 |
 |
 |
 |
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
|
Einwohner
|
320.000 (EU15: 371 Mio)
|
|
Fläche
|
315,6 qkm (EU15: 3,2 Mio qkm)
|
|
Einwohner / qkm
|
1250
|
|
Hauptstadt
|
Valetta (7.200 Einwohner)
|
|
Amtssprachen
|
Maltesisch, Englisch
|
|
Religion
|
Katholiken (96%), Protestanten und Muslime
|
|
Urbanisierung
|
90 %
|
|
Arbeitslosigkeit
|
5,2 % (2002)
|
|
Staatsform
|
Parlamentarische Republik
|
|
Nationalfeiertag
|
21. 9.
|
|
Regierung
|
Guido de Marco (Staatsoberhaupt)
Edward Fenech (Regierungschef)
|
|
Beitritt zur EG/EU
|
1. Mai 2004
|
|
 |
|
I. Werte, Identität und Kultur
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
1530
hatte Kaiser Karl V. dem Ritterorden vom heiligen Johannes Malta
als Lehen verliehen. Die folgenden 268 Jahre war der Malteserorden
Herrscher über die Insel gewesen, hatte sie gegen dasvorrückende
osmanische Reich verteidigt, um schließlich Napoleon zu unterliegen.
Auch wenn dem Malteserorden danach kein Territorium mehr zugeschrieben
werden konnte, erhielt sich aus der frühen Zeit der Status
eines souveränen Völkerrechtssubjektes. Als solches unterhält
der Krankenpflege- Orden auch heute noch diplomatische Beziehungen
zu Staaten und internationalen Organisationen.
Im Zuge der EU Beitrittsverhandlungen forderte Staatspräsident
de Marco: "Mein Malti soll EU Amtssprache werden!".
Die Malteser sind stolz auf ihre Sprache, die als einzige semitische
Sprache mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird. Obwohl die
meisten Malteser mehrsprachig sind und Englisch weiterhin Verwaltungssprache
ist, so betrachten die Malteser ihre Sprache als das Symbol ihrer
noch recht jungen Unabhängigkeit. Neben ihrem stark ausgeprägten
Nationalempfinden sind die Malteser sehr fromme Menschen, die den
Zusammenhalt ihrer religiösen Gemeinschaft großschreiben.
Auf der Insel gibt es 365 Kirchen, nach deren Uhren man sich jedoch
nicht richtigen sollte. Damit der Teufel nicht rechtzeitig zur Messe
erscheinen kann um die Gläubigen abzulenken, geht eine der
Uhren meist falsch oder ist gar nur aufgemalt. Aber theoretisch
könnte man jeden Tag im Jahr eine andere Kirche besuchen. Allerdings
käme das für die Malteser nie in Frage, sie bleiben ihrer
Kirchengemeinde treu. Die örtliche religiöse Gemeinschaft
ist eine geschlossene Gesellschaft, die schon für den Bewohner
aus dem nächsten Ort schwer zugänglich ist. Die größte
Beleidigung für einen Malteser ist deshalb der Angriff auf
den lokalen Schutzheiligen. Rund
150 Orte und Dörfer haben ihren eigenen Schutzpatron, der neben
den zahlreichen nationalen religiösen Feiertagen, seinen eigenen
Ehrentag hat. Die Animositäten zwischen den Orten erreichen
alle fünf Jahre zu Wahlkampfzeiten ihren Höhepunkt, wenn,
unter der Schirmherrschaft des Schutzheiligen, politische Kundgebungen
in den jeweiligen Orten stattfinden. Gegenseitig wird versucht,
gerade wenn man aus unterschiedlichen politischen Lagern kommt,
die Veranstaltungen der Nachbargemeinde zu stören. Verbale
Verunglimpfungen sind da noch harmlos, meist arten diese Zusammentreffen
in handfeste Raufereien aus. Allerdings nicht ohne vorher eine kleine
Wette auf den Ausgang abzuschließen!
Denn die Malteser sind neben den Briten wohl die wettbegeistertsten
Europäer. Nicht nur in den großen Städten findet
man eine Unzahl von Wettbüros, auch der noch so kleinste Ort
beherbergt eine Annahmestelle für Wetten aller Art besonderer
Beliebtheit erfreuen sich Bingo, Fußballtoto und Lotto. Auch
im Alltag kommt man nicht darum herum ein kleines Spielchen zu wagen,
denn der Malteser - so scheint es schließt auf jeden
Umstand des täglichen Lebens eine Wette ab. Besonders beliebt
sind dabei Wettfloskeln wie: "Wetten, dass der Präsident
hier vorbeikommt" oder auf die Pünktlichkeit der zahlreichen
sizilianischen Fährboote zu setzen.
Trotz
ihrer starken lokalen Verhaftung sind die Malteser aufgeschlossene,
weltoffene, freundliche und hilfsbereite Menschen, die den familiären
Zusammenhalt großschreiben. Außer wenn man ausdrücklich
Gast einer Familie ist, wird man selten ein maltesisches Haus von
innen zu sehen bekommen- der Bereich der Familie ist den Maltesern
heilig. Die Malteser lieben Kinder und das merkt man auch im Alltag,
deshalb scheint es nicht verwunderlich, dass Malta EU weit
eine der höchsten touristischen Zuwachsraten in dem Bereich
der Familienreisen vorweisen kann.
Eine andere maltesische Leidenschaft ist die Jagd, insbesondere
der traditionsreiche Vogelfang ist Volkssport Nummer 1 auf Malta.
Wer sich bei einer ausgedehnten Wanderung schon einmal über
die zahlreichen Steintischchen gewundert hat - sie dienen als Stellfläche
für die Lockvögelkäfige. Jeder 10. Einwohner Maltas
ist Mitglied des Jagdverbandes. 62 Jäger kommen hierbei auf
einen Quadratkilometer das ist Weltrekord! Leider sind auch
die Abschussquoten Weltrekord: Jährlich werden 500.000 Vögel
- vor allem Zugvögel - vom Himmel geholt, wobei 12 Millionen
Patronen 250 Tonnen Blei auf die maltesische Landschaft niederregnen
lassen. Mittlerweile hat dieser Umstand nicht nur verheerende Auswirkungen
auf Flora und Fauna, sondern auch auf die Gesundheit der Malteser.
Eine Studie offenbarte, dass das Blei der Schrotkugeln zunehmend
das Grundwasser der Insel verseucht und dass die Malteser eine dreifach
höhere Bleikonzentration im Blut aufweisen als die Bevölkerung
der anderen EU Staaten.
|
 |
|
 |
 |
 |
II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
Aufgrund seiner Lage mitten im Mittelmeer war Malta schon immer
ein wichtiger strategischer Punkt für politische Großmächte
gewesen. Phönizier, Karthager und Römer besetzten die
Insel zuerst. Es folgten die Araber, der Malteser Ritterorden, die
Franzosen und schließlich die Briten. Erst 1964 erlangte Malta
seine Unabhängigkeit. Die Verfassung aus demselben Jahr erfuhr
gravierende Veränderungen 1974, als Malta Republik wurde, und
mit der Festlegung der Neutralität 1987.
An der Spitze der parlamentarischen Demokratie steht der Staatspräsident
Guido de Marco, der allerdings lediglich repräsentative Funktionen
ausübt. Als Regierungschef wurde im Jahr 2003 der konservative
Fenech Adami wiedergewählt. Zusätzlich zum Referendum,
bei dem im März die Malteser mit 53,6% einem EU- Beitritt zugestimmt
hatten, war es diese Wahl, die Maltas Weg in die EU ermöglichte.
Die Oppositionspartei spricht sich nämlich gegen den EU- Beitritt
aus und hatte für den Fall des Wahlsieges angekündigt,
die Verhandlungen abzubrechen. 1996 war dies bereits schon einmal
geschehen. Doch nun scheinen sich die Malteser endgültig für
Europa entschieden zu haben.
|
 |
|
 |
 |
 |
III. Europas Rolle in der Welt
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
Traditionell unterhält Malta gute Beziehungen zu Großbritannien
und zum benachbarten Italien, sowie den übrigen Ländern
im Mittelmeerraum. Aufgrund der geografischen Lage 95 km
von Italien und 290 km von Afrika entfernt sieht man sich
als Mittler zwischen den Kontinenten. Derzeit ist es Staatsbürgern
nordafrikanischer Länder (mit Ausnahme von Algerien) erlaubt,
ohne Visum nach Malta einzureisen. Diese Regelung wird sich jedoch
mit dem Beitritt Maltas zur "Festung Europa" ändern.
In diesem Zusammenhang fürchtet Malta einen verstärkten
Zustrom illegaler Einwanderer aus den nordafrikanischen Ländern,
verbunden mit einem Anstieg der Kriminalitätsrate im Bereich
des Drogenhandels. Schon jetzt ist Malta eines der Haupttransitländer
für Drogen aus Nordafrika nach Europa. Dieser Tatsache versucht
die maltesische Regierung mit einer "zero tolerance" Drogenpolitik
zu begegnen. Der Besitz kleinster Mengen von Drogen ist strafbar.
