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Republik Polen
Rzeczpospolita Polska
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Einwohner
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38,65 Mio
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Fläche
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312 685 qkm
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Einwohner / qkm
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124
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Hauptstadt
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Warschau (Warszawa, 1 628 500 Einw.)
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Amtssprachen
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Polnisch
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Religion
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Katholisch (95,7 %)
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Urbanisierung
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68 %
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Arbeitslosigkeit
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18,1 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Demokratie
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Regierungschef
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Staatspräsident Alexander Kwasniewski
Ministerpräsident Leszek Miller
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Regierungsparteien
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SLD-UP mit PSL
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Beitritt zur EG/EU
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1. Mai 2004
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I. Werte, Identität und Kultur
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Ein
polnisches Sprichwort lautet: "Gosc w dom, bóg w dom"
ist ein Gast im Haus, ist Gott im Haus. Und es schadet in
Polen nicht, wenn der Gast ein trinkfester ist. Tradition und Kultur(en)
haben in dem Land, dass auf eine mehr als 1000 Jahre alte und wechselhafte
Geschichte zurückblicken kann, einen hohen Stellenwert. So
ist es kein Zufall, dass Ethno-Pop in Polen immer wieder in die
TopTen kommt, wie z.B. die goralische Gruppe "Golec u Orkiestra",
die vor zwei Jahren über Wochen auf Platz 1 der Verkaufslisten
war. Die Goralen sind eine der kleinen ethnischen Minderheiten,
die in Polen leben. Der vergleichsweise hohe Anteil an nationalen
Minderheiten ist auch eine Folge der häufigen Grenzrevisionen,
die im Zuge der "Gleichgewichtspolitk" der europäischen
Großmächte über die Jahrhunderte zustande kamen.
Heute leben etwa 300.000-500.000 Deutsche, 300.000 Ukrainer, 200.000
Weißrussen, und kleinere Gruppen von Slowaken, Armeniern,
und Tschechen in Polen.
Im Jahr 966 hatte der Piasten-Herzog Mieszko, der erste geschichtliche
Herrscher Polens, den christlichen Glauben angenommen. Seit dieser
Zeit verbindet Polen und die Römisch-Katholische Kirche ein
enges Band. Das polnische Königreich, war wie alle europäischen
Großmächte im ausgehenden Mittelalter in zahlreiche Kriege
in Europa verwickelt, wie zum Beispiel am 15. Juli 1410, als Polen
und Litauer bei Tannenberg gegen den Deutschen Ritterorden siegten.
Im 15. und 16. Jahrhundert erlebte Polen seine Blütezeit, war
eine der großen Handelsmächten in Europa und einige polnische
Städte gehörten zu den Zentren europäischer Kunst
und Kultur.
Die zentrale Lage Polens machte es immer wieder zum Ziel von Begehrlichkeiten
der angrenzenden Reiche. Ende des 18. Jahrhunderts mussten die Polen
dreimal zusehen, wie ihr Land zwischen den europäischen Großmächten
Preußen, den Habsburgern und Russland aufgeteilt wurde. Eine
kurze Phase der Selbstständigkeit nutzten die Polen, um sich
als erstes Land in Europa eine schriftliche Verfassung zu geben.
Noch heute ist der 3. Oktober, der Tag an dem diese Verfassung im
Jahr 1791 verabschiedet worden ist, ein Nationalfeiertag in Polen.
Das 19. Jahrhundert über war Polen der "Spielball"
der sogenannten Mittelmächte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg
erhielten die Polen am 11. November 1918 ihre Unabhängigkeit
zurück. Doch nur für kurze Zeit. Im Zweiten Weltkrieg
teilten Deutschland und Russland erneut das Land zwischen sich auf.
Millionen von Polen haben dabei ihr Leben verloren. Nach dem Zweiten
Weltkrieg geriet Polen unter die Direktive von Moskau. Und es dauerte
bis zur Wende von 1989, bis Polen wieder ein souveräner Staat
werden konnte.
Bis
in die heutige Zeit verfügt diekatholische Kirche in Polen
über einenvergleichsweise hohen Stellenwert in Politik und
Gesellschaft wenn man es z.B. mit Frankreich vergleicht.
