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Einwohner
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10,02 Mio. (EU15: 371 Mio.)
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Fläche
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92.345 qkm (EU15: 3,2 Mio. qkm)
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Einwohner / qkm
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109
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Hauptstadt
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Lissabon (Lisboa, 1.900.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Portugiesisch
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Religion
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Katholiken (93 %), Protestanten, Muslime, Juden
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Urbanisierung
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66 %
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Arbeitslosigkeit
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4,5 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Regierung
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10. 6. (Todestag des Nationaldichters Luiz de Camoes 1580)
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Regierung
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Jorge Fernando Branco de Sampajo (Staatsoberhaupt)
Jose Manuel Durao Barroso (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1986
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I. Werte, Identität und Kultur
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Das
Königreich Portugal bildete sich 1139 als westlicher Teil der
von den Mauren befreiten Gebiete auf der iberischen Halbinsel und
ist mit seiner 800 jährigen Geschichte der älteste europäische
Nationalstaat. Unter Heinrich dem Seefahrer unternahm Portugal erste
Entdeckungsfahrten nach Afrika, Madeira und den Azoren. Manuel I
führte die portugiesische Handelsmacht zur größten
Blüte. In die Zeit seiner Regentschaft fallen die Entdeckung
Brasiliens durch Cabral und die Entdeckung des Seewegs nach Indien
durch da Gama. Unter seinem Oberkommando vergrößerte
sich das Reich durch die Besetzung überseeischer Gebiete, so
dass Portugal schließlich den gesamten Handel im Indischen
Ozean kontrollierte. 1580 starb das portugiesische Königshaus
aus, und Portugal wurde für die folgenden 60 Jahre der spanischen
Krone unterstellt. Die portugiesischen Interessen wurden nicht richtig
vertreten, die wertvollsten Kolonien fielen an die Niederländer.
Zwar konnte sich Portugal nach seiner Unabhängigkeit im 19.
Jahrhundert noch einmal als große Seefahrernation beweisen
und beim Wettlauf um Kolonien in Afrika mit großem Erfolg
die bisherigen Besitztümer ausdehnen. Dennoch war der politische
Einfluss in Europa und der Welt zurückgegangen.
Nachdem die so genannte Nelkenrevolution (die Bevölkerung
steckte den Soldaten Nelken in die Gewehre) 1974 eine Diktatur friedlich
beendet hatte, löste sich Portugal aus seiner außenpolitischen
Isolation und trat schließlich 1986 der EG bei.
Noch heute scheint es die Portugiesen, wie ihren größten
Abenteurer und Seefahrer Magellan, in die Ferne zu ziehen. Jeder
fünfte Portugiese lebt im Ausland. In insgesamt 89 Ländern
leben rund 4 Millionen Portugiesen. Dass sie trotz ihres Weggangs
eng mit ihrem Mutterland verbunden bleiben, zeigt, dass weit über
80% der Ausgewanderten in portugiesischsprachigen Ländern leben.
Überhaupt identifizieren sich die meisten Portugiesen über
ihre Sprache. Trifft man einen Portugiesen im Ausland und fragt
woher er stammt, bekommt man oft die Antwort: "Ich spreche
Portugiesisch!". Und nahezu ungebremst ist die Freude, wenn
man auf dessen Gegenfrage "Fala portugues?" ("Sprechen
Sie portugiesisch?") mit einem flüssigen "claro!"
("Natürlich!") antworten kann. Die Portugiesen sehen
sich weniger als Bürger eines bestimmten Staates, sondern in
erster Linie als Angehörige einer Sprachgemeinschaft. Dabei
sind sie in guter Gesellschaft, denn rund 170 Millionen Menschen
auf der Welt sprechen Portugiesisch. Damit rangiert Portugiesisch
an 7. Stelle der Weltsprachen. So ist es denn auch der größte
Fauxpas Portugiesisch als Dialekt des Spanischen
abzutun oder auf eventuelle Parallelen zwischen den Sprachen hinzuweisen.
