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Einwohner
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3,64 Mio. (EU15: 371 Mio.)
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Fläche
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45.227 qkm (EU15: 3,2 Mio. qkm)
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Einwohner / qkm
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30
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Hauptstadt
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Talinn (Reval, 399.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Estnisch
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Religion
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Lutheraner, Estnisch-orthodoxe
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Urbanisierung
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73 %
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Arbeitslosigkeit
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4,2 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Nationalfeiertag
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24. Februar (Gründung der Republik 1921)
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Regierung
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Arnold Rüütel (Staatsoberhaupt)
Juhan Parts (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1. Mai 2004
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I. Werte, Identität und Kultur
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Trotz
seiner geografischen Randlage blickt Estland, das nördlichste
der drei baltischen Staaten, auf eine lange Tradition der politischen
und wirtschaftlichen Verbundenheit mit westlichen Ländern zurück.
Kulturell bedeutend und das Stadtbild Tallinns heute noch prägend
war die Inbesitznahme des estnischen Gebietes durch den Deutschen
Orden im 14. Jahrhundert und die darauf folgende Ausbreitung der
Deutschen Hanse bis nach Estland. Die deutsche protestantische Kirche
leistete unter anderem einen entscheidenden Beitrag zur estnischen
Schulbildung und einem damit einhergehenden Bewusstsein nationaler
Sprache und Literatur. Estlands Zugehörigkeit zur evangelischen
Kirche bewirkte in der Folgezeit eine klare kulturelle Abgrenzung
zu Russland und der russisch- orthodoxen Kirche. Nach dem Ende der
deutschen Vorherrschaft fiel das Gebiet Estlands mal an Schweden,
mal an Russland, bis es schließlich 1700 ganz dem russischen
Reich zugeschlagen wurde.
Mit
dem aufkommenden Nationalismus im Europa des 19. Jahrhunderts hatten
sich auch die Esten für eine Unabhängigkeit ihres Volkes
stark gemacht. Die erste Abtrennung von Russland und die Ausrufung
der ersten Estnischen Republik erfolgten jedoch erst nach Ende des
1. Weltkrieges 1918. 22 Jahre später wurde der junge Staat
nach heimlicher Absprache zwischen Hitler und Stalin erneut ins
russische Reich integriert. Anders als die anderen Beitrittskandidatenländer
verloren die Baltischen Staaten unter der kommunistischen Herrschaft
der UDSSR ihre vollständige Souveränität. Der Staat
Estland hörte fast 45 Jahre auf zu existieren. Trotz Zwangsansiedlung
sowjetischer Bevölkerung auf estnischem Territorium, bewahrten
die Esten ihre Identität. Das Singen estnischer Volkslieder
führte im Rahmen der "singenden Revolution" schließlich
sogar 1992 zur Unabhängigkeit.
Die historischen Ereignisse erklären die heutige Abneigung
Fremdbeherrschung gegenüber und das Misstrauen, das die Bewohner
Estlands der Europäischen Union entgegenbringen. Kritische
Stimmen mahnen, dass Estland nicht aus der Sowjetunion ausgetreten
sei, um sich nun einer anderen Union anzuschließen. Hinter
dieser Bemerkung steckt die Angst vor dem Superstaat Europa. Ihre
so lange entbehrte Souveränität wollen die Esten auf keinen
Fall wieder aufgeben. Dennoch haben sie sich mit 63% mehrheitlich
für den Beitritt entschieden- wohl eher aus Wirtschaftsgründen
denn aus Begeisterung für den europäischen Gedanken.
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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Nach der Unabhängigkeitserklärung Estlands 1988 dauerte
die eigentliche Loslösung von der damaligen Sowjetunion noch
bis 1992. Der Ostblock war zu diesem Zeitpunkt bereits auseinander
gebrochen, und bei einem Referendum 1991 hatten sich 77,8% der Esten
für die Unabhängigkeit ausgesprochen. Laut Verfassung
erklärte sich Estland 1992 zu einer parlamentarischen Demokratie.
Derzeitiges Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident Arnold
Rüütel, der nicht nur rein repräsentative Funktionen
besitzt. Unter den estnischen Parteien haben sich noch keine dominierenden
Richtungen herausgebildet, und so konkurrieren die bestehenden Parteien
um die gleichen Wählergruppen. So war es seit 1992 zu mehreren
Machtwechseln gekommen. Derzeitige stärkste Partei ist Res
Publica mit dem jungen Ministerpräsidenten (er ist 36) Juhan
Parts.