Die Verfolgung in der Stalin-Ära konnte das Festhalten der
Polen an ihrem Glauben nicht verhindern. Auch heute sind 95 Prozent
der Polen Katholiken. Und es ist durchaus als symbolisch zu verstehen,
dass 1978 der Krakauer Kardinalerzbischoff Karol Wojtyla zum Papst
Johannes Paul II. gewählt wurde. Der katholischen Verwurzelung
Polens entspricht auch, dass nach fast 40 Jahren liberaler Regelung
von Schwangerschafts-abbrüchen seit 1993 ein restriktives Abtreibungsgesetz
in Kraft getreten ist, welches Abtreibungen nur aus medizinischen
Gründen, nach Vergewaltigungen und bei Missbildungen des Kindes
erlaubt.
Der Entwurf für einen EU-Verfassungsvertrag, der vom EU-Konvent
zur Zukunft Europas im Juli 2003 vorgelegt worden ist, sollte nach
Willen der polnischen Regierung um einen Gottesbezug in der Präambel
des neuen Vertragswerks ergänzt werden. Eine Position, die
übrigens auch vom spanischen Ministerpräsidenten Aznar
befürwortet wird. Die polnische Regierung hat aber auch bereits
erklärt, dass sie ihre Zustimmung zum neuen EU-Verfassungsvertrag
nicht von dieser Frage abhängig machen werde eine Meinung,
die wohl auch die meisten Polen teilen. Denn die Mehrheit der Polen
sind heute ebenso wenig strengpraktizierende Christen, wie es die
Mehrheit der Italiener sind. Aber das Wort der Kirche hat hier immer
noch ein größeres Gewicht, als in anderen Ländern
Europas.
Polen wird der EU zum ersten Mai 2004 beitreten. In dem Referendum
vom 7.-8. Juni 2004 haben die Polen mit 77,5% für den zuvor
von ihrer Regierung ausgehandelten EU-Beitrittsvertrag gestimmt.
Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 58,8%. Viele Menschen
in Polen sind verunsichert über die Veränderungen, die
sie in den letzten Jahren bewältigen mussten. Und sie sind
sich noch weniger sicher, was die nächsten Jahre nach
dem EU-Beitritt kommen wird. So konnte bei den letzten Parlamentswahlen
die Partei Samoobrona (Selbstverteidigung) zusätzliche Wählerstimmen
gewinnen.
Hauptanliegen und -versprechen des Parteivorsitzenden Lepper ist
die Bewahrung der etwa 2 Mio. polnischen Bauernhöfe vor dem
Untergang in der EU. Ebenfalls zugelegen konnte die national-klerikale
Partei "Liga der polnischen Familien". Diese warnt im
Falle des EU- Beitritts Polens vor zu einer Liberalisierung nach
westlichem Vorbild wie etwa der Legalisierung von Abtreibung, Aufwertung
der Homosexualität und rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen
Lebenspartner-schaften. Beide Parteien können bislang jedoch
nur eine Minderheit der Polen hinter sich vereinigen.
Ein Teil der polnischen Bevölkerung befürchtet persönliche
Härten durch die "Europäisierung ihrer Wirtschaft",
andere dass ihr Land ein Mitglied zweiter Klasse sein wird, das
politisch durch die großen EU-Länder und "Brüssel"
dominiert wird. Die Situation ist damit durch gegenläufige
Trends gekennzeichnet. Auf der einen Seite sieht sich ein Teil der
Polen als Verlierer der Demokratisierung Polens und der strukturellen
Veränderungen im Zuge des EU-Beitritts - eine Umfrage hat ergeben,
dass 25% der Polen sogar die Wiederabschaffung der Demokratie und
eine "starke Hand", die im nationalen Interesse Polens
handelt, befürworten würden. Auf der anderen Seite sieht
die große Mehrheit in Polen in dem Beitritt zur EU die bessere
Zukunft - sowohl für die persönliche Lebensperspektive,
wie für das Land als Ganzes. Laut einer kürzlichen Umfrage
von Eurobarometer sind 82% der befragten Polen stolz darauf, Europäer
zu sein 20% mehr als im EU- Durchschnitt.
