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Einwohner
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16,04 Mio. (EU15: 371 Mio.)
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Fläche
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41.525 qkm (EU15: 3,2 Mio. qkm)
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Einwohner / qkm
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386
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Hauptstadt
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Amsterdam (731.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Niederländisch, Friesisch (regional)
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Religion
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Katholiken (36 %), Protestanten (26%)
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Urbanisierung
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90 %
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Arbeitslosigkeit
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2,8 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Monarchie
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Regierung
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30. 4. (Königinnentag)
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Regierung
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Königin Beatrix Wilhelmina Armgard
Jan Peter Balkenende (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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Gründungsmitglied
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I. Werte, Identität und Kultur
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Nachdem
die Niederlande im 16. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit von
Spanien erkämpft hatten, stieg das kleine Land zwischen den
Weltmächten selber zu einer Seefahrer- und Handelsmacht auf.
Die ehemals durch Portugal dominierten Gebiete entlang des Seewegs
nach Osten, fielen nach der Übernahme des portugiesischen Königshauses
durch Spanien den Niederländern zu. Das niederländische
Hoheitsgebiet des 17. Jahrhunderts reichte von Neu-Amsterdam (New
York) bis Niederländisch- Indien (Sumatra, Ceylon, Indonesien).
Die Niederländischen Antillen und Aruba im Atlantischen Ozean
gehören heute noch als autonome Gebiete zum Königreich
der Niederlande.
Dank der Kolonialisierung und weit verzweigter Handelsbeziehungen
erfuhr die niederländische Sprache weltweite Ausbreitung. So
wie die Niederländer ihre Kultur in jenen Tagen in der Welt
verbreiteten, ist seither das Niederländische Einflüssen
zahlreicher Immigranten ausgesetzt. Heute leben etwa 170 Ethnien
auf niederländischem Staatsgebiet und prägen die Kultur.
Überhaupt ist die liberale Aufgeschlossenheit, Weltoffenheit
und Neugier Anderem gegenüber eine niederländische Eigenschaft,
die sich in vielen Bereichen der Politik widerspiegelt. In Europa
sind die Niederlande vor allem durch ihre liberale Haltung zu einigen
umstrittenen Themen bekannt:
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Die niederländische Drogenpolitik unterscheidet zwischen
harten und weichen Drogen. Der Verkauf und Konsum von weichen
Drogen wie Cannabis ist legal und sogar in so genannten Coffee-
Shops erlaubt.
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Bekannt ist auch die fortschrittliche Politik Homosexuellen
gegenüber. Seit 2000 dürfen gleichgeschlechtliche
Paare in den Niederlanden heiraten.
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Unter bestimmten Umständen ist in den Niederlanden die
aktive Sterbehilfe erlaubt.
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2002 hat das niederländische Parlament ein Gesetz zur
Embryonenforschung beschlossen, welches die Forschung an überzähligen
Embryonen erlaubt, jedoch das therapeutische Klonen verbietet.
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Im Strafvollzug haben die Niederlande EU weit die höchste
Quote von Straffälligen, die ihre Strafe unter elektronischem
Hausarrest verbüßen.
Ein weiterer Grund für die liberale Haltung der Niederländer
mag auch der geringe gesellschaftspolitische Einfluss der Kirche
sein. 57% (!) der Niederländer gehören keiner Religionsgemeinschaft
an. Damit sind sie eines der am stärksten säkularisierten
Länder der Welt. Einen weiteren Beitrag zu dem Ruf der Niederländer
besonders tolerant und freizügig zu sein, leistet die ausgeprägte
und vielfältige Jugendkultur. Immerhin sind fast 25% der Bevölkerung
unter 19 Jahren. Überhaupt haben die Niederländer die
calvinistischen Tugenden ihrer Gründerväter wie Genügsamkeit
und Sparsamkeit längst über Bord geworfen. Die Niederländer
gehen gerne und häufig zum Essen das niederländische
Fernsehen hat europaweit die meisten Kochsendungen im Programm
und sind überaus feierfreudig und gesellig.
Besonders Fußballspiele, jedem dürften die orangegekleideten
Oranje Fans schon einmal aufgefallen sein, und die zahlreichen
Jahr-, Flohmärkte, Festivals und Volksfeste sind ein beliebter
Anlass um sich mit Freunden zu treffen.
Auch wenn die Niederlande in früheren Tagen ihr Glück
in der Ferne gesucht haben, so sind die Bewohner des EU- Gründungsmitglieds
Niederlande heute begeisterte Europäer. Laut Umfrage bezeichnen
73% der Niederländer ihre EU- Mitgliedschaft als eine gute
Sache (EU- Schnitt: 54%). Bedingt durch die einstige Machtposition
in der Welt sind die Niederländer heute nicht gewillt, als
kleines Land zu gelten. Im Rahmen der Europäischen Union versucht
Den Haag mit der Selbstbezeichnung "größer als eine
Serviette, aber noch kein Tischtuch" die übrigen Mitgliedstaaten
auf die Sonderposition der Niederlande hinzuweisen.
Für die Niederländer ist es wichtig ihre eigene politische
Identität, besonders in Abgrenzung zu ihren "großen"
Nachbarn, zu wahren. 1998 riefen niederländische Zeitungen
landesweit zu einem Wettbewerb auf, um einen neuen Text für
die erste Strophe der Nationalhymne zu finden, nachdem eine Umfrage
offenbart hatte, dass nur jedem Siebten der Text bekannt sei. Den
Grund führte man darauf zurück, dass in der ersten Strophe
eine Treueschwur auf den Vater der Nation "Wilhelm von Oranien
Nassau", dem "König von Hispanien" von "teutschem
Blut" geleistet wird.
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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Das Staatsoberhaupt der konstitutionellen Monarchie der Niederlande
ist seit 1980 Königin Beatrix. Zusammen mit dem Ministerrat
unter der Führung des Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende
bildet sie die Regierung und verfügt über gewisse exekutive
und legislative Befugnisse. Obwohl die Repräsentationspflichten
der Königin den Steuerzahler jährlich rund 3,5 Millionen
EUR kosten, erfreut sich die gesamte Königsfamilie Oranien
Nassau außerordentlich großer Beliebtheit. Die
Hochzeit des Thronfolgers Willem Alexander mit der Argentinierin
Maxima Zorregieta bescherte den niederländischen Fernsehanstalten
die höchsten Einschaltquoten seit Aufnahme des Sendebetriebs.
Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Europäischen
Gemeinschaften. Obwohl die Niederländer seit einigen Jahren
ihre europapolitischen Vorgehensweisen mit den beiden anderen "kleinen"
Gründungsmitgliedern der EG, Belgien und Luxemburg, im
Rahmen des Benelux-Rates abstimmen, herrscht nicht immer Einigkeit
zwischen den Nachbarn. Sehr zum Unmut der Belgier plädieren
die Niederlande bereits seit einiger Zeit dafür, dass ihre
Stimme stärker gewichtet werden müsse als die Belgiens,
da sie mehr Einwohner haben. Sie wollen nicht länger zu den
"Kleinen" gehören, sondern fordern die Anerkennung
ihrer Sonderposition. Immerhin setzt sich der Einfluss der Niederlande
auch noch jenseits des Europäischen Kontinents fort: die im
Atlantischen Ozean gelegenen Niederländischen Antillen und
Aruba sind autonome Gebiete des Königreichs der Niederlande,
die allerdings nicht zur EU gehören und damit auch nicht zur
Währungsunion. Staatsoberhaupt Königin Beatrix lässt
sich dort von zwei Gouverneuren vertreten. Nach wie vor ist Den
Haag allerdings für die Außen- und Verteidigungspolitik
der Überseegebiete zuständig.

In der Frage der EU- Erweiterung nehmen die Niederlande ungefähr
die Position der anderen Benelux- Staaten ein. Da sie weder eine
unmittelbare Grenze, noch ein stark ausgeprägter wirtschaftlicher
Austausch mit den Beitrittsländern verbindet, begegnen sie
dem Ereignis weniger emotional als andere Nationen, obwohl sie zu
den Netto- Zahlern in der EU gehören.
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III. Europas Rolle in der Welt
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Auch wenn man sich in den Niederlanden nicht so sehr vor der Einwanderung
von Arbeitskräften aus dem Osten fürchtet- ein Zuwanderungsproblem
hat man dort trotzdem. Die Niederlande stehen in dem Ruf, eine großherzige
Aufnahmepolitik zu betreiben. Zusätzlich war das Land einer
großen Immigration aus ehemaligen Kolonien und den Überseegebieten
ausgesetzt. Mittlerweile leben ca. 170 unterschiedliche Ethnien
im Land, und man rechnet damit, dass um das Jahr 2020 herum die
Mehrheit in den großen Städten "nicht niederländisch"
sein wird. Mangelnde Integration hat zu Problemen geführt,
die das Erstarken nationalistischer Parteien wie die des ermordeten
Pim Fortuyn erklären dürften. Nun hofft man in den Niederlanden
auf eine gemeinsame Lösung auf EU- Ebene. Verteilung von Zuwanderern,
Druck auf deren Herkunftsländer und Maßnahmen gegen Menschenschleuser
sind dabei die Erwartungen an ein europäisches Vorgehen.
Ist man in den Niederlanden auch grundsätzlich an einer stärkeren
Zusammenarbeit im Bereich Justiz und Inneres interessiert, so gibt
es doch einige Ausnahmen. Prinzipiell vertrat man eine positive
Haltung einem europäischen Haftbefehl gegenüber. Allerdings
nimmt das liberale Strafrecht der Niederländer in den Bereichen
Drogenpolitik, Sterbehilfe und Abtreibung eine andere Position ein,
als in den meisten anderen EU - Länder. Deshalb bestanden die
niederländischen Vermittler darauf, dass ein Staat keinen Verdächtigen
ausliefern müsse, wenn das Vergehen ganz auf dessen Hoheitsgebiet
stattgefunden hat.
Die Niederlande nehmen nicht nur Einwanderer auf, sie sind auch
im Bereich Entwicklungshilfe der sechstgrößte Geber weltweit
(!). Ein großer Teil der Zahlungen geht an die eigenen Überseegebiete.
Die niederländische Sicherheits- und Verteidigungspolitik
ist auf die NATO gestützt. In der "Irak- Krise" standen
die Niederlande hinter der US- Politik, jedoch erfolgte keine militärische
Unterstützung. Erst nach Ende der Kriegshandlungen sandten
die Niederlande Truppen für eine erste Internationale Stabilisierungsstreitmacht
in den Irak. Eine Stärkung der Europäischen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik zu Lasten der NATO käme für sie
nicht in Betracht.
Den
Haag ist das Zentrum der Internationalen Gerichtsbarkeit. Hier befinden
sich der Ständige Schiedshof, der Internationale Gerichtshof,
das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien,
wo derzeit der Prozess gegen den ehemaligen serbischen Diktator
Milosevic stattfindet, und der Internationale Strafgerichtshof.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Mit einem pro Kopf Einkommen von 27.750 EUR gehören die Niederlande
zu einem der reichsten Länder in der EU. Die Niederlande sind
eine Dienstleistungsgesellschaft mit den tragenden Säulen Transport
(Logistik) und Finanzdienstleistungen. Beide sind eine Ausdruck
der Rolle der Niederlande als "gateway to Europe" (Tiefseehafen
Rotterdam, Flughafen Schiphol). Der tertiäre Sektor trägt
auch zu etwa einem Drittel zum niederländischen Bruttosozialprodukt
bei.
Die Agrarwirtschaft ist ein traditionell starker, international
ausgerichteter Wirtschaftszweig. Die Niederlande sind der drittgrößte
Exporteur von Agrarerzeugnissen weltweit. 75% der Agrarprodukte
werden exportiert. Rund 70% der Gesamtfläche der Niederlande
wird dafür landwirtschaftlich genutzt. Mit einer Zahl von 140
Millionen leben rund 10 mal mehr Hühner in den Niederlanden
als Menschen, wobei diese jährlich 9 Milliarden Eier legen.
Jede dritte Salatgurke auf west und mitteleuropäischen Tellern
kommt aus den Niederlanden, wo diese in Unterglaskulturen auf einer
Rekordfläche von 70.000 ha angebaut werden. Mit einem Weltmarktanteil
von 92% (!) sind die Niederlande unangefochtener Spitzenreiter in
der Blumenzwiebelproduktion. Die intensive Tierhaltung und Bodenbewirtschaftung
hat jedoch zu massiven Problemen geführt, die auch international
Kritik hervorgerufen hat. Die Massentierhaltung hat in den letzten
Jahren zu vermehrten Ausbrüchen von Tierseuchen geführt.
Neben Großbritannien waren die Niederlande am stärksten
von der BSE Seuche betroffen. Zuletzt waren die niederländischen
Masttierbetriebe wegen dem Ausbruch der Maul und Klauenseuche sowie
der Vogelgrippe in die Schlagzeilen geraten. Bisher führte
dies jedoch zu keinen nennenswerten strukturellen Veränderungen
in der niederländischen Landwirtschaft. Ein weiteres Problem
ist der überdurchschnittlich hohe Einsatz von Düngemitteln
und Pestiziden. Dieser liegt 35% höher als in den EU
Nachbarländern. 125 kg werden hier pro Hektar (!) ausgefahren.
Dies führt mittlerweile zu einer starken Belastung des Grundwassers,
vor allem mit Nitraten. Auch mit diesem Belastungsparameter liegen
die Niederlande im EU Vergleich ganz vorne.
Die Niederlande verfügen über reiche natürliche
Ressourcen. 34% aller europäischen Erdgasvorkommen, sowie geringe
Mengen Erdöl befinden sich auf niederländischem Staatsgebiet.
Zur Erfüllung der Vorgaben des Kyoto- Protokolls muss die Nutzung
erneuerbarer Energien ausgebaut werden. Vor allem Windenergie trägt
in den Niederlanden zur Energiegewinnung bei. Bis 2020 sollen 10%
des Energiebedarfs aus alternativen Energien gewonnen werden. 1996
wurde zwar der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen, der jedoch
bis jetzt noch nicht erfolgt ist. Dennoch hat das Nachhaltigkeitsranking
von 2002 den Niederlanden unter 142 getesteten Nationen den 34.
Platz bescheinigt, Platz 11 im gesamteuropäischen Vergleich.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Nach Jahren eines überproportionalen Wirtschaftswachstums
(2000:plus 4,4%) spüren auch die Niederlande jetzt überdeutlich
die ausgeprägt schwache Weltkonjunktur: eine stagnierende Wirtschaft
(2002:plus 0,2%) bei gleichbleibender Inflation, haben nach Jahren
praktischer Vollbeschäftigung zu einer rasch zunehmenden Arbeitslosigkeit
geführt. Das grundlegende veränderte konjunkturelle Umfeld
stellt die wirtschafts-, finanz- und gesellschaftspolitischen Erfolge
des "Poldermodells", das lange Zeit als Vorbild einer
modernen Beschäftigungspolitik galt, zunehmend in Frage.
Nach einer Reihe von Reformen in den vergangenen Jahren bemüht
sich die Regierung um eine Stabilisierung der Sozialsysteme. Wie
auch in anderen europäischen Staaten ist die Grenze der Belastbarkeit
des niederländischen Sozialstaates so gut wie erreicht. Obwohl
die Niederlande mit ihrer Geburtenrate hinter Frankreich und Irland
an dritter Stelle europaweit liegen, demografisch gesehen also eines
der jüngsten Länder in Europa sind, und es an späteren
Beitragszahlern nicht fehlen wird, sind die Sozialsysteme bei nachlassender
Wirtschaftsleistung und steigendem Haushaltsdefizit an den Rand
ihrer Finanzierbarkeit gestoßen. Das größte Problem
dabei ist die hohe Zahl dauernd Arbeitsunfähiger, die bereits
in den frühen 90er Jahren zu einer erheblichen Steigerung der
Sozialausgaben geführt hatte. Seither pendeln die Zahlen auf
einem sehr hohen Stand, bei etwa einer Million. Das entspricht einem
Anteil von mehr als 13% der Erwerbsbevölkerung und ist damit
europäischer Spitzenwert.
Der Bildungsetat ist der größte Einzelposten im niederländischen
Gesamthaushalt. PISA hat die Niederlande zwar nicht mit erfasst,
aber allgemein wird dem Land ein vorbildliches Bildungssystem attestiert
(3. Platz bei der IGLU- Grundschulstudie). Bestimmendes Merkmal
ist die grundgesetzlich verankerte Bildungsfreiheit. Eltern haben
das Recht, aufgrund pädagogischer oder weltanschaulicher Überzeugung
Schulen einzurichten. Die Stellung von Privatschulen ist deshalb
besonders stark. Im Grundschulbereich liegt sie bei 65%, im Sekundarbereich
bei 40%.
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