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Frankreich

France

 

Einwohner

59,51 Mio (EU 15:371 Mio)

Fläche

543,965 qkm (EU 15: 3,2 Mio qkm)

Einwohner / qkm

109

Hauptstadt

Paris (2 116 000 Einwohner)

Amtssprachen

Französisch

Religion

Katholiken (81 %), Muslime (6 %),
Protestanten, Juden

Urbanisierung

73 %

Arbeitslosigkeit

8,9 % (2002)

Staatsform

Parlamentarische Republik

Regierungschef

Jacques Chirac (Staatsoberhaupt)
Jean-Pierre Raffarin (Regierungschef)

Beitritt zur EG/EU

Gründungsmitglied

 

 

I. Werte, Identität und Kultur

Die französische Revolution gilt als Geburtstunde der europäischen Demokratien. Mit dem Sturz der Monarchie und der Verkündung einer Verfassung auf Grundlage der Volkssouveränität und der Menschenrechte war der erste moderne Nationalstaat Europas geboren. Diese Etablierung einer bürgerlichen Republik hatte Auswirkungen auf fast ganz Europa. Jedes Jahr am 14. Juli gedenken die Franzosen des Sturms auf die Bastille 1789, der als Schlüsselmoment und Auslöser für die Revolution gilt. Mit der Verfassung von 1958 wurde in der heutigen Republik Frankreich mehr Macht auf den Staatspräsidenten verlagert. Anders als der Großteil seiner europäischen Kollegen ist er nicht nur ein rein repräsentatives Staatsoberhaupt, sondern ist zugleich Oberhaupt der exekutiven Gewalt im Staat. 2002 wurde Jacques Chiracs im Amt als Präsident bestätigt. Der aus den letzten Parlamentswahlen hervorgegangene Ministerpräsident heißt Jean-Pierre Raffarin.

Frankreich war Jahrhunderte lang Handels- und Kolonialmacht gewesen. Aus dieser Zeit haben sich nicht nur besondere Beziehungen zu mehreren Überseegebieten (Neukaledonien, Französisch- Polynesien, Wallis-et-Futuna und Territorien im Südpolarmeer und der Antarktis) erhalten. Zum französischen Staatsgebiet und damit auch zur Europäischen Union gehören auch heute noch die vier überseeischen Départements Guadeloupe, Martinique, Französisch- Guayana und Réunion.

Zentrales Kultursymbol der Franzosen ist ihnen ihre Sprache. Durch spezielle Quoten für Filme und Chansons wird die eigene Kultur und Sprache gefördert – mit Erfolg: 60 Prozent der französischen Jugendlichen gaben in einer kürzlich durchgeführten Umfrage an, französische Chansons gegenüber internationaler Musik zu bevorzugen. Auf EU- Ebene konnte erreicht werden, dass die Weltsprache Französisch neben Englisch zur zweiten Arbeitssprache eingesetzt wurde.

Die Franzosen schauen auf eine lange Tradition als "Grande Nation" und Global Player zurück. Anders als die Bevölkerungen Deutschlands oder Italiens mussten sich die Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg keine "Ersatzidentität" in Europa und der Europäischen Einigung suchen. Vermutlich deshalb ist die Zustimmung der französischen Bevölkerung zur Mitgliedschaft ihres Landes in der Europäischen Union verglichen mit den Bevölkerungen der anderen Gründungsmitglieder am geringsten ausgeprägt (50%; EU-15-Durchschnitt: 54%).

II. Politische Strukturen - Europas Verfassung

Frankreich ist Gründungsmitglied der EG/EU. Das von Frankreich vertretene europapolitische Leitbild hat im Laufe der Zeit deutliche Veränderungen erfahren. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der Vorreiter für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, ging auf eine Initiative des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman zurück. Seitdem hat Frankreich zusammen mit Deutschland eine Schlüsselrolle bei weiteren Integrationsschritten inne gehabt.

In den sechziger Jahren verfolgte Frankreich unter dem damaligen Präsidenten Charles de Gaulle das Konzept eines ”Europas der Vaterländer”, d.h. einer europäischen Einigung, die weitgehend auf der Zusammenarbeit eigenständiger Mitgliedstaaten beruht. Die Aufnahme Großbritanniens in die EG musste aufgrund des Vetos Frankreichs zweimal verschoben werden. Die Ursache hierfür lag in der engen Beziehung Großbritanniens zu den USA und Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Großbritannien in der Sicherheitspolitik. Frankreich und Großbritannien sind Atommächte und verfügen beide über einen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Während Frankreich seine eigene oder zumindest eine europäische Verteidigungspolitik bevorzugte, stand Großbritannien für eine transatlantische Sicherheitsarchitektur.

Erst nach der Amtszeit de Gaulles war der Weg für Großbritannien in die Gemeinschaft offen. In den 70er Jahren setzten die nachfolgenden Staatschefs Frankreichs, Pompidou und Mitterand, auf eine weiterreichende Integration mit starken europäischen Strukturen. Traditionell arbeitet Frankreich in der Fortentwicklung der europäischen Einigung eng mit Deutschland zusammen. Die beiden Länder werden darum häufig auch als "Lokomotive der Integration" bezeichnet. Trotz dieser Verbundenheit unterscheiden sich die Positionen der beiden Länder bei der Frage notwendiger Reformen der EU erheblich. Ohne Übereinstimmung Frankreichs und Deutschlands lässt sich jedoch kein bedeutender Integrationsschritt vollziehen. Das Selbstverständnis Frankreichs ist traditionell geprägt vom Anspruch eine ”Grande Nation” zu sein, was sich insbesondere in der kontinuierlichen Ablehnung der Vormachtstellung der USA in der Weltpolitik zeigt. Frankreich ist sich jedoch bewusst, dass sich ein Gegengewicht zur wirtschaftlichen und politischen Dominanz Amerikas nur durch eine enge Zusammenarbeit der europäischen Staaten erreichen lässt. Vor allem in der Außenpolitik wünscht Frankreich eine Stärkung der EU. Durch seine koloniale Vergangenheit hat Frankreich jedoch sehr spezifische Interessen und Verflechtungen in der Außenpolitik, z.B. mit den Ländern Nordafrikas, die es nach eigenen Vorstellungen gestalten möchte.

Im Hinblick auf die Europapolitik verbindet Frankreich eine besondere Beziehung mit Deutschland. Seit Unterzeichnung des Elysée-Vertrags 1963 erfolgt eine regelmäßige und intensive Abstimmung der deutschen und französischen Politik. Kompromisse im Hinblick auf strittige europapolitische Themen werden im Vorfeld zu Gipfeltreffen geschlossen, so dass die beiden Staaten mit einer Stimme sprechen können und ihren Forderungen dadurch mehr Gewicht verleihen. Zusätzlich zu europapolitischen Themen hat die deutsch-französische Zusammenarbeit einen Rat für Wirtschafts-, Finanz- und Umweltfragen so wie einen Sicherheits- und Verteidigungsrat ins Leben gerufen und stimmt in diesen Bereichen die nationalen Politiken ab. Als Bedingung für eine Zustimmung Frankreichs zur deutschen Wiedervereinigung forderte der damalige Präsident Mitterand die Wirtschafts- und Währungsunion, um Deutschland noch fester und unwiderruflich in die europäischen Strukturen einzubinden. Denn nach wie vor besteht auf französischer Seite die Angst vor einem Deutschland, das aufgrund seiner Größe eine Vormachtstellung in Europa einnehmen könnte und Frankreich in den Hintergrund drängt.

Der französische Staatspräsident Chirac verfolgt (erneut) eine Position, in der die Mitgliedstaaten das zentrale Fundament europäischer Politik bilden, während die sozialdemokratische Regierung unter Jospin zu weiteren Integrationsschritten u.a. in der Beschäftigungspolitik bereit wäre. Die grundlegende Integrationspolitische Vorstellung Frankreichs tendiert wieder zu einem "Europa der Vaterländer" in dessen Mitte ein starkes Frankreich in Zusammenarbeit mit Deutschland federführend die Entwicklung des Kontinents gestaltet. Wichtigstes Entscheidungsorgan der EU soll der Rat bleiben, wobei Frankreich dafür plädiert, dass die großen Mitgliedstaaten hier eine stärkere Rolle übernehmen. Einer Verlagerung der Kompetenzen hin zu Kommission und Europäischem Parlament steht Frankreich ablehnend gegenüber. Die Kommission soll keine zusätzlichen Handlungsspielräume erhalten, sondern eher auf die Rolle eines ”einfachen Sekretariats” beschränkt werden, das die Beschlüsse der Mitgliedstaaten im Rat lediglich umsetzt. Für eine stärkere demokratische Legitimation europäischer Politik wird eine deutlichere Einbindung der nationalen Parlamente in den Entscheidungsprozess befürwortet.

Die Zukunft der Europäischen Union wird in Frankreich – wie in den meisten Mitgliedstaaten – kontrovers diskutiert. Staatspräsident Chirac versuchte zuletzt die Franzosen für das Leitbild einer "Föderation von Nationalstaaten" zu gewinnen. Dieses Leitbild unterscheidet sich deutlich von der Vorstellung des deutschen Außenministers, Joschka Fischer, der sich in seiner berühmten Rede in der Humboldt-Universität für die mittelfristige Schaffung eines europäischen Föderalstaats ausgesprochen hat. Ein wichtiges Anliegen Frankreichs ist neben der Bewahrung außenpolitischer Spielräume die Beibehaltung des französischen Sozial- und Gesellschaftsmodells.

Frankreich hat sich intensiv an der Mitarbeit im Konvent zur Zukunft Europas beteiligt und die Arbeit von Konventspräsident Valérie Giscard d’Estaing unterstützt. Als jedoch kleinere Mitgliedstaaten im Juni die Beibehaltung der Regelung forderten, dass jeder Mitgliedstaat auch künftig einen EU-Kommissar stellen darf, drohte Frankreich mit einem Scheitern des Verfassungsvertrags. Paris will eine kleinere, dafür effektivere Kommission. Anders als Deutschland, das einen vom Parlament gewählten Kommissionspräsidenten vorzieht, unterstützte Frankreich die Forderung nach einem neuen Amt des Präsidenten des Europäischen Rates, der von den Regierungen der Mitgliedstaaten für zweieinhalb Jahre oder sogar länger gewählt werden soll. Gleichwohl erarbeitete man eine gemeinsame deutsch-französische Linie im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) und die Einsetzung eines europäischen Außenministers.

Frankreich verfügt über keine gemeinsame Grenze mit den Beitrittsländern, die der EU zum 1. Mai 2004 beitreten werden, und wird voraussichtlich nicht so sehr von der anstehenden EU-Erweiterung profitieren wie etwa Deutschland. Im Gegenteil: mit dem Beitritt von zehn Staaten mit einem vergleichsweise großen Landwirtschaftssektor erhöht sich der Druck für eine grundlegende Reform der EU-Agrarpolitik, von der Frankreich bislang am meisten profitiert. Nach der Osterweiterung läuft Frankreich Gefahr, einen Teil der bisherigen Subventionen für seine Bauern zu verlieren. Dennoch hatte die französische Regierung sich von Anfang an für die Erweiterung ausgesprochen. Allerdings weicht die Meinung der französischen Bevölkerung in diesem Punkt erheblich von der ihrer Regierung ab. Frankreich ist das einzige Land der Europäischen Union, in dem es mehr Gegner als Befürworter der EU-Erweiterung gibt. Als Staatspräsident Chirac Anfang 2002 einige der Regierungen der Beitrittsländer angesichts ihrer Pro-USamerikanischen Haltung im Irakkrieg als "schlecht erzogen" abkanzelte, kühlte für einige Monate das Verhältnis von Paris und Warschau deutlich ab.

III. Europas Rolle in der Welt

Ähnlich wie Deutschland sieht Frankreich in der Weiterentwicklung der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU (GASP) ein zentrales Anliegen für die Regierungskonferenz, die den Verfassungsvertrag beschließen soll. Allerdings möchte es auch in diesem Bereich keine föderale Richtung einschlagen, wie es die deutschen Position befürworten (Übergang zu Mehrheitsentscheidungen, Einbindung der Kommission, gemeinschaftliche Finanzierung, etc.). Die von Frankreich angestrebte Entwicklung sieht eine Stärkung des Sekretariats der GASP vor. Der Vorschlag Chiracs der GASP "eine Stimme und ein Gesicht" zu geben ist in vielen Mitgliedsstaaten auf Zustimmung gestoßen. Wichtig ist aus französischer Sicht, dass die europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik an Eigenständigkeit gewinnt. Der "Europäische Pfeiler" im westlichen Verteidigungsbündnis sollte nach Meinung des nicht am militärischen Teil der NATO beteiligten Landes zu einer eigenständigen Handlungseinheit ausgebaut werden. Hinsichtlich der Entscheidungsfindung innerhalb der GASP spricht sich Frankreich aber klar für Beibehaltung der Einstimmigkeit aus und folgt damit seiner grundlegenden Präferenz für die Zwischenstaatlichkeit der europäischen Integration. Nach dem Willen Frankreichs soll der zwischenstaatliche Charakter der GASP (Einstimmigkeit, begrenzte Mitwirkungsrechte der Gemeinschaftsinstitutionen) erhalten bleiben. Grundsatzentscheidungen sollten dementsprechend auch künftig stets einstimmig gefällt werden. Mehrheitsentscheidungen akzeptiert Frankreich allenfalls bei deren Umsetzung.

Aufgrund seiner Geschichte als ehemalige Kolonialmacht unterhält Frankreich auch heute noch besondere Beziehungen zu Staaten in der ganzen Welt. So hatte Staatspräsident Chirac zum Beispiel im Februar 2003 zu einem Afrikagipfel eingeladen und warb international für afrikanische Belange. Frankreich betrachtet sich als Fürsprecher des gesamten afrikanischen Kontinents, nicht nur der ehemaligen Kolonialgebiete. Auch militärische Interventionen in Krisenregionen sind Bestandteil französischer Afrikapolitik. So wurden in diesem Jahr französische Soldaten an die Elfenbeinküste gesandt, um die dort ansässige französische Bevölkerung zu schützen und einen Bürgerkrieg zu verhindern. Ein Gefühl der historischen Verantwortung ist ausschlaggebend für Frankreichs Großzügigkeit in der Entwicklungshilfe: der französische Beitrag ist nach dem Japans der höchste weltweit. Frankreich setzt sich außerdem für den Schuldenerlass der Dritt- Welt- Länder ein.

Eine besondere historische Beziehung verbindet die Staaten des Maghreb (Tunesien, Marokko, vor allem aber Algerien) mit der ehemaligen Besatzermacht Frankreich. Heute leben ca. 4,5 Millionen Menschen nordafrikanischer Herkunft in Frankreich. Der Großteil von ihnen ist muslimisch. Zusätzlich zu den vielen Muslimen lebt in Frankreich eine große jüdische Gemeinschaft, so dass Frankreich im Namen seiner Bevölkerung ein großes Interesse an der Vermittlung im Nahost- Friedenskonflikt hat.

Frankreich ist neben Großbritannien die einzige Atommacht in Europa und verfügt daher über einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Den internationalen Vormachtsanspruch der USA betrachtet Frankreich als dem Prinzip der multipolaren Weltordnung widersprechend und drohte im März 2003 mit einem Veto gegen den Angriff auf den Irak. Heute fordert Frankreich die Wiederherstellung der irakischen Souveränität und einen Wiederaufbau nur unter UN- Vormachtstellung. Frankreich ist 1966 aus der NATO ausgetreten und engagiert sich seither für ein europäisches Verteidigungsbündnis. Bereits 1963 bei Unterzeichnung des Freundschaftsvertrags zwischen Frankreich und Deutschland legte man die Grundlage für eine "europäische Armee". Seit 1989 wurde mit dem Aufbau einer deutsch- französischen Brigade begonnen. Nachdem 1993 die Kompetenzabgrenzungen und Beziehung zur NATO geregelt worden waren, traten noch Belgien, Spanien und Luxemburg dem allen europäischen Staaten offen stehenden Eurocorps bei.

Bereits in den Verhandlungen zum Vertrag von Amsterdam brachte Frankreich den Vorschlag ein, der Gemeinsamen EU-Außenpolitik ”ein Gesicht zu geben”, um deren Einheitlichkeit und Kontinuität zu gewährleisten. Der Vorschlag wurde aufgegriffen und das Amt eines ”hohen Vertreters” (Generalsekretär des Rates), der die EU zusammen mit dem Ratsvorsitz und dem Kommissionspräsidenten nach außen politisch vertritt. Frankreich schreibt diesem neu geschaffenen Amt eine große Bedeutung zu. Der aktuelle Entwurf für einen Vertrag über eine EU-Verfassung hat die Kompetenzen des hohen Vertreters ausgebaut, der künftig als "EU-Außenminister" agieren soll.

Frankreich befürwortet den Aufbau einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft, die sich auch als Gegenpol zu der Vormachtstellung der USA begreift. Auch für gemeinsame friedensschaffende Maßnahmen außerhalb der EU ist die französische Regierung offen. Einerseits spricht sich Frankreich im Ergebnis für eine stärkere Verpflichtung zur gegenseitigen Solidarität der Mitgliedstaaten in außen- und sicherheitspolitischen Fragen aus. Andererseits möchte Frankreich seinen nationalen Handlungsspielraum in der Außenpolitik nicht einschränken. Ein Beispiel hierfür ist, dass Frankreich nicht auf seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat zugunsten eines EU-Sitzes verzichten möchte.

IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit

Das größte französische Ballungsgebiet ist die Region um Paris, die Ile du Nord, wo 8,8 Millionen der rund 60 Millionen Franzosen auf einer Dichte von über 8.000 Menschen pro Quadratkilometer leben. In ländlichen Gebieten dagegen findet man im Schnitt nur 50 und weniger Einwohner pro Quadratkilometer. Betrachtet man auf einer Landkarte die Autobahnen, Bahnstrecken und Flugverbindungen in Frankreich, wird die Struktur noch deutlicher – alle Wege führen nach Paris. In den Ferien fahren die Franzosen gerne an die französische Küste. Im Ausland machen nur verhältnismäßig wenig Franzosen Urlaub.

Ebenso wie Deutschland hat sich Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer der größten Industrienation der Welt entwickelt (Rang vier). Vor allem im Automobil- und Schienenfahrzeugbau, in der Bekleidungs- und Nahrungsmittelindustrie, so wie modernen Technologien (z.B. Luft- und Raumfahrttechnik) hat Frankreich eine herausragende Stellung auf den Weltmärkten erreicht.

Auch wenn Frankreichs Wirtschaft vom weltweiten Konjunktureinbruch nicht so hart getroffen wurde wie Deutschland, machte im Jahr 2002 das Wirtschaftswachstum lediglich 1,2 Prozent aus. In diesem Jahr wird eine leichte Besserung erwartet. Die Arbeitslosigkeit liegt in Frankreich gegenwärtig bei 10 Prozent. 2003 verletzte Frankreich zum dritten Mal in Folge den Stabilitätspakt der Europäischen Union. Die Neuverschuldung für das Jahr 2003 wird auf 4 Prozent und damit 1 Prozent höher als erlaubt geschätzt.
Auf Initiative Frankreichs war bei Gründung der Europäischen Gemeinschaften die Agrarpolitik zum Teil des gemeinsamen Marktes erklärt worden. Auch wenn heute nur noch knapp 4 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig sind, weist Frankreich nach wie vor die größte landwirtschaftliche Nutzfläche in der EU auf und kann aufgrund sehr guter Bodenverhältnisse und Klimabedingungen auf eine hoch produktive Landwirtschaft verweisen. Mit seiner ausgedehnten Landwirtschaft profitiert Frankreich derzeit am meisten von den landwirtschaftlichen Transferzahlungen der EU und will auch zukünftig den französischen Bauern die Beihilfen erhalten. Im Zuge der Osterweiterung ist das jetzige System jedoch nicht mehr zu finanzieren und muss reformiert werden. Frankreich würde bei Kürzungen der EU-Agrarsubventionen zum Nettozahler der Gemeinschaft.

Um eine preiswerte Energieversorgung und weitgehende Unabhängigkeit von Energieimporten zu gewährleisten, setzt Frankreich im hohen Maße auf Atomenergie. 29% des französischen Primärenergiebedarfs (und 76% des Strombedarfs) wird in Kernkraftwerken gewonnen. Auch die Wiederaufbereitung von den in deutschen Atomkraftwerken anfallenden Materialien wird in Frankreich übernommen. Großangelegte Protestbewegungen wie in anderen Ländern gibt es dabei von Seiten der französischen Bevölkerung nicht. Obwohl nach und nach immer mehr europäische Staaten den Ausstieg aus der Atomenergie beschließen, besteht in Frankreich kein Interesse an der Aufgabe der Energiequelle Nummer 2. Vorerst sind jedoch keine weiteren Kernkraftwerke geplant. Neben Erdöl (38%) und Erdgas (15%) sorgen zu 12% erneuerbare Energieträger (allen voran Wasserkraft) für die Energieversorgung. Der großflächige Einsatz von Windkrafträdern scheiterte bisher am Widerstand der Bevölkerung und Naturschützern.

Die staatliche Förderung von Forschung und Entwicklung ist in Frankreich stark ausgeprägt. Verschieden Schlüsseltechnologien können sich staatlicher Unterstützung erfreuen und sind die Nutznießer zahlreicher Innovationsinitiativen. Bis 2010 sollen – so die französische Regierung – für Forschung und Entwicklung jährlich 3,0% des BIP aufgewendet werden.
Als besondere Stärken der französischen Hightech-Branchen gelten die Genom- und Grundlagenforschung, die Erforschung von Infektionskrankheiten, so wie Informations- und Kommunikationstechnologie. Frankreich hält die europäische Führungsposition in der Luft- und Raumfahrttechnik. Das europäische Raumfahrtzentrum befindet sich in Kourou in Französisch- Guayana und stellt dort einen der wichtigsten Wirtschaftszweige und Hauptarbeitgeber dar. In Kourou erfolgt auch der Start der Ariane-Raketen.

V. Arbeit, Bildung und Soziales

Bis 1940 hatte Frankreich als das Land mit der geringsten Geburtenrate weltweit gegolten. Seit dem 2. Weltkrieg werden Bemühungen unternommen, die Kinderzahl zu erhöhen. Heute liegt Frankreichs Geburtenrate mit 1,89 Kindern pro Frau im europäischen Vergleich nach Irland an zweiter Stelle. Es gibt verschiedene Gründe dafür, wie es Frankreich gelungen ist, trotz einer der höchsten Frauenerwerbsquote das natürliche Wachstum der Bevölkerung derartig hoch zu halten. Aufgrund eines breit angelegten, kostenlosen staatlichen Betreuungssystems (Ganztagsbetreuung vom 2. Lebensjahr an) lassen sich in Frankreich Beruf und Familie besser verbinden (Frankreich gibt 4% seines BIP für Familienpolitik aus).

Frankreichs Sozialsystem wird wie in Deutschland überwiegend über Versicherungsbeiträge finanziert. Französische Arbeitnehmer zahlen 22 Prozent ihrer Bruttolöhne in das System der sozialen Sicherung, das alle Risiken einschließlich der Altersversorgung und Krankenversicherung abdeckt. Die Arbeitgeber zahlen einen Anteil von etwa 45 Prozent des Bruttolohns. Obwohl die Franzosen dank einer überdurchschnittlichen Geburtenrate die Alterung der Gesellschaft nicht in dem Maße fürchten müssen, wie etwa Deutschland, ist das Sozialsystem aufgrund einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit ( gegenwärtig etwa 10 Prozent) stark belastet. Frankreich, das sich rühmt, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu haben, meldete 2003 ein Defizit der Krankenkassen von voraussichtlich 10,3 Milliarden Euro. Die Ursachen sind vielfältig. Im Gegensatz zum Nachbarn Großbritannien ist zum Beispiel das Gesundheitssystem in Frankreich durch einen Überschuss an Krankenhausbetten (ca. 60.000) gekennzeichnet. Außerdem sind die Franzosen Weltmeister im Konsum von Arzneien. Die Regierung versucht nun mit Hilfe erhöhter Tabaksteuern, erhöhter Krankenhausgebühren und höherer Steuern für die Pharmaindustrie, das Gesundheitssystem zu sanieren. Die französische Regierung versucht gegenwärtig außerdem mit einer Rentenreform das System zukunftsfähig zu machen. So sollen ab 2008 Arbeitnehmer 40 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, ab 2020 sogar 42 Jahre. Außerdem soll die private Vorsorge weiter ausgebaut werden. Die empörte französische Bevölkerung reagierte mit einem Generalstreik, der das gesamte Land für kurze Zeit lahm legte.

Seit 1997 verstärkte die französische Regierung – abgestimmt im Rahmen der jährlichen Beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU – ihre Arbeitsmarktpolitik. Ein wichtiger Bestandteil war hierbei die schrittweise Einführung der 35-Stunden-Woche. Auf diese Weise konnten in den vergangenen fünf Jahren 265.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wie eine Studie kürzlich vorrechnete. Trotz zahlreicher Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen liegt jedoch die Jugendarbeitslosigkeit weiterhin in Frankreich immer noch bei 17%. Wie auch in Deutschland gibt es große regionale Unterschiede hinsichtlich der Arbeitslosenzahlen. Der elsässischen Arbeitslosenquote von 6,5% stehen 15,6% im Languedoc gegenüber.

Schulpflicht besteht in Frankreich vom sechsten bis zum 16 Lebensjahr. Ab dem 2. Lebensjahr stehen bereits Kindergarten- und Vorschulplätze zur Verfügung. Das französische Bildungssystem ist vergleichsweise stark von Auslese und Elitenbildung geprägt. Bei Abschlüssen finden sich die Schüler auf Ranglisten platziert. Für den Zugang zu einer der Elitehochschulen müssen die Anwärter zuvor an einem Auswahlwettbewerb teilnehmen. Bei der Lernstudie PISA nahm Frankreich nur einen guten mittleren Platz ein (über Durchschnitt), lag jedoch im Bereich mathematische Fähigkeiten auf dem 10. Platz (von 32).

 
Zuletzt aktualisiert: 18.04.2004
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