Der Import von Drogen wird immer als "dealing", also als
Drogenhandel, gewertet und wird als solcher mit einer Mindeststrafe
von 6 Monaten geahndet. Im Durchschnitt liegt das Strafmaß
jedoch weit höher.
Aufgrund seiner geostrategisch günstigen Lage im Mittelmeer
wird Malta als Stützpunkt vor allem der Royal und US
Navy genutzt und ist ein beliebter Anlaufhafen für die Marine
aus vielen Nationen. Allerdings ist Malta durch seine Verfassung
seit 1987 auf Neutralität festgelegt. Auch im Beitrittsvertrag
zur EU ist diese Neutralität noch einmal festgeschrieben worden.
Sein wichtigstes außenpolitisches Ziel erreicht Malta am
1.5.2004 mit dem Beitritt zur Europäischen Union. Nach Abschluss
der Beitrittsverhandlungen anlässlich des Europäischen
Rats von Kopenhagen 2002, machte ein positives Referendum im März
2003, 53,6% der stimmberechtigten Malteser stimmten mit "Ja",
den Weg in die Europäische Union endgültig frei. Am 16.
April unterzeichnete Malta in Athen den Beitrittsvertrag.
|
 |
|
 |
 |
 |
IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
Malta gehört mit 53% des durchschnittlichen EU- BIP pro Kopf
zu den reichsten Beitrittskandidaten. Neben Steuervorteilen und
relativ geringen Lohn sowie Lohnnebenkosten ist die weite Verbreitung
der englischen Sprache ein Standortvorteil, der für viele Unternehmen
den Investitionsreiz von Malta ausmacht. Die Insel gilt als Wirtschaftsstandort
mit moderner Infrastruktur bei relativ kostengünstiger Arbeit
und optimaler Anbindung auf dem See- und Luftweg. Unternehmen aus
dem Bereich Elektronik, Pharmazeutik, Biotechnologie und Softwareentwicklung
genießen auf Malta attraktive Steuersätze (nur 5% in
den ersten 7 Jahren). Ob dieser Standortvorteil mit dem Beitritt
zur EU weiter geltend gemacht werden kann, ist jedoch fraglich.
Schon jetzt sieht sich Malta mit wachsender Konkurrenz aus Osteuropa
und Billiglohnländern in Asien konfrontiert. Eine Anhebung
der Sozialstandarts sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen
und Anpassung der Löhne im Zuge der EU Richtlinien
Implementierung könnte Malta entscheidende Wettbewerbsvorteile
kosten. Im Zuge der innenpolitischen Diskussion um den EU
Beitritt Maltas war dies auch ein Hauptargument der Opposition,
die Malta politisch, aber vor allem wirtschaftlich gerne als "Schweiz
des Mittelmeers" gesehen hätte.
Aufgrund der Bodenbeschaffenheit spielt Landwirtschaft eine geringe
Rolle. Bodenschätze sind auf Malta so gut wie nicht vorhanden.
Deshalb muss sich das Land auf das Erbringen von Dienstleistungen
(vor allem im Tourismusbereich, wo immerhin 25% des BIP erwirtschaftet
werden) und weiterverarbeitende Industrie (Textilien, Elektrogeräte)
konzentrieren. Auch die Spielzeugproduktion (vor allem Playmobil)
spielt eine wichtige Rolle.
Wegen der strategisch günstigen Lage ist der Freihafen von
Malta ein beliebter Umschlagplatz für Containerschiffe. Unter
maltesischer Flagge fährt eine der größten Handelsflotten
weltweit. Die Werftindustrie und Trockendocks arbeiten jedoch defizitär
und werden staatlich subventioniert. Für den Schiff- und Bootsbau
forderte Malta daher von der EU die langfristige Genehmigung zur
Gewährung nationaler Beihilfen an die Werftindustrie.
