muss. Ergänzt
wird die Energieversorgung durch Windkraft. Insgesamt beträgt
der Anteil erneuerbarer Energien an der Deckung des dänischen
Strombedarfs derzeit 20 %. Atomenergie hat in Dänemark nie
eine Rolle gespielt. Im Juni 1998 kündigte der dänische
Energie- und Umweltminister Sven Auken an, dass innerhalb von 30
Jahren die gesamte dänische Stromerzeugung auf regenerative
Energien, wie beispielsweise auf Wind, Wasser, Sonne oder Biomasse
umgestellt werden soll. Bis zum Jahr 2030 wollen die Dänen
riesige Windräder weit vor den Küsten (Offshore-Projekte)
mit der Leistung von vier Atomkraftwerken positionieren, die der
Atmosphäre mehr als 10 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ersparen
soll.
Aufgrund der hochproduktiven dänischen Landwirtschaft und
des damit verbundenen großen Einsatzes von Düngemitteln
ist das dänische Trinkwasser ebenso wir z.B. in den Niederlanden
stark belastet. Generell ist die Umweltpolitik den Dänen aber
ein wichtiges Anliegen, auch wenn die derzeitige dänische Regierung
gerade Einsparungen im Umweltschutz vorgenommen hat. Im europäischen
Vergleich ist Dänemark in bezug auf Ökosteuern am weitesten
vorangeschritten. Bereits 1993 hat Dänemark eine umfassende
Ökosteuerreform durchgeführt. Seitdem werden nicht nur
der Verbrauch von Energie und der Ausstoß von CO2-Emmissionen
stärker besteuert, sondern beispielsweise auch Steuern auf
den Ausstoß von Schwefeldioxid, auf PVC-Verpackungen und Pestizide
erhoben. Seitdem hat die dänische Regierung das bestehende
System der Energiebesteuerung mehrere Male grundlegend reformiert.
"Grüne Abgaben" machten gegen Ende der 90er Jahre
etwa 15 Prozent der Staatseinnahmen aus. Die zusätzlichen Steuereinnahmen
verwendet die dänische Regierung zur Reduzierung der Einkommenssteuern,
um so die allgemeine Steuerbelastung nicht zu erhöhen.
Im
Unterschied zu anderen Mitgliedstaaten verschob Dänemark nationale
Initiativen nicht mit Hinweis auf fehlende EU-Lösungen. Dänemark
gehört zu den wenigen Ländern, die den Kohlendioxid-Ausstoß
durch ihre Klimaschutzpolitik in jüngster Zeit reduzieren konnten
(eine Verpflichtung aus dem sogenannten Kyoto-Vertrag). Dänemark
gehört dennoch immer noch zu den EU-Ländern mit dem höchsten
Pro-Kopf-Ausstoß an CO2. Betrachtet man Wirtschaftswachstum
und Arbeitslosenquote, so sind keine Negativeffekte der dänischen
Umweltpolitik auszumachen. Und bereits 1994 konnte das dänische
Handels- und Industrieministerium auf 70000 Arbeitsplätze im
Energie- und Umweltsektor verweisen. Die Ökosteuer fungiert
in einigen Bereichen sogar als Innovationsbeschleuniger: Produzenten
von Windenergie-anlagen sind zur drittgrößten Exportbranche
Dänemarks aufgestiegen.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Dänemark verfügt über ein umfangreiches System der
sozialen Sicherung. Das Gesundheitswesen und die Altersversorgung
werden von Steuern und nicht wie etwa in Deutschland über ein
Versicherungssystem finanziert. Wie auch die anderen Skandinavier
akzeptieren die Dänen eine vergleichsweise hohe Steuerbelastung,
um ihren Sozialstaat in seiner jetzigen Ausgestaltung finanzieren
zu können. Dennoch wächst die Staatsverschuldung, und
die derzeitige dänische Regierung musste Einsparungen in den
Bereichen Umweltschutz und Entwicklungshilfe zur Finanzierung des
Sozialsystems vornehmen. In den vergangenen Jahren wurde ein ergänzendes
betriebliches System der sozialen Absicherung zusätzlich zur
Volksversorgung eingeführt, das höhere Leistungen für
Berufstätige ermöglicht.
Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weist Dänemark
mit 1,76 Kindern pro Frau eine sehr hohe Geburtenrate auf. Außerdem
ist Dänemark ein attraktives Land für Zuwanderer. Heute
leben an die 400.000 Einwanderer in dem kleinen Land, 100.000 davon
stammen aus anderen Staaten der EU. Die meisten Zuwanderer kommen
aus der Türkei, aus dem ehemaligen Jugoslawien und aus Deutschland.