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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Die
politische Wende in Polen lässt sich bereits auf das Jahr 1980
zurückdatieren, als gegen den Willen von Warschau die erste
unabhängige Gewerkschaft, die "Solidarnosc", auf
der Danziger Lenin-Werft gegründet wurde. Deren charismatischer
Führer Lech Walesa hätte es sich wohl nicht träumen
lassen, dass er ein Jahrzehnt später Präsident von Polen
sein würde. Allerdings vergingen bis dahin noch zehn Jahre
teilweise unter Kriegsrecht in denen die Warschauer
Parteiführung versuchte, diese Entwicklung rückgängig
zu machen. Und einen Teil dieser Zeit verbrachte Walesa erst einmal
im Gefängnis. Im Frühjahr 1989 gestand die KP schließlich
den polnischen Oppositionskräften eine Mitwirkung am politischen
Leben zu als erstes Land beendete Polen die Alleinherrschaft
der Kommunisten. Noch im selben Jahr wurde in Polen die "Dritte
Republik", eine parlamentarische Demokratie mit einem starken
Präsidenten als Staatsoberhaupt, ausgerufen. Nach französischem
Vorbild hat der Staatspräsident nicht nur repräsentative
Funktionen, sondern verfügt zusätzlich über exekutive
Kompetenzen. Auf diese Weise stellt der Präsident ein Gegengewicht
zum Zwei- Kammer-Parlament Polens dar. Der amtierende Staatspräsident
ist Aleksander Kwasniewski, Ministerpräsident ist Leszek Miller.
Obwohl in Polen seit 1989 neun verschiedene Regierungen gewählt
wurden und die neue polnische Verfassung erst 1997 in Kraft treten
konnte, gilt das politische System als stabil.
Nach der Wende suchte Polen den Anschluss an die (sicherheits-)politische
und wirtschaftliche Gemeinschaft der westeuropäischen Staaten.
1994 stellte Polen einen Antrag auf Aufnahme in die EU. Es zeigte
sich jedoch schnell, dass es noch ein anstrengender Weg bis zur
Erfüllung der vom Europäischen Rat 1993 in Kopenhagen
festgelegten Beitrittskriterien ist. Von 1998 an führte die
EU mit Polen Beitrittsverhandlungen, die im Dezember 2003 auf dem
Europäischen Rat erneut in Kopenhagen in einem letzten Verhandlungsmarathon
der EU-Staats- und Regierungschefs abgeschlossen werden konnten.
Nach dem erfolgreichen Referendum wird Polen am 1. Mai 2004 beitreten.
Insbesondere die Höhe der Agrarsubventionen für die polnischen
Bauern waren bis zuletzt strittig. Drei Gefühle bestimmten
die Debatte dieser Jahre in den Medien: Polen wird noch für
lange Zeit Mitglied zweiter Klasse sein siehe lange Übergangsfristen
für die Freizügigkeit polnischer Arbeitnehmer, geringere
Agrarzahlungen für die polnische Landwirtschaft und die enormen
Anforderungen der EU-Rechtsnormen, die es inzwischen in nahezu jedem
Politikbereich gibt und die von Polen weitgehend 1:1 übernommen
werden mussten. Es machte manchmal das Wort die Runde "Früher
unter Moskau, heute unter Brüssel".
Die Bevölkerung Polens ist größer als die der anderen
neun Länder zusammen, die ebenfalls am 1. Mai 2004 der EU beitreten
werden. Dementsprechend beansprucht Polen für sich eine Rolle
eines großen EU-Mitgliedstaats. Obwohl auch polnische Vertreter
an der Ausarbeitung des Entwurfs für einen neuen EU-Verfassungsvertrag
im EU-Konvent beteiligt waren, ist die polnische Regierung mit dem
Ergebnis nicht ganz zufrieden und hat bereits bei der Präsentation
des Textes angekündigt, dass die im Oktober 2003 beginnende
EU-Regierungskonferenz hier noch Änderungen vornehmen müsse.
Die vorgesehene Regelung von Mehrheitsbeschlüssen im Rat würde
die gegenwärtig noch überproportionale Stimmgewichtung
von Polen (und auch Spanien) deutlich abwerten. Die Bestimmungen
zur Weiterentwicklung der sicherheits- und verteidigungspolitischen
Dimension der EU werden ebenfalls kritisch gesehen.
