|
Irland die "grüne Insel" umfasst eine
Fläche, die etwa der von Bayern entspricht. Mit einer Bevölkerung
von rund 3,8 Millionen Einwohnern ist Irland eines der am dünnsten
besiedelten Länder Europas. Achtzig Prozent der Insel gehören
zur Republik Irland. Das seit Jahrzehnten vom Konflikt zwischen
Protestanten und Katholiken geprägte Nordirland ist eine seit
wenigen Jahren teilautonome Region von Großbritannien. Rund
als ein Drittel der Iren leben in oder um die Hauptstadt Dublin.
Der gesellschaftliche Wandel in Irland war in den letzten 20 Jahren
zum einen von einer starken Abwanderung aus den ländlichen
Gebieten in die Städte geprägt. Zum anderen von der wirtschaftlichen
Integration des Landes Irland ist das Land in Europa in der
die Dynamik der ökonomischen Globalisierung am stärksten
zum Tragen gekommen ist.
Auch
wenn in vielen Bereichen die Verbindung zur angelsächsischen
Tradition unverkennbar ist dominierende Landessprache ist
Englisch , so sehen sich die Iren durch eine Kultur verbunden,
die viel weiter zurückreicht. Irlands kulturelle Wurzeln reichen
bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurück. Damals hatten sich keltische
Einwanderer auf der Insel niedergelassen, die gemeinsame Sprache
war das Gällische. Seit 1167 stand die irische Insel immer
mehr unter englischem Einfluss bis das Land 1541 der englischen
Krone zufiel.
Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von Unterdrückung
der katholischen Iren seitens der protestantischen Engländer
und irische Aufstände gegen die englische Fremdherrschaft.
Die zunehmende Verarmung der irischen Bevölkerung war Auslöser
für die große Auswanderungsbewegung nach Amerika. Im
19. Jahrhundert schrumpfte die Bevölkerung aufgrund von Auswanderung
und Hungersnot von über 8 Millionen auf 5 Millionen. Für
70 Millionen Emigranten und deren Nachfolgegenerationen in über
100 Ländern der Welt ist Irland ihr Herkunftsland.
Heute
sind zum Beispiel rund ein Fünftel der US-Amerikaner irischer
Abstammung. Aufgrund der langen Zeit unter britischer Herrschaft
sprachen 1891 schon mehr als 85 Prozent der Bevölkerung Irlands
nur noch Englisch. Die Popularität der irischen Gällisch
hat in der Zwischenzeit wieder zugenommen. Heute ist das Irische
mit dem Englischem offizielle Sprache in Irland, obwohl nach jüngsten
Statistiken nur 43% der Erwachsenen über Irisch-Kenntnisse
verfügen.
1985 wurden in dem katholisch geprägten Land die Empfängnisverhütung
und 1995 Scheidungen gesetzlich erlaubt. Dennoch nimmt Irland nach
wie vor eine sehr konservative Haltung im Hinblick auf Schwangerschaftsabbruch
(nur bei Gesundheitsrisiken für die Mutter) und Embryonenforschung
ein. 2002 forderte das Land ethische Leitlinien für die Embryonenforschung,
die aus EU- Mitteln finanziert wird.
Wichtige Worte:
Sláinte (gesprochen: Schleunte) Prost
Dia Duit (gesprochen: Dier Guitt) Grüß Gott
Pog mo hón (gesprochen: pohg me hohn) Leck mich am Arsch
Tá grá agam duit! (gesprochen: tah grah agam guitt)
Ich liebe Dich!

|
 |
|
|
Faktisch erreichte Irland im Jahr 1921 seine Unabhängigkeit
von Großbritannien. Mit der irischen Verfassung von 1937 waren
die beiden Staaten auch rechtlich getrennt. Eine wirtschaftliche
Abhängigkeit blieb zunächst erhalten. Ein weiterer Schritt
zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit Irlands ergab sich mit
dem EG-Beitritt Irlands 1973, zu dem 83% der Iren ihre Zustimmung
gegeben hatten. Während der vergangenen 10 Jahre hat Irland
hinsichtlich des Wohlstands zu den anderen EU- Staaten aufgeschlossen.
Die Einstellung der irischen Bevölkerung zur europäischen
Integration ist traditionell positiv.
Auch wenn die Iren die Europäische Union positiv bewerten,
bestehen Vorbehalte im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik.