Ihre eigenständige Sprachkultur ist der größte Stolz
der Portugiesen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass vor allem
kulturelle Ereignisse das nationale Vertrauen in die EU steigern.
Besonders die Wahl von Porto zur Kulturhauptstadt Europas 2001 und
die Wahl des Landes für die Austragung der Fußball EM
2004 haben Portugals europäisches Selbstbewusstsein angehoben.
Auch auf politischer Ebene zeigt sich die starke Verwurzelung in
der portugiesischen Sprachgemeinschaft. So gründete Portugal
den Verbund der Länder portugiesischer Sprache in Afrika (PALOP
Staaten) und die Gemeinschaft der Staaten portugiesischer
Sprache (CPLP). Zu diesen Ländern unterhält Portugal umfangreiche
Beziehungen in wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bereichen.
Im
Gegensatz zu ihren temperamentvollen und eher extrovertierten spanischen
Nachbarn, entsprechen die Portugiesen so gar nicht dem Klischee
des feurigen Südländers. Sie sind ruhig, vorsichtig
zurückhaltend, überaus höflich und wahren immer eine
gewisse Distanz. Ihren melancholischen Charakterzug bezeichnen die
Portugiesen selbst als "saudade" eine Art Sehnsucht
nach Verlorenem und Unerreichten. Ihre Zurückhaltung vergessen
die Portugiesen jedoch sobald sie hinter dem Steuer ihres Autos
sitzen. Rote Ampeln, Hinweisschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen
sind für einen motorisierten Portugiesen gleichsam non
existent, da stören auch die vorsichtig artikulierten Angstzustände
eines unerfahrenen Beifahrers nicht. Doch das Rasen bleibt nicht
ohne Konsequenzen. Die Portugiesen führen mit Abstand die traurige
Statistik der Verkehrstoten in der EU an. Auf Portugals Strassen
sterben fünfmal mehr Menschen als in den anderen Ländern
der Gemeinschaft.
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II. Politische Strukturen - Europas Verfassung
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Derzeitiges Staatsoberhaupt der parlamentarischen Republik ist
der Staatspräsident Jorge Sampaio. Er wurde 2001 für eine
weitere fünfjährige Amtszeit wiedergewählt. Im Gegensatz
zum deutschen Bundespräsidenten verfügt er über mehr
als nur repräsentative Funktionen. Der portugiesische Staatspräsident
ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte, auch in Friedenszeiten,
und hat die Möglichkeit das Parlament aufzulösen. Das
Parlament hat eine Kammer mit 230 Abgeordneten. Durch den Rücktritt
des Regierungschefs im Dezember 2001 ausgelöste Neuwahlen führten
zu einem Regierungswechsel. An der Spitze der neuen Koalitionsregierung
steht seit 2002 Premierminister Durao Barroso.
Die Erweiterung der Europäischen Union wird in Portugal als
grundsätzliches Ziel europäischer Politik unterstützt.
Das Land hat am eigenen Leib verspüren können, wie eine
Mitgliedschaft bei der EG/ EU zur Stabilisierung der Demokratie
beitragen kann. Dennoch sind auch Ängste mit der Erweiterung
verbunden. Portugals derzeitiger EU- Wettbewerbsvorteil besteht
in einem vergleichsweise niedrigen Lohnniveau. Mit dem Beitritt
mehrere Niedriglohn- Länder besteht nun die Gefahr, dass arbeitsintensive
Produktion in den Osten abwandert. Des weiteren muss Portugal bei
der Finanzierung nach 2006 erhebliche Einbußen in Kauf nehmen,
da der durchschnittliche Wohlstand in der EU nach Beitritt relativ
armer Länder sinkt und derzeitige portugiesische Ziel-1-Regionen
(Regionen unter 75% des durchschnittlichen EU- BIP) nicht länger
unter dem Durchschnitt liegen.