Aufgrund
historischer Verbindungen mit Westeuropa, vor allem Deutschland,
und der damit einhergehenden Positionierung auf deutscher Seite,
wurde Estland nach Ende des 2. Weltkrieges größerer "Russifizierungskampagnen"
unterworfen. Die Ersetzung der lokalen Bevölkerung durch sowjetische
Bürger sollte der damaligen UDSSR ihre Souveränität
im Baltikum garantieren. Als Folge dieser Zwangsansiedelungspolitik
Moskaus ist heute ein Drittel der Bewohner Estlands russischsprachig.
Ihnen wurde der Status von Nicht- Staatsangehörigen mit eingeschränkten
politischen Mitspracherechten (Wahlrecht auf kommunaler Ebene) verliehen.
Derzeit sitzen sechs russischsprachige Abgeordnete im Parlament.
Langjährige Bewohner Estlands können die estnische Staatsbürgerschaft
nach einer Sprachprüfung so wie einem Test in Landeskunde und
über die Verfassung erwerben.
Das
Ergebnis der Volksbefragung zum EU- Beitritt war nicht wirklich
fraglich gewesen. Überraschenderweise hatte sich jedoch einen
Monat vor der Abstimmung die größte Oppositionspartei
um den Bürgermeister von Tallin gegen den EU- Beitritt ausgesprochen
und die EU mit der früheren Sowjetunion verglichen. Dieser
Positionierung ist es möglicherweise zuzuschreiben, dass das
Ergebnis schlechter als erwartet ausgefallen war (63% Ja- Stimmen).
Lange Zeit hatte sich vor allem die russischsprachige Bevölkerung
mit Blick auf den umfangreichen Minderheitenschutz in der EU für
den Beitritt ausgesprochen. Mitbestimmungsrecht hatte der Großteil
von ihnen bei dem Referendum im September 2003 zwar nicht. Diejenigen,
die jedoch an der Wahl teilnehmen durften, hatten aufgrund Russland-
feindlicher EU- Werbung und dem Aufruf eines russischen Politikers,
die antirussische Politik der EU nicht zu unterstützen, gegen
die Erweiterung gestimmt. Die estnische Industrie- und Handelskammer
hatte mit einem Plakat "Ist Russland ein Freund?" und
einer anschließenden Auflistung aller kriegerischen Auseinandersetzungen
zwischen Esten und Russen für den EU- Beitritt geworben. Ein
anderes Werbeplakat zeigte zum "Ja" eine EU- Karte und
einen Korb voller Lebensmittel. Das "Nein" stand mit Russland
und einem im Abfall wühlenden Obdachlosen in Verbindung.
Politisch korrekter warb die Regierungspartei Res Publica: "230
Millionen Männer leben in der EU. Sie trinken weniger und leben
länger als Esten. Mach auch Du Deinen Mann zum Europäer!".
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III. Europas Rolle in der Welt
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Als Staat zwischen zwei Machtblöcken hatte Estland ab 1992
die Wahl der Positionierung. Vor allem die schlechte Erfahrung mit
Russland in der Zeit des Kalten Krieges, aber auch die verhängten
Sanktionen seitens Russlands im Anschluss an die Unabhängigkeitserklärung
Estlands gaben den Ausschlag für eine Ausrichtung der estnischen
Politik in Richtung Westen. Der EU- und NATO- Beitritt steht 2004
bevor.
Im Rahmen des Ostseerates arbeitet Estland jedoch nach wie vor
mit Russland zusammen.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Estonia- ten points! Auch wenn der Grand Prix dEurovision
de la Chancon bereits 2002 in Tallinn stattgefunden hat, sei der
Verweis hier erlaubt: Estland gehört nämlich im Hinblick
auf die Entwicklung zu den so genannten Vorzeigestaaten unter den
EU- Beitrittskandidaten und gilt wie Irland als "Tigerstaat":
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Bereits 2001 war die Privatisierung der vormaligen Zentralverwaltungswirtschaft
abgeschlossen,
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Das Wirtschaftswachstum ist überdurchschnittlich (2002:
5,8%).
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Niedrige Steuern sorgten für Investitionen aus dem Ausland:
skandinavische Kommunikationstechnologiekonzerne haben ihre
Produktion zum Teil nach Estland ausgelagert.
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Hinsichtlich seiner Technologisierungsrate gehört Estland
zu den fortgeschrittensten Staaten Europas. Alle Schulen verfügen
über Internetanschluss, und das Projekt E- Government ermöglicht
die Abstimmung über Gesetze oder die Teilnahme an Wahlen
online. Mehr als 50% aller Esten haben ein Mobiltelefon, 46,7%
haben Zugang zum Internet.