Dank vergleichsweise hoher Geburtenraten und als attraktives Zuwanderungsland
muss Dänemark in naher Zukunft keinen Bevölkerungsrückgang
befürchten.
Vom 7. bis zum 16. Lebensjahr besteht in Dänemark eine neunjährige
Unterrichtspflicht bei freier Schulwahl. Die meisten Dänen
besuchen die sog. Folkeskole, eine Gesamtschule, die sowohl den
Primar- wie auch den Sekundarbereich umfasst. Nach der Folkesskole
können sich die Dänen zwischen einer allgemeinbildenden
Sekundarstufe (die etwa den deutschen Gymnasien entspricht) oder
berufsbildende Schulen, in denen gleichzeitig auf eine berufliche
Tätigkeit vorbereitet und die Hochschulreife erworben wird.
Ebenso wie in Deutschland unterliegt die Berufsausbildung einem
dualen System von betrieblicher und schulischer Ausbildung. Die
PISA-Studie bescheinigte dänischen Schülern ein eher unterdurchschnittliches
Abschneiden (Platz 17 und 23 im Bereich Lese- und naturwissenschaftliche
Kompetenz). Lediglich im Bereich Mathematik belegte Dänemark
den 12. Platz und lag damit über dem OECD-Durchschnitt.
Tariflöhne bzw. feste Gehaltsstrukturen gibt es in Dänemark
nicht. Damit liegt es im Verhandlungsgeschick der Arbeitnehmer,
wie hoch ihr Lohn ausfällt. In der Regel orientieren sich die
Unternehmen am vorherigen Gehalt und stocken dies bei der Einstellung
um 10-15 Prozent auf. Da sich das dänische Sozialsystem fast
ausschließlich über Steuern finanziert, sind diese mit
durchschnittlich 33 Prozent des Bruttogehalts relativ hoch. Die
vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von 4,9 %, die auch den
Arbeitsmarktreformen in den 90er Jahren zu verdanken ist, stellt
bislang sicher, dass die Steuereinnahmen des Staates konstant bleiben.
Statt Barzahlungen erhalten Arbeitslose vor allem kostenlose öffentliche
Dienstleistungen.
Mit einer Mischung aus Zwang und Förderung hat Dänemark
in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eine offensive Arbeitsmarktpolitik
entwickelt, die die Arbeitslosen in die Pflicht nimmt, ihnen aber
auch Perspektiven für eine berufliche Weiterentwicklung eröffnet.
Spätestens nach 12 Monaten werden die Bezieher von Arbeitslosengeld
seitdem in Dänemark verpflich-tet eine Weiterbildungsmaßnahme
bzw. eine gemeinnützige Tätigkeit aufzunehmen. Ein wesentlicher
Aspekt ist hierbei die Einbindung der Städte und Gemeinden
für die Organisation von gemeinnützigen Tätigkeiten,
zu denen die Arbeitslosen herangezogen werden. Die zweite Säule
des dänischen Konzepts besteht aus dem Ausbau der Qualifikationsstrukturen.
Insbesondere die Aufwendungen für die Fachhochschulen sind
hierbei erhöht worden. Daneben werden arbeitslosen Jugendlichen
in staatlichen "Produktionsschulen Qualifikationen vermittelt
und die dort hergestellten Produkte verkauft, womit sich diese Einrichtungen
z.T. refinanzieren. Die Mischung aus Ausbildung und Arbeit, die
in der Regel für ein halbes Jahr vorgesehen ist, wird als beruflicher
Abschluss anerkannt. Die meist schon nach kurzer Dauer der Arbeitslosigkeit
einsetzenden Reaktivierungsprogramme erhalten die Beschäftigungs-fähigkeit
der Erwerbspersonen. Die dänischen Strukturen der Arbeitsvermittlung
sind im Gegensatz etwa zu Deutschland dezentral organisiert, auf
regionaler und lokaler Ebene organisiert.
Ab dem 67. Lebensjahr erhält jeder Däne unabhängig
vom vorherigen Verdienst eine Volksrente. Im Gegensatz zu den anderen
europäischen Ländern, die derzeit dazu neigen, das Renteneintrittsalter
heraufzusetzen, wurde in Dänemark kürzlich das Anspruchsalter
für die Rente auf 65 Jahre herabgesetzt. Ziel der dänischen
Seniorenpolitik ist es, älteren Menschen den Verbleib in ihren
eigenen Wohnungen bei kostenloser Betreuung durch einen Altenservice
zu ermöglichen. Traditionelle Pflegeheime werden kaum noch
gebaut. Im Rahmen seiner Europapolitik fordert Dänemark den
Verbleib von Gesundheits- und Sozialpolitik in der Zuständigkeit
der Nationalstaaten und lehnt Harmonisierungsversuche ab.
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