Bereits
1977 hatte Portugal den Antrag auf Mitgliedschaft in der EG gestellt.
Allerdings sollte sich der Beitritt noch bis 1986 verzögern,
da der portugiesische Beitritt an den Spaniens gekoppelt war und
sich die Verhandlungen mit Spanien als kompliziert erwiesen. Aufgrund
des negativen Erlebnisses mit dem eigenen an Spaniens Fortschritte
gebundenen Beitritt, sprach sich Portugal im Rahmen der Verhandlungen
zur Osterweiterung für den flexiblen Beitritt aus, dafür,
dass Kandidaten an ihren eigenen Anstrengungen gemessen werden und
nicht unbedingt en bloc beitreten und somit vielleicht auf "Nachzügler"
warten müssen.
Als kleiner EU- Mitgliedstaat ist Portugal auf die Balance im Gleichgewicht
zwischen großen und kleinen Mitgliedstaaten bedacht und betonte
während der Konventsverhandlungen die Gleichheit aller Staaten.
Im Gegensatz zu anderen kleinen Staaten jedoch drängen die
Portugiesen nicht auf ein Mehr an Europa, eine Aufwertung der Europäischen
Organe Kommission und Parlament zu Lasten des nationalstaatlichen
Europäischen Rates. Portugal würde einen Erhalt des Status
quo begrüßen. Dennoch sind die Portugiesen integrationsfreundlich
und darauf bedacht, den Anschluss zu behalten. Einer Flexibilisierung,
einer intensiveren Zusammenarbeit in bestimmten Politikfeldern mit
eingeschränktem Teilnehmerkreis, würden sie sich daher
auf jedem Gebiet anschließen. Portugal unterstützt die
Forderung nach der Ernennung eines europäischen Außenministers
zum Ausbau von Europas außenpolitischer Einflussnahme.
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III. Europas Rolle in der Welt
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Mit dem Beitritt Portugals zur EG/EU erfolgte zwar eine stärkere
Ausrichtung des Landes in Richtung Europa, jedoch keine ausschließliche.
Portugal ist traditionell "atlantisch" orientiert. Sicherheitspolitisch
stützte es sich bis zum 2. Weltkrieg auf England, danach lehnte
es sich innerhalb der NATO Strukturen eng an die USA an. Während
der Irak-Krise zu Beginn des Jahres 2003 stand Portugal deshalb
politisch hinter den Entscheidungen der US- Amerikaner.
Allerdings wurde die Intervention nicht mit eigenen Streitkräften
unterstützt. Portugal gehörte 1949 zu den Gründungsmitgliedern
der NATO und betrachtet heute noch die Mitgliedschaft in dem nordatlantischen
Bündnis als sicherheitspolitische Priorität. Den Ausbau
einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik unterstützt
Portugal daher nur in Ergänzung zur NATO.
Als ehemalige Kolonialmacht unterhält Portugal gute Beziehungen
zu den früheren überseeischen Territorien und bleibt in
diesen Ländern um eine starke diplomatische Rolle bemüht.
Im Rahmen der PALOP Staatenvereinigung bemühte sich
Portugal besonders aktiv zur Konsolidierung des Friedensprozesses
in Angola beizutragen.
Im Jahre 1996 wurde die Gemeinschaft portugiesischsprachiger Länder
(CPLP) gegründet. Mitglieder sind u.a. Brasilien, Mocambique
und Ost-Timor. Zum einen sollte dadurch dem Portugiesischen weltweit
mehr Gewicht verliehen und traditionelle kulturelle Verbindungen
besiegelt werden. Zum anderen stellte man eine Brücke zwischen
unterschiedlichen Handelsräumen in Afrika, Asien, Europa und
Südamerika her. Im Zuge der Rückgabe von Macao an China
und der guten Verbindungen zu Indonesien, die während der Unterstützung
Ost- Timors auf dem Weg in die Unabhängigkeit entwickelt wurden,
sieht sich Portugal als wichtigen Akteur auf dem Feld europäischer
Asienpolitik.