Irland hat in der Vergangenheit einen strikten Neutralitätskurs
in der Außenpolitik verfolgt. Irland ist nicht Mitglied in
der NATO. Lange Zeit galten die Iren als integrationsfreudige Europäer.
Dies änderte sich mit dem Referendum zum Nizza-Vertrag 2001,
als die Iren mit Nein stimmten. Es gab mehrere Gründe für
die Ablehnung der Iren: Zum einen wurde den politischen Vertretern
Irlands bei den Verhandlungen zum EU- Finanzrahmen 1999 in Berlin
klar gemacht, dass Irland im Zeitraum nach 2006 nicht länger
Empfänger von Geldzuweisungen aus Brüssel sein würde,
sondern sogar in Bälde vielleicht selbst zum Netto-Zahler wird.
Als kleinerer Mitgliedstaat steht Irland einer Stärkung der
Rolle der großen Mitgliedstaaten in der EU skeptisch gegenüber.
Die prinzipielle Gleichberechtigung aller Mitgliedstaaten im EU-Entscheidungsprozess
und in den Institutionen sollte nach Ansicht der irischen Regierung
beibehalten werden. Und weil ohne die Annahme des Nizza- Vertrages
eine Erweiterung der Union nur schwerlich vorstellbar war, schaute
ganz Europa gebannt nach Irland und das zweite Referendum im Frühjahr
2002, in welchem die Iren schließlich eine deutliche Zustimmung
äußerten (62,89 Prozent).
|
 |
|
|
Irland fordert die Beibehaltung des zwischenstaatlichen Charakters
der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Demnach
sollen auch künftig Entscheidungen grundsätzlich nur einstimmig
gefällt werden können und die Mitwirkungsrechte der Kommission,
des Europäischen Parlaments und des EuGH stark beschränkt
bleiben. Um den Zwang zu einstimmigen Entscheidungen abzumildern,
sollte die mit dem Vertrag von Amsterdam eingeführte konstruktive
Enthaltung genutzt werden, die es einzelnen Mitgliedstaaten
ermöglicht, sich von gemeinsamen Maßnahmen auszuklinken
ohne die anderen an einem gemeinsamen Vorgehen im Rahmen der GASP
zu hindern.
Die irische Regierung setzt sich für eine weitergehende Liberalisierung
des Welthandels ein, gleichwohl das Land als großer Exporteur
landwirtschaftlicher Produkte weit überdurchschnittlich von
der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und dem europäischen Protektionismus
zu Lasten ärmerer Länder profitiert.
Irland ist kein NATO- Mitglied und war militärisch immer neutral
gewesen. Obwohl das Land besondere Beziehungen zu den USA unterhält
(über 40 Mio. Amerikaner sind irischer Abstammung), hat sich
Irland auch im Irak- Konflikt neutral verhalten.
Um an internationalen Peace-Keeping-Einsätzen gleichberechtigt
teilnehmen zu können, ist Irland der "Partnerschaft für
den Frieden" beigetreten. Irland unterstützt außerdem
den Ausbau der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Dem Aufbau einer gemeinsamen Verteidigungsdimension, steht das
traditionell neutrale Irland mit Vorbehalten gegenüber. Ihre
Neutralität in sicherheitspolitischen Fragen möchte die
irische Regierung nur aufgeben, wenn dies durch ein Referendum von
der irischen Bevölkerung beschlossen würde. Die Chancen
hierfür sind jedoch gering. Irland möchte das sicherheitspolitische
Engagement der EU nicht über eine Zusammenarbeit bei humanitären
Einsätzen und der präventiven Friedenssicherung hinaus
erweitern.
|
 |
|
|
Als
Irland der EG/EU 1973 zusammen mit Großbritannien und Dänemark
beigetreten ist, war es das Land mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen
in der damaligen Gemeinschaft der Neun. Als strukturschwaches Land
profitierte Irland maßgeblich von den Fördermitteln der
EU, v.a. vom Strukturfonds und dem 1993 eingerichteten Kohäsionsfonds.
Politische Maßnahmen der irischen Regierung haben die Attraktivität
Irlands als Produktionsstandort im Binnenmarkt erhöht. Irland
konnte in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre das größte
Wirtschaftswachstum in der EU verzeichnen. Während sich in
diesem Zeitraum im EU-Binnenmarkt das Bruttosozialprodukt jährlich
um durchschnittlich 2,5 Prozent erhöhte, waren es in Irland
durchschnittlich 9,4 Prozent.