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III. Europas Rolle in der Welt
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Mit dem NATO-Beitritt wurde 1999 ein zentrales außen- und
sicherheitspolitisches Ziel der polnischen Außenpolitik erreicht.
Polen sieht sich als ein fester und treuer Verbündeter der
USA, ist aber auch an einer umfassenden Einbindung in die Europäische
Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) interessiert. Das Beharren
der Polen auf einer Einbindung der USA in die Sicherheitsstruktur
in Europa gründet nicht zuletzt auf den Erfahrungen nach dem
Ersten und Zweiten Weltkrieg. Beide Male waren es die Amerikaner,
die sich zumindest ein Stück weit für sie einsetzten (man
darf auch nicht vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil der
US-Bevölkerung polnischer Abstammung ist). Aus polnischer Sicht
war der US-amerikanische Schutzmantel über die letzten fünf
Jahrzehnte der wesentliche Faktor dafür, dass sich die westeuropäischen
Staaten so frei entwickeln konnten.
Die zweite große Zielsetzung und Herausforderung der polnischen
Außenpolitik ist der Beitritt zur EU. Mit dem EU-Beitritt
Polens am 1. Mai 2004 ist dieser Prozess jedoch noch nicht abgeschlossen.
Es geht darum, die Rolle des größten Beitrittslandes
Polens in der europäischen Arena zu definieren und auszuloten.
Als Mitglied der Europäischen Union wird sich Polen verstärkt
für den Ausbau politischer und wirtschaftlicher Kontakte zu
den östlichen Nachbarn der EU einsetzen. In der Irakkrise wurde
deutlich, dass Polen auch künftig eine eigene Außenpolitik
ggf. auch gegen die Positionen Deutschlands und Frankreichs
vertreten wird. Neben dem politischen Kalkül waren es
sicherlich auch wirtschaftliche Überlegungen, die die Position
Polens hierbei bestimmt haben die Aussicht beim Wiederaufbau
des Iraks mit von der Partie zu sein und eine engere Kooperation
mit den USA bei Rüstungsgütern. Dass Polen seine Militärflugzeuge
bei den USA bestellt hat und den Krieg gegen den Irak unterstützte,
hat zu einigem Zwist innerhalb Europas beigetragen. Umgekehrt hat
es die Polen gekränkt, als sie vom französischen Präsidenten
Jaques Chirac, aufgrund ihrer Position als "schlecht erzogen"
abgekanzelt wurden. Das alles wird jedoch wohl nichts wohl daran
ändern, dass die Zusammenarbeit im "Weimarer Dreieck"
zwischen Deutschland, Frankreich und Polen von der polnischen Regierung
auch künftig als ein zentrales Element ihrer Außenpolitik
betrachtet wird.
Die Beziehungen zu Russland bleiben weiterhin komplex. Sie haben
sich seit Mitte des Jahres 2000 nach einem sichtbaren Tief deutlich
verbessert. In Bezug auf unstabile Lage in Weißrussland sieht
es die polnische Regierung als ihre Aufgabe an, die demokratischen
Kräfte des östlichen Nachbarn zu stärken. Auch die
Beziehungen zu den Nachbarländern Litauen und Ukraine haben
für Polen herausgehobenen Charakter. Die polnische Regierung
hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Verhältnis mit der Ukraine
dass immer wieder durch gegenseitige historische Ansprüche
und Konflikte um Minderheitenfragen getrübt wird durch
eine Versöhnungserklärung auf eine neue Grundlage zu stellen.
Polen hat eine langjährige Tradition in Friedensmissionen,
sowohl für die UN als auch im Balkan unter NATO Führung.
Jedoch sind damit die (finanziellen) Möglichkeiten Polens auch
schon stark strapaziert. Nachdem die polnische Regierung zunächst
in dem Ausbau europäischer Sicherheits- und Verteidigungsstrukturen
eine potenzielle Bedrohung für das atlantische Bündnis
gesehen hatte und sich zurückhaltend zeigte, setzt sie sich
zunehmend für eine parallele Stärkung von NATO und ESVP
ein. Eine Abkoppelung von den USA hält man in Polen aber nach
wie vor für gefährlich, da dadurch die russische Position
in Europa gestärkt werden könnte. Die Wirkung von weicher
Sicherheit, wie die EU sie bislang verkörpert, wird von polnischen
Politikern als gut und wünschenswert, jedoch nicht als Ersatz
für die harten Sicherheitsgarantien der NATO gesehen.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Wie alle Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes musste das Land
in den 90er Jahren tiefgreifende Strukturreformen der Wirtschaft
und der Verwaltung anpacken. Und wie in anderen Ländern, ist
dieser Wandel von einer zentralistisch geführten Planwirtschaft
zu Demokratie und offenen Märkten mit sozialen Härten
und steigender Arbeitslosigkeit verbunden gewesen. Der Einbruch
der Beschäftigungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft
und der Verlust von wichtigen Handelspartnern im Osten haben zu
einer hohen Arbeitslosigkeit von durchschnittlich 18,1 Prozent im
Jahr 2002 beigetragen. Andererseits wies Polen in den 90er Jahren
hohe Zuwachsraten in der wirtschaftlichen Entwicklung auf.
Wichtigste Wirtschaftssektoren Polens sind die verarbeitende Industrie
(Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik,
chemische Industrie, Fahrzeugbau und Metallverarbeitung, Polen ist
bereit seit 1961 der zweitgrößte Produktionsstandort
des Möbelkonzerns IKEA). Telekommunikation und IT sowie Handel
und Finanzdienstleistungen. Wunsch der Polen ist es, an das "goldene
Zeitalter", der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen
Blüte Polens im 15./ 16. Jahrhundert anzuschließen, als
polnische Handelsstraßen ganz Europa miteinander verbanden.
Und es zeichnet sich bereits ab, dass Polen wieder zunehmend eine
Drehscheibenfunktion für den Handel zwischen Ost und West zukommt.
Wirtschaftszentrum des heutigen Polens ist die Region um Warschau,
wo die Mieten inzwischen höher als in Hamburg liegen. Das durchschnittliche
Pro-Kopf-Einkommen liegt in Polen jedoch bei 40 % des EU-Durchschnitts.
Die Arbeitslosigkeit ist hoch und viele Regionen können nur
überleben, weil ein Teil der Erwerbstätigen nach Deutschland
pendelt. Nach zehn Jahren großer Wachstumsraten konnte Polen
lediglich 2002 lediglich ein Wirtschaftswachstum von 1,3 % verzeichnen,
was maßgeblich wohl auf die allgemeine Flaute der Weltwirtschaft
zurückzuführen ist.
Ein
im europäischen Vergleich sehr hoher Anteil der Erwerbsbevölkerung
arbeitet in der Landwirtschaft. Im Gegensatz zu den Bewohnern anderer
Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes war es den Polen auch unter
dem kommunistischen Regime möglich gewesen, das Privateigentum
an landwirtschaftlicher Nutzfläche zu bewahren. Dies erklärt
die große Anzahl kleiner landwirtschaftlicher Betriebe. Jeder
vierte Pole arbeitet haupt- oder nebenberuflich in der Landwirtschaft
(Hauptbeschäftigte in der Landwirtschaft: 19,2%). Nur zögerliche
Reformen werden im Hinblick auf die Umstrukturierung vorgenommen
Polens Landwirte haben eine große Lobby. Der an der
Regierung beteiligten Bauernpartei PSL ist es wohl vor allem zu
verdanken, dass Polen gerade im Bereich Landwirtschaft auf europäischer
Ebene eigene Sonderregelungen durchgesetzt hat. So werden Polens
Bauern zum Beispiel nicht wie sonst üblich nach Ertrag bezahlt,
sondern nach Größe der Anbaufläche. Generell wird
kein Land von der EU- Mitgliedschaft derartig profitieren wie Polen.
Bis 2006 werden ca. 20 Mrd. Euro als Strukturhilfe dem Land zugute
kommen, rund 50% der gesamten EU- Transferzahlungen für die
Beitrittsländer.
Polen ist ein ressourcenreiches Land. Bereits in der Antike war
Polen für den Reichtum an Bernstein berühmt. Die polnischen
Vorkommen an Stein- und Braunkohle, so wie Zink, Kupfer und Baurohstoff
gehören zu den reichsten der Welt. Obwohl Polen als erstes
Land weltweit 1854 mit der Erdölförderung begonnen hatte
und auch heute noch Erdöl- und Gasvorkommen in der Ostsee erschlossen
werden, muss das Land einen Teil seines Energiebedarfs importieren.
Die Mehrheit der Stromerzeugung Polens wird noch immer mit polnischer
Kohle erwirtschaftet. Zusätzlich tragen erneuerbare Energien,
vor allem Biomasse, aber auch Thermalquellen bis zu 6% zur Energieversorgung
bei. Solarenergie, Wind- und Wasserkraft werden so gut wie gar nicht
genutzt. Man kann sicherlich sagen, dass der Umweltschutz gegenwärtig
nicht zu den drängendsten Anliegen polnischer Politik gehört.
Gleichwohl hat das Land enorme Anstrengungen vollzogen, um die EU-Umweltstandards
zu erfüllen.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Die
polnische Regierung hat in den letzten 14 Jahren umfassende Strukturreformen
auf den Weg gebracht. Dies umfasste unter anderem den Aufbau neuer
Verwaltungsstrukturen, die Reform des Bildungs-, Gesundheits- und
Sozialwesens sowie den Aufbau einer Arbeitsvermittlung. Denn gab
es im real existierenden Sozialismus Polens offiziell keine Arbeitslosigkeit,
so musste man nun an hohe Arbeitslosenzahlen gewöhnen. Gegenwärtig
liegt sie bei über 18 Prozent und ist damit die zweithöchste
in der EU der 25.
Die Verwaltungsreform wurde inzwischen erfolgreich umgesetzt und
hat den ehemals zentralistischen Staat in 16 Verwaltungseinheiten
(Wojewodschaften) untergliedert, denen insbesondere Kompetenzen
in der Gesundheitsfürsorge, sozialen Leistungen und dem Bildungssystem
zukommen. Die öffentliche Verwaltung ist inzwischen voll "EU-kompatibel".
Das Niveau der Sozialleistungen in Polen liegt entsprechend seiner
Wirtschaftskraft deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Bereits zum 1. Januar 1999 ist die Rentenreform in Kraft getreten,
die eine Altersversorgung in drei Säulen vorsieht: der Arbeitnehmer
zahlt einen obligatorischen Betrag jeweils in die reformierte gesetzliche
Rentenversicherung und in einen betrieblichen Pensionsfonds. Als
dritte Säule steht ein freiwilliger Betrag für eine private
Zusatzversicherung. Die finanzielle Situation vieler älterer
Menschen in Polen ist gleichwohl düster. Auf dem Land betreiben
viele ein wenig Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Die demographische
Entwicklung stellt sich in Polen ähnlich wie im übrigen
Europa dar die Gesellschaft altert. Die Geburtenrate Polens
liegt mit 1,4 Kindern pro Frau im europäischen Vergleich im
unteren Durchschnitt.
Auch der Gesundheitssektor Polens bedarf einer grundlegenden Reform,
die jedoch bislang noch nicht erfolgreich umgesetzt werden konnte.
Die Verschuldung der öffentlichen Krankenhäuser ist drastisch
angestiegen. In diesem Umfeld blüht die Korruption und Misswirtschaft,
und es gilt häufig, dass nur diejenigen, die es sich leisten
können, angemessen versorgt werden.
Die Bildungsreform ist zum Teil abgeschlossen (Einführung
des Zentralabiturs und von zwei obligatorischen Fremdsprachen für
jeden Schüler). Die Anhebung der sehr niedrigen Gehälter
der Lehrkräfte steht allerdings noch aus. Akademische Bildung
hat in Polen traditionell einen hohen Stellenwert. Eine der ältesten
Universitäten Europas, die Jagiellonen Universität in
Krakau, im Jahr 1364 gegründet. Gegenwärtig sind an den
polnischen Hochschulen - ca. 90 Universitäten und 150 private
Hochschulen - rund 1,3 Millionen Studenten eingeschrieben.
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