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IV. Wohlstand und Nachhaltigkeit
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Obwohl
Portugal immer noch als "Armenhaus Westeuropas" bezeichnet
wird, hat sich seit dem EG/EU Beitritt viel entwickeln können.
Jahrelange Geldtransfers im Rahmen der Struktur- und Kohäsionszahlungen
haben Portugals Wirtschaftsstruktur verbessert und zur regionalen
und lokalen Entwicklung beigetragen. Ökonomische Reformen führten
zu stetigem Wirtschaftswachstum. Nach wie vor herrscht jedoch ein
Entwicklungsgefälle zwischen den verhältnismäßig
wohlhabenden Städten Lissabon bzw. Porto und dem industriell
unterentwickelten Landesinneren.
Die Euro-Einführung brachte in Portugal weder Probleme noch
Proteste mit sich. Allerdings verstieß das Land 2001 als erstes
der Mitglieder der Euro- Zone gegen den Stabilitätspakt und
wurde von Brüssel für ein Haushaltsdefizit von 4,1% (3,0%
sind erlaubt) gerügt. Die aktuelle Regierung schaffte es innerhalb
kürzester Zeit, das Defizit auf 2,8% (2003) zu senken und hat
sich bis zum Jahr 2006 einen ausgeglichenen Haushalt zum Ziel gesetzt.
Für das Jahr 2003 erwartet Portugal ein nur geringes Wirtschaftswachstum,
nachdem 2002 ein negatives Wirtschaftswachstum das Land in eine
Rezession getrieben hatte.
In Portugal sind viele Menschen in der Landwirtschaft tätig
(12,5%). Deshalb profitiert Portugal überdurchschnittlich stark
von der GAP (Gemeinsamen Agrarpolitik) und den europäischen
Subventionen, die europäische Produkte für den Weltmarkt
interessant machen. Angebaut werden vor allem Trauben, Oliven, Mais
und Zitrusfrüchte. Die portugiesische Landwirtschaft leidet
allerdings unter erheblichem Entwicklungsrückstand. Im Vergleich
mit den anderen EU- Staaten weist Portugal die niedrigste Produktivität
und ein Betriebseinkommen weit unter EU-Schnitt auf. Die Landwirtschaft
trägt damit lediglich mit 2,5% zur Wertschöpfung des BIP
bei.
Eines der wichtigsten Produkte der portugiesischen Landwirtschaft
ist der Kork. Ein 55% Anteil an der Weltproduktion machen Portugal
weltweit zum Korkhersteller Nummer 1. Jährlich werden hier
30 Millionen Flaschenkorken hergestellt. Über 70 Millionen
Korkeichen liefern dafür den Kork. Da die Nachfrage von Naturkorken
stark rückläufig ist und bis zu einer ersten Ernte 20
25 Jahre vergehen (danach ist eine Ernte alle 10 Jahre möglich),
sind die Kosten für den Anbau und der erzielte Erlös aus
dem Gleichgewicht gekommen. Immer mehr konzentriert man sich deshalb
auf die Zelluloseproduktion für die Papierindustrie. Riesige
Eukalyptus - Monokulturen sollen den erhofften Gewinn bringen. Der
aus Australien importierte Baum führt jedoch mittlerweile zu
größeren ökologischen Problemen. Obwohl er an das
Klima gut angepasst ist, entzieht er dem Boden überdurchschnittlich
viel Wasser, was zunehmend zu einem ernsthaften Wassermangel führt.
Die in den letzten Jahren, vor allem in den Sommermonaten, vermehrt
aufgetretenen verheerenden Wald und Flächenbrände führen
Umweltexperten unter anderem auf die Eukalyptus - Plantagen zurück.