Irland ist pro Kopf gerechnet nach Singapur und Belgien der drittgrößte
Exporteur der Welt. So wurde Irland in den 80er Jahren eines der
führenden Länder im Bereich der Kommunikationstechnologie
und es kam darüber hinaus zu einem kräftigen Aufschwung
im Bereich der exportierenden Industrien wie Elektrotechnik, Maschinenbau,
und Chemie. Ein Grund für das rasche Wirtschaftswachstum war,
dass es Irland gelang, viele ausländische Investitionen anzuziehen.
Beispielsweise entfielen in den Jahren 1994-99 ein Drittel aller
getätigten US-Direktinvestitionen in den EU-Binnenmarkt auf
Irland. Dies ermöglichte es der irischen Regierung alle für
die Teilnahme an der gemeinsamen Währung erforderlichen Konvergenzkriterien
(beispielsweise die Rückführung der Staatsschulden) zeitgerecht
zu erfüllen.
Als treibende Kräfte für die wirtschaftliche Dynamik
Irlands werden eine vergleichsweise junge und gutausgebildete Erwerbsbevölkerung,
vergleichsweise günstige Produktionskosten und investitionsfreundliche
rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine gute Forschungsinfrastruktur
gesehen. Vier von zehn Iren sind unter 25 Jahre, der Anteil der
Studierenden ist in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent angestiegen
und die Forschungseinrichtungen haben sich verdoppelt. Der Anteil
der Bevölkerung mit Hochschulabschluss ist der höchste
in ganz Europa. Jährlich verlassen zum Beispiel rund 500 Biotechnologie-Absolventen
die irischen Universitäten.
Angesichts der rasanten Wirtschaftsentwicklung und in Anlehnung
an die (vormals) boomenden Wirtschaften in Ostasien (sog. "Tigerstaaten")
hat sich der Begriff von Irland als dem "keltischen Tiger"
geprägt. Galt das Land auch lange Zeit als wirtschaftsschwaches
Land am Rande Europas, als typisches Land der Auswanderer, so entwickelten
sich Wirtschaft und Lebensqualität in den 90ern derartig schnell,
dass Irland zukünftig keine Förderung aus den Kohäsionsfonds
der Europäischen Union (Förderung für Mitglieder,
deren Bruttosozialprodukt pro Kopf weniger als 90% des EU- Durchschnitts
ausmacht) mehr benötigt. Diese Entwicklung ist auf Verschiedenes
zurückzuführen, aber vor allem darauf, dass Irland einen
interessanten Investitionsstandort für Unternehmen aus Asien
und den USA, die ein Standbein innerhalb der EU haben wollen, darstellt.
Im Gegensatz zu dem übrigen Europa sind Sozialabgaben recht
niedrig, was die Arbeitskosten niedrig hält. Die Tatsache,
dass man in Irland Englisch spricht, ist ein weiterer wichtiger
Faktor der Anteil der Erwerbstätigen, die in Call-Centern
beschäftigt sind, ist der größte in der EU. Das
Wirtschaftswachstum für 2003 wird mit 4,8% veranschlagt. Als
Problem könnte sich die steigende Inflation erweisen (derzeit
bei ca. 3,5%).
Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Bevölkerung
ist in der Landwirtschaft tätig (9%), vor allem im Bereich
Rindermast und Milchwirtschaft. Trotzdem trägt die landwirtschaftliche
Produktion weniger als 5% zum Bruttosozialprodukt bei.
Der Export von IT- Produkten so wie chemischer und pharmazeutischer
Industrie hat sich in den vergangenen Jahren in Irland zum Hauptwachstumsbereich
entwickelt. Besonders hohes Wachstum konnte die Computer-Branche
vermelden. Viele Weltspitzenunternehmen haben mittlerweile Niederlassungen
in Irland.
Irland
ist relativ arm an natürlichen Ressourcen. Zusätzlich
zu Erdgasvorkommen vor der Küste verfügt Irland über
die höchste Torfabbaurate der Welt. Mitte der 80er wurde durch
Torf noch 1/5 der gesamten Energiegewinnung gedeckt. Heute ist der
Anteil extrem zurückgegangen. Torf als Energielieferant ist
umweltschädlich und teuer. Atomenergie hat in Irland nie eine
Rolle gespielt. Alternativ zu fossilen Energieträgern wird
vor allem Wasserkraft eingesetzt.
Irland hat im europäischen Vergleich pro Kopf gerechnet neben
Finnland und Schweden den höchsten CO2-Ausstoß und liegt
auch beim Energieverbrauch im oberen Mittelfeld. Das starke Wirtschaftswachstum
in den neunziger Jahren hat dazu geführt, dass sowohl der Energieverbrauch
als auch der Schadstoffausstoß kräftig angestiegen sind.
Knapp die Hälfte des irischen Energieverbrauches wird durch
Öl bestritten, etwas weniger als ein Drittel stammt aus der
Verwendung von Gas. Erneuerbare Energien spielen in Irland praktisch
keine Rolle. Das Land verzichtet bislang zudem auf den Einsatz der
Atomenergie. Die Zusammensetzung des irischen Energiemix führt
im Vergleich zur wirtschaftlichen Produktion zu relativ hohen Schadstoffemissionen,
da bei der Verbrennung von Öl und Kohle höhere Emissionen
anfallen als bei anderen Energieformen. Nach den Vereinbarungen
von 1998 darf Irland seinen CO2-Ausstoß bis 2010 um 13 Prozent
erhöhen (basierend auf dem Ausstoß von 1990). Dieser
Spielraum ist angesichts der starken wirtschaftlichen Dynamik des
Landes bereits mehr als ausgeschöpft. Bereits in den neunziger
Jahren ist der Energieverbrauch Irlands jährlich um durchschnittlich
4 Prozent angestiegen. Irland hat bereits eine Reihe von Maßnahmen
eingeleitet, um den energetischen Wirkungsgrad zu verbessern. Dazu
gehören modernere Verbrennungstechniken zur Verfeuerung von
Torf, verbesserte Wärmedämmung in Gebäuden, Informationskampagnen,
die Förderung erneuerbarer Energien so wie auch die Förderung
des öffentlichen Verkehrs in Stadtzentren. Die Industrie hat
zusätzliche freiwillige Leistungen versprochen. Viele der vorgesehenen
Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit EU-Maßnahmen. Nationale
Ökosteuern gibt es bislang in Irland nicht, und die öffentliche
Unterstützung für Umweltmaßnahmen ist eher gering.
Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung Irlands
wird zwar ebenfalls ein anhaltendes stetiges Wachstum erwartet,
jedoch auf niedrigerem Niveau. Zentrale Herausforderungen, vor denen
die irische Regierung steht, ist zum einen der Ausbau der irischen
Infrastruktur der Verkehrsverbindungen und Kommunikationsnetze
, um mit dem Wachstum schritt zu halten und zugleich die Förderung
umweltverträglicher Produktionsprozesse.
|
 |
|
|
In den vergangenen Jahren wies Irland die höchste Rate bei
Neubeschaffung von Arbeitsplätzen in der ganzen industrialisierten
Welt auf. Seit 1987 wurden 250.000 Arbeitsplätze geschaffen.
In Irland herrscht quasi Vollbeschäftigung, in einigen Branchen
müssen Arbeitnehmer aus dem Ausland angeworben werden. Die
derzeitige Arbeitslosenquote von rund vier Prozent ist eine der
niedrigsten in der EU.
Das irische Gesundheitssystem wird aus Steuern finanziert. Personen
mit geringem Einkommen haben ein Anrecht auf kostenlose medizinische
Versorgung. Für die Besserverdienenden gibt es Zusatzkrankenversicherungen,
um den Eigenanteil bei der medizinischen Versorgung gering zu halten.
OECD-weit geben die Iren für die Schulbildung der Kinder im
Verhältnis zum Bruttosozialprodukt am wenigsten Geld aus. Trotzdem
schnitten irische Schüler bei PISA überdurchschnittlich
ab. Schulpflicht besteht nur von 6 bis 15 Lebensjahr. Die meisten
Kinder aber besuchen die Schule vom 5. bis zum 19. Lebensjahr und
80% der Schüler machen die irische Version des Abiturs.
Obwohl das streng katholische Irland erst 1985 Empfängnisverhütung
und 1995 Scheidungen gesetzlich erlaubte, verzeichnet Irland weiterhin
ein stetiges Bevölkerungswachstum und mit 1,94 Kindern pro
Frau den höchsten Kinderwert in der EU.
|
 |
|