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Seit März 2002 arbeitet Estland an der Erstellung einer
Genom- Datenbank mit den Daten von einer Million Einwohner:
ein interessanter Standortfaktor für die Ansiedlung von
Biotechnologie- Unternehmen.
Der
enorme Aufschwung Estlands kommt jedoch nicht allen Bewohnern des
Landes zu Gute. Der Unterschied zwischen Reich und Arm hat sich
in den letzten Jahren vergrößert. Besonders hart trifft
es die älteren Menschen. Bei mit Westeuropa vergleichbaren
Verbraucherpreisen liegen die monatlichen Renten von durchschnittlich
99 Euro und das durchschnittliche pro Kopf Einkommen von 146 Euro
nicht mal in der Nähe des Existenzminimums.
Traditionell hat sich die estnische Wirtschaft auf den Handel mit
Rohstoffen und Halbfabrikaten aus den Bereichen Holz, Textil und
Metall spezialisiert. Wichtige Exportprodukte sind außerdem
elektronische Geräte, die im Auftrag skandinavischer Kommunikationsindustrie
gefertigt werden.
Im Bereich Dienstleistungen spielen vor allem Tourismus und Transport
(Transithandel mit russischem Öl) eine Rolle. Die Landwirtschaft
trägt nur 3,7% zur Wertschöpfung des BIP bei. Getreide,
Kartoffeln und Raps werden angebaut, wichtiger ist jedoch die Milchwirtschaft.
Estland
verfügt über einen natürlichen Landschaftsreichtum.
Ein Drittel des Staatsgebietes ist mit Wald bedeckt. Die artenreiche
Tierwelt umfasst auch die im übrigen Europa zum Großteil
ausgestorbenen Bären, Wölfe und Luchse. Umweltprobleme
ergeben sich vor allem durch die Verbrennung von Ölschiefer,
die 90% der Strom- und Wärmeversorgung sicherstellt. Der hohe
Stickstoff- und Staubanteil, der bei der Verbrennung freigesetzt
wird, führt zu erheblicher Luftverschmutzung. Auch der Tagebau
zur Gewinnung der Ölschiefer schadet der Umwelt indem die Landschaft
zerstört wird. Die EU hat Estland zur Auflage gemacht, bis
2012 den Ölschiefersektor zur restrukturieren. Erneuerbare
Energien kommen bisher kaum zum Einsatz. Mithilfe von Windkraft
und Biomasse will Estland bis 2010 eine Energieversorgung von 5%
erreichen.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Estlands derzeitiger wirtschaftlicher Standortvorteil besteht vor
allem darin, dass Löhne niedrig sind und die soziale Absicherung
der Arbeitnehmer gering, also günstiger ist. Der soziale Dialog
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ist stark unterentwickelt.
Nur 14% der Arbeitnehmer sind Mitglied in einer Gewerkschaft.
Der
Aufbau leistungsfähiger sozialer Sicherungssysteme ist in Estland
wie auch in den anderen baltischen Staaten lange Zeit vernachlässigt
worden. Größtes Problem stellte die Umstrukturierung
des Rentensystems dar. Mit einer hohen Arbeitslosenquote (2002:
10,3%) und einem negativen Bevölkerungswachstum ist die Zahlung
der zukünftigen Rentenbeiträge nicht gesichert. Ein großes
Problem bedeutet zudem der hohe Anteil Schwarzarbeit im Land: die
Sozialkassen bleiben leer. 2001 wurde deshalb eine Rentenreform
durchgeführt und der staatlichen Versorgung eine private Säule
hinzugefügt. Der Arbeitnehmer darf noch wählen, ob er
sich rein staatlich oder gemischt absichern will.
Die Krankenversicherung deckt sich durch eine Sozialsteuer, für
die der Arbeitnehmer 13% des Bruttolohnes abführt. Eine staatliche
Arbeitslosenversicherung wurde gerade erst eingeführt.
In den vergangenen 10 Jahren wurden in Estland einige Bildungsreformen
durchgeführt. Seit 1993 ist den nationalen Minderheiten erlaubt,
private Gymnasien einzurichten und dort in einer anderen Sprache
als Estnisch zu unterrichten. Neben den Universitäten (28 für
ca. 28.000 Studenten!) wurden College- ähnliche Bildungsformen
mit einer Studiendauer von vier Jahren eingeführt.
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