Mit
1200 Menschen pro Quadratkilometer ist Malta das dichtbevölkertste
Land der EU. Aufgrund dieser dichten Besiedelung Maltas ergeben
sich zahlreiche Umweltprobleme. Bei Umfragen nennen Malteser als
wichtigstes Betätigungsfeld der EU die Verbesserung ihrer Umweltbedingungen
und dies scheint auch dringend geboten. Eines der größten
Probleme ist die Wasserknappheit. Überall auf der Insel wird
man auf Informationsschildern darauf hingewiesen mit Wasser sparsam
umzugehen. Laut UN Bericht zählt Malta zu einem der
wasserärmsten Länder der Welt. Rund 50% des Wasserbedarfs
muss der Inselstaat aus Meerwasserentsalzungsanlagen decken. Allein
11% der erzeugten Energie werden für die Umwandlung von Salz
in Süßwasser verbraucht. Das dort gewonnene Wasser ist
jedoch industriell nicht nutzbar, so dass hier auf das Grundwasser
zurückgegriffen werden muss. Dieser Umstand hat jedoch zu einem
dramatischen Absinken des Grundwasserspiegels geführt. Zusätzlich
fehlen Kontrollmechanismen, die eine illegale Grundwasserentnahme
zum Beispiel durch Landwirte eindämmen.
Mit einer Viertelmillion Autos hat Malta die höchste pro Kopf
Rate in Europa. Bleifreies Benzin und Katalysatoren haben sich jedoch
noch nicht durchgesetzt, ebenso mangelt es an Abgaskontrollen. So
gilt Valetta als eine der Städte mit der schlechtesten Luftqualität
in der EU. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Malta auch eine
der höchsten Raten an Asthma und Allergiekranken innerhalb
der EU aufweist.
Ein weiteres Problem ist die Müllentsorgung. Der größte
Teil des Mülls wird unter freiem Himmel verbrannt, Sondermülldeponien
gibt es nicht und nur ein Teil der Gemeinden und Industriebetriebe
ist an eine Kläranlage angebunden, so dass die meisten Abwässer
ungeklärt ins Meer fließen. An manchen Stellen ist das
Wasser deshalb 27 mal höher belastet als in anderen Mittelmeerregionen.
Im Bereich des Artenschutz versuchte die mächtige Lobby der
Jäger und Fallensteller auf Malta Sonderregelungen im Bereich
des Vogelfangs zu erwirken, allerdings wird auch hier eine Anpassung
an die Artenschutz und speziell die Vogelschutzrichtlinien der EU
erfolgen müssen.
|
 |
|
 |
 |
 |
V. Arbeit, Bildung und Soziales
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
Bereits heute leidet Malta unter einem Platzproblem: nach Monaco
und Singapur ist es das am dichtesten besiedelte Land der Welt.
Kein Wunder also, dass man auf Malta den ungeregelten Zustrom von
Arbeitsmigranten aus dem übrigen Europa fürchtet und bei
den Beitrittsverhandlungen siebenjährige Übergangsfristen
forderte. Von allen Beitrittskandidaten hatte Malta 2002 das zweithöchste
Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. Obwohl das natürliche
Bevölkerungswachstum nur 0,8% betrug, sorgte Immigration für
einen Anstieg der Bevölkerung um 4,2%. Obwohl die Arbeitslosenquote
mit 5,2% im EU Mittelfeld liegt, befürchten viele Malteser
aufgrund der demografischen Entwicklung einen sprunghaften Anstieg
der Arbeitslosen.
Die Universität Maltas kann auf eine lange und traditionsreiche
Geschichte zurückblicken. Die Studentenzahlen sind in den letzten
Jahren stark gestiegen. Derzeit sind rund 9.000 Studenten eingeschrieben.
Besonders aktiv ist Maltas Universität in dem Bereich des internationalen
Austauschs. Studenten aus über 80 Nationen sind hier eingeschrieben.
Dies ist eine für die vergleichsweise kleine Universität
beeindruckende Zahl. Ein Grund dafür ist mit Sicherheit Maltas
internationale Bekanntheit für seine hervorragenden Sprachschulen,
so dass jährlich ein hoher Anteil ausländischer Jugendlicher
nach Malta strömt und sich später für einen längeren
Aufenthalt entscheidet.
Der große gesellschaftspolitische Einfluss der katholischen
Kirche zeigt sich auf Malta am extremsten durch ein Verbot von Ehescheidungen
und strenge Abtreibungsgesetze. Nur wenige Staaten verfügen
weltweit über ein Scheidungsverbot. Obwohl Malta in den siebziger
Jahren die zivile Ehe eingeführt hat, sind keine Scheidungen
zugelassen. Möchte man sich scheiden lassen, so kann man lediglich
einen Antrag stellen in Zukunft getrennt zu leben. In der jüngeren
Generation gibt es deshalb eine steigende Zahl junger Paare, die
ohne Trauschein zusammenleben.
|
 |
|
|