Ein weiteres wichtiges Exportgut ist das im Erz enthaltene Metall
Wolfram, das als Stahlveredler vor allem in der Rüstungsindustrie
verwendet wird. Portugal gehört, was diesen Rohstoff betrifft,
zu den wichtigsten Weltförderern.
58% seines Energiebedarfes deckt Portugal durch Wärmekraftwerke.
Allerdings müssen Kohle und Öl teuer importiert werden,
denn die eigenen Kohleressourcen sind qualitativ minderwertig und
das Land verfügt über keine eigenen bedeutenden Erdölvorkommen.
Der Abhängigkeit von Energierohstoffpreisen versucht Portugal
mit einer verstärkten Nutzung von regenerativen Energien zu
begegnen. Bereits 42% der Energieversorgung werden mittlerweile
aus Wasserkraft gewonnen. Der Ausbau der Windkraft soll weitere
Unabhängigkeit von teuer importierten fossilen Energieträgern
ermöglichen. Obwohl Portugal nach Frankreich über das
zweitgrößte Uranvorkommen in Westeuropa verfügt,
wird dieses energiewirtschaftlich nicht aufbereitet Portugal
verfügt über keine Atomkraftwerke. Aufgrund des engagierten
Einsatzes bei der Nutzung erneuerbarer Energien wurde Portugal beim
internationalen Nachhaltigkeitsranking, das beim Weltwirtschaftsgipfel
2002 vorgestellt wurde, ein guter 28. Platz von 142 getestete Nationen
bescheinigt.
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V. Arbeit, Bildung und Soziales
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Portugal weist eine der niedrigsten Geburtenraten Europas auf.
Dass die portugiesische Bevölkerung zwischen 1990 und 2003
dennoch um 4,1% gewachsen ist, kann auf Zuwanderung aus den ehemaligen
Kolonien, aber auch aus Osteuropa zurückgeführt werden.
In Anerkennung dieses Zuwanderungsproblems hat Portugal in diesem
Jahr ein Einwanderungsgesetz verabschiedet, welches die legale Einwanderung
nach Bedarf fördert, die Integration von Zuwanderern in die
portugiesische Gesellschaft regelt und gleichzeitig Maßnahmen
gegen illegale Einwanderung beschließt. Vor allem Arbeitskräfte
aus der Ukraine sind im portugiesischen Baugewerbe tätig.
In den vergangenen Jahren hat es in Portugal weder Steuer- noch
Arbeitsmarktreformen gegeben. Die Umsetzung des "Nationalen
Aktionsplans für die Beschäftigung" von 1999 ist
noch nicht erfolgt. Die Arbeitslosigkeit liegt verglichen mit anderen
europäischen Staaten im mittleren Bereich, dennoch ist ein
starker Anstieg zu verzeichnen. 2001 betrug die Arbeitslosigkeit
4,5% und stieg 2002 auf 5,6%. Im April 2003 waren bereits 7,3% der
Portugiesen arbeitslos, Tendenz weiter steigend. Damit zeigt Portugal
die höchste Zuwachsrate in der EU.
Niedrige Löhne, eine geringe soziale Absicherung und der gleichzeitige
Zerfall der portugiesischen Großfamilienstrukturen, die lange
Zeit eine Absicherung bei Krankheit und im Alter geboten haben,
machen im sozialstaatlichen Bereich dringende Reformen notwendig.
Das sehr schlechte Abschneiden Portugals bei der PISA- Schulstudie
(27., 28. und 30. Platz von 32) enthüllte eklatante Mängel
des portugiesischen Bildungssystems. Zwar lag die Analphabetenquote
in den 1980er Jahren mit 20% weitaus höher, mit einer aktuellen
Quote von 10% liegt Portugal allerdings weiterhin weit über
dem EU Durchschnitt. Erschreckender ist jedoch die Zahl,
dass etwa 25% (!) aller schulpflichtigen Kinder gar keine Schule
besuchen. Es wird angenommen, dass etwa 50.000 der schulpflichtigen
Kinder unter 14 Jahren als billige Vollzