logo
slogan
 

Irland

Eire

 

Einwohner

3,84 Mio (EU15: 371 Mio)

Fläche

70 273 qkm (EU15: 3,2 Mio qkm)

Einwohner / qkm

55

Hauptstadt

Dublin (Baile Atha Cliath, 49.000 Einwohner)

Amtssprachen

Irisch, Englisch

Religion

Katholiken (87 % ), Anglikaner und Protestanten

Urbanisierung

59 &

Arbeitslosigkeit

4,5 % (2002)

Staatsform

Parlamentarische Republik

Regierungschef

Mary McAlesse (Staatsoberhaupt)
Bertie Ahern (Regierungschef)

Beitritt zur EG/EU

1973

 

 

I. Werte, Identität und Kultur


Irland – die "grüne Insel" – umfasst eine Fläche, die etwa der von Bayern entspricht. Mit einer Bevölkerung von rund 3,8 Millionen Einwohnern ist Irland eines der am dünnsten besiedelten Länder Europas. Achtzig Prozent der Insel gehören zur Republik Irland. Das seit Jahrzehnten vom Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken geprägte Nordirland ist eine seit wenigen Jahren teilautonome Region von Großbritannien. Rund als ein Drittel der Iren leben in oder um die Hauptstadt Dublin. Der gesellschaftliche Wandel in Irland war in den letzten 20 Jahren zum einen von einer starken Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in die Städte geprägt. Zum anderen von der wirtschaftlichen Integration des Landes – Irland ist das Land in Europa in der die Dynamik der ökonomischen Globalisierung am stärksten zum Tragen gekommen ist.

Auch wenn in vielen Bereichen die Verbindung zur angelsächsischen Tradition unverkennbar ist – dominierende Landessprache ist Englisch –, so sehen sich die Iren durch eine Kultur verbunden, die viel weiter zurückreicht. Irlands kulturelle Wurzeln reichen bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. zurück. Damals hatten sich keltische Einwanderer auf der Insel niedergelassen, die gemeinsame Sprache war das Gällische. Seit 1167 stand die irische Insel immer mehr unter englischem Einfluss bis das Land 1541 der englischen Krone zufiel.

Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von Unterdrückung der katholischen Iren seitens der protestantischen Engländer und irische Aufstände gegen die englische Fremdherrschaft. Die zunehmende Verarmung der irischen Bevölkerung war Auslöser für die große Auswanderungsbewegung nach Amerika. Im 19. Jahrhundert schrumpfte die Bevölkerung aufgrund von Auswanderung und Hungersnot von über 8 Millionen auf 5 Millionen. Für 70 Millionen Emigranten und deren Nachfolgegenerationen in über 100 Ländern der Welt ist Irland ihr Herkunftsland.

Heute sind zum Beispiel rund ein Fünftel der US-Amerikaner irischer Abstammung. Aufgrund der langen Zeit unter britischer Herrschaft sprachen 1891 schon mehr als 85 Prozent der Bevölkerung Irlands nur noch Englisch. Die Popularität der irischen Gällisch hat in der Zwischenzeit wieder zugenommen. Heute ist das Irische mit dem Englischem offizielle Sprache in Irland, obwohl nach jüngsten Statistiken nur 43% der Erwachsenen über Irisch-Kenntnisse verfügen.

1985 wurden in dem katholisch geprägten Land die Empfängnisverhütung und 1995 Scheidungen gesetzlich erlaubt. Dennoch nimmt Irland nach wie vor eine sehr konservative Haltung im Hinblick auf Schwangerschaftsabbruch (nur bei Gesundheitsrisiken für die Mutter) und Embryonenforschung ein. 2002 forderte das Land ethische Leitlinien für die Embryonenforschung, die aus EU- Mitteln finanziert wird.

Wichtige Worte:
Sláinte (gesprochen: Schleunte) Prost
Dia Duit (gesprochen: Dier Guitt) Grüß Gott
Pog mo hón (gesprochen: pohg me hohn) Leck mich am Arsch
Tá grá agam duit! (gesprochen: tah grah agam guitt) Ich liebe Dich!

II. Politische Strukturen - Europas Verfassung

Faktisch erreichte Irland im Jahr 1921 seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Mit der irischen Verfassung von 1937 waren die beiden Staaten auch rechtlich getrennt. Eine wirtschaftliche Abhängigkeit blieb zunächst erhalten. Ein weiterer Schritt zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit Irlands ergab sich mit dem EG-Beitritt Irlands 1973, zu dem 83% der Iren ihre Zustimmung gegeben hatten. Während der vergangenen 10 Jahre hat Irland hinsichtlich des Wohlstands zu den anderen EU- Staaten aufgeschlossen. Die Einstellung der irischen Bevölkerung zur europäischen Integration ist traditionell positiv.

Auch wenn die Iren die Europäische Union positiv bewerten, bestehen Vorbehalte im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik. Irland hat in der Vergangenheit einen strikten Neutralitätskurs in der Außenpolitik verfolgt. Irland ist nicht Mitglied in der NATO. Lange Zeit galten die Iren als integrationsfreudige Europäer. Dies änderte sich mit dem Referendum zum Nizza-Vertrag 2001, als die Iren mit Nein stimmten. Es gab mehrere Gründe für die Ablehnung der Iren: Zum einen wurde den politischen Vertretern Irlands bei den Verhandlungen zum EU- Finanzrahmen 1999 in Berlin klar gemacht, dass Irland im Zeitraum nach 2006 nicht länger Empfänger von Geldzuweisungen aus Brüssel sein würde, sondern sogar in Bälde vielleicht selbst zum Netto-Zahler wird. Als kleinerer Mitgliedstaat steht Irland einer Stärkung der Rolle der großen Mitgliedstaaten in der EU skeptisch gegenüber.

Die prinzipielle Gleichberechtigung aller Mitgliedstaaten im EU-Entscheidungsprozess und in den Institutionen sollte nach Ansicht der irischen Regierung beibehalten werden. Und weil ohne die Annahme des Nizza- Vertrages eine Erweiterung der Union nur schwerlich vorstellbar war, schaute ganz Europa gebannt nach Irland und das zweite Referendum im Frühjahr 2002, in welchem die Iren schließlich eine deutliche Zustimmung äußerten (62,89 Prozent).

III. Europas Rolle in der Welt

Irland fordert die Beibehaltung des zwischenstaatlichen Charakters der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Demnach sollen auch künftig Entscheidungen grundsätzlich nur einstimmig gefällt werden können und die Mitwirkungsrechte der Kommission, des Europäischen Parlaments und des EuGH stark beschränkt bleiben. Um den Zwang zu einstimmigen Entscheidungen abzumildern, sollte die mit dem Vertrag von Amsterdam eingeführte ”konstruktive Enthaltung” genutzt werden, die es einzelnen Mitgliedstaaten ermöglicht, sich von gemeinsamen Maßnahmen auszuklinken ohne die anderen an einem gemeinsamen Vorgehen im Rahmen der GASP zu hindern.

Die irische Regierung setzt sich für eine weitergehende Liberalisierung des Welthandels ein, gleichwohl das Land als großer Exporteur landwirtschaftlicher Produkte weit überdurchschnittlich von der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU und dem europäischen Protektionismus zu Lasten ärmerer Länder profitiert.
Irland ist kein NATO- Mitglied und war militärisch immer neutral gewesen. Obwohl das Land besondere Beziehungen zu den USA unterhält (über 40 Mio. Amerikaner sind irischer Abstammung), hat sich Irland auch im Irak- Konflikt neutral verhalten.

Um an internationalen Peace-Keeping-Einsätzen gleichberechtigt teilnehmen zu können, ist Irland der "Partnerschaft für den Frieden" beigetreten. Irland unterstützt außerdem den Ausbau der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Dem Aufbau einer gemeinsamen Verteidigungsdimension, steht das traditionell neutrale Irland mit Vorbehalten gegenüber. Ihre Neutralität in sicherheitspolitischen Fragen möchte die irische Regierung nur aufgeben, wenn dies durch ein Referendum von der irischen Bevölkerung beschlossen würde. Die Chancen hierfür sind jedoch gering. Irland möchte das sicherheitspolitische Engagement der EU nicht über eine Zusammenarbeit bei humanitären Einsätzen und der präventiven Friedenssicherung hinaus erweitern.

IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit

Als Irland der EG/EU 1973 zusammen mit Großbritannien und Dänemark beigetreten ist, war es das Land mit dem niedrigsten Pro-Kopf-Einkommen in der damaligen Gemeinschaft der Neun. Als strukturschwaches Land profitierte Irland maßgeblich von den Fördermitteln der EU, v.a. vom Strukturfonds und dem 1993 eingerichteten Kohäsionsfonds. Politische Maßnahmen der irischen Regierung haben die Attraktivität Irlands als Produktionsstandort im Binnenmarkt erhöht. Irland konnte in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre das größte Wirtschaftswachstum in der EU verzeichnen. Während sich in diesem Zeitraum im EU-Binnenmarkt das Bruttosozialprodukt jährlich um durchschnittlich 2,5 Prozent erhöhte, waren es in Irland durchschnittlich 9,4 Prozent.

Irland ist pro Kopf gerechnet nach Singapur und Belgien der drittgrößte Exporteur der Welt. So wurde Irland in den 80er Jahren eines der führenden Länder im Bereich der Kommunikationstechnologie und es kam darüber hinaus zu einem kräftigen Aufschwung im Bereich der exportierenden Industrien wie Elektrotechnik, Maschinenbau, und Chemie. Ein Grund für das rasche Wirtschaftswachstum war, dass es Irland gelang, viele ausländische Investitionen anzuziehen. Beispielsweise entfielen in den Jahren 1994-99 ein Drittel aller getätigten US-Direktinvestitionen in den EU-Binnenmarkt auf Irland. Dies ermöglichte es der irischen Regierung alle für die Teilnahme an der gemeinsamen Währung erforderlichen Konvergenzkriterien (beispielsweise die Rückführung der Staatsschulden) zeitgerecht zu erfüllen.

Als treibende Kräfte für die wirtschaftliche Dynamik Irlands werden eine vergleichsweise junge und gutausgebildete Erwerbsbevölkerung, vergleichsweise günstige Produktionskosten und investitionsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen sowie eine gute Forschungsinfrastruktur gesehen. Vier von zehn Iren sind unter 25 Jahre, der Anteil der Studierenden ist in den letzten zehn Jahren um 80 Prozent angestiegen und die Forschungseinrichtungen haben sich verdoppelt. Der Anteil der Bevölkerung mit Hochschulabschluss ist der höchste in ganz Europa. Jährlich verlassen zum Beispiel rund 500 Biotechnologie-Absolventen die irischen Universitäten.

Angesichts der rasanten Wirtschaftsentwicklung und in Anlehnung an die (vormals) boomenden Wirtschaften in Ostasien (sog. "Tigerstaaten") hat sich der Begriff von Irland als dem "keltischen Tiger" geprägt. Galt das Land auch lange Zeit als wirtschaftsschwaches Land am Rande Europas, als typisches Land der Auswanderer, so entwickelten sich Wirtschaft und Lebensqualität in den 90ern derartig schnell, dass Irland zukünftig keine Förderung aus den Kohäsionsfonds der Europäischen Union (Förderung für Mitglieder, deren Bruttosozialprodukt pro Kopf weniger als 90% des EU- Durchschnitts ausmacht) mehr benötigt. Diese Entwicklung ist auf Verschiedenes zurückzuführen, aber vor allem darauf, dass Irland einen interessanten Investitionsstandort für Unternehmen aus Asien und den USA, die ein Standbein innerhalb der EU haben wollen, darstellt. Im Gegensatz zu dem übrigen Europa sind Sozialabgaben recht niedrig, was die Arbeitskosten niedrig hält. Die Tatsache, dass man in Irland Englisch spricht, ist ein weiterer wichtiger Faktor – der Anteil der Erwerbstätigen, die in Call-Centern beschäftigt sind, ist der größte in der EU. Das Wirtschaftswachstum für 2003 wird mit 4,8% veranschlagt. Als Problem könnte sich die steigende Inflation erweisen (derzeit bei ca. 3,5%).

Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig (9%), vor allem im Bereich Rindermast und Milchwirtschaft. Trotzdem trägt die landwirtschaftliche Produktion weniger als 5% zum Bruttosozialprodukt bei.

Der Export von IT- Produkten so wie chemischer und pharmazeutischer Industrie hat sich in den vergangenen Jahren in Irland zum Hauptwachstumsbereich entwickelt. Besonders hohes Wachstum konnte die Computer-Branche vermelden. Viele Weltspitzenunternehmen haben mittlerweile Niederlassungen in Irland.

Irland ist relativ arm an natürlichen Ressourcen. Zusätzlich zu Erdgasvorkommen vor der Küste verfügt Irland über die höchste Torfabbaurate der Welt. Mitte der 80er wurde durch Torf noch 1/5 der gesamten Energiegewinnung gedeckt. Heute ist der Anteil extrem zurückgegangen. Torf als Energielieferant ist umweltschädlich und teuer. Atomenergie hat in Irland nie eine Rolle gespielt. Alternativ zu fossilen Energieträgern wird vor allem Wasserkraft eingesetzt.

Irland hat im europäischen Vergleich pro Kopf gerechnet neben Finnland und Schweden den höchsten CO2-Ausstoß und liegt auch beim Energieverbrauch im oberen Mittelfeld. Das starke Wirtschaftswachstum in den neunziger Jahren hat dazu geführt, dass sowohl der Energieverbrauch als auch der Schadstoffausstoß kräftig angestiegen sind. Knapp die Hälfte des irischen Energieverbrauches wird durch Öl bestritten, etwas weniger als ein Drittel stammt aus der Verwendung von Gas. Erneuerbare Energien spielen in Irland praktisch keine Rolle. Das Land verzichtet bislang zudem auf den Einsatz der Atomenergie. Die Zusammensetzung des irischen Energiemix führt im Vergleich zur wirtschaftlichen Produktion zu relativ hohen Schadstoffemissionen, da bei der Verbrennung von Öl und Kohle höhere Emissionen anfallen als bei anderen Energieformen. Nach den Vereinbarungen von 1998 darf Irland seinen CO2-Ausstoß bis 2010 um 13 Prozent erhöhen (basierend auf dem Ausstoß von 1990). Dieser Spielraum ist angesichts der starken wirtschaftlichen Dynamik des Landes bereits mehr als ausgeschöpft. Bereits in den neunziger Jahren ist der Energieverbrauch Irlands jährlich um durchschnittlich 4 Prozent angestiegen. Irland hat bereits eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um den energetischen Wirkungsgrad zu verbessern. Dazu gehören modernere Verbrennungstechniken zur Verfeuerung von Torf, verbesserte Wärmedämmung in Gebäuden, Informationskampagnen, die Förderung erneuerbarer Energien so wie auch die Förderung des öffentlichen Verkehrs in Stadtzentren. Die Industrie hat zusätzliche freiwillige Leistungen versprochen. Viele der vorgesehenen Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit EU-Maßnahmen. Nationale Ökosteuern gibt es bislang in Irland nicht, und die öffentliche Unterstützung für Umweltmaßnahmen ist eher gering.

Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung Irlands wird zwar ebenfalls ein anhaltendes stetiges Wachstum erwartet, jedoch auf niedrigerem Niveau. Zentrale Herausforderungen, vor denen die irische Regierung steht, ist zum einen der Ausbau der irischen Infrastruktur – der Verkehrsverbindungen und Kommunikationsnetze –, um mit dem Wachstum schritt zu halten und zugleich die Förderung umweltverträglicher Produktionsprozesse.

V. Arbeit, Bildung und Soziales

In den vergangenen Jahren wies Irland die höchste Rate bei Neubeschaffung von Arbeitsplätzen in der ganzen industrialisierten Welt auf. Seit 1987 wurden 250.000 Arbeitsplätze geschaffen. In Irland herrscht quasi Vollbeschäftigung, in einigen Branchen müssen Arbeitnehmer aus dem Ausland angeworben werden. Die derzeitige Arbeitslosenquote von rund vier Prozent ist eine der niedrigsten in der EU.

Das irische Gesundheitssystem wird aus Steuern finanziert. Personen mit geringem Einkommen haben ein Anrecht auf kostenlose medizinische Versorgung. Für die Besserverdienenden gibt es Zusatzkrankenversicherungen, um den Eigenanteil bei der medizinischen Versorgung gering zu halten.

OECD-weit geben die Iren für die Schulbildung der Kinder im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt am wenigsten Geld aus. Trotzdem schnitten irische Schüler bei PISA überdurchschnittlich ab. Schulpflicht besteht nur von 6 bis 15 Lebensjahr. Die meisten Kinder aber besuchen die Schule vom 5. bis zum 19. Lebensjahr und 80% der Schüler machen die irische Version des Abiturs.
Obwohl das streng katholische Irland erst 1985 Empfängnisverhütung und 1995 Scheidungen gesetzlich erlaubte, verzeichnet Irland weiterhin ein stetiges Bevölkerungswachstum und mit 1,94 Kindern pro Frau den höchsten Kinderwert in der EU.

 
Zuletzt aktualisiert: 18.04.2004
© 2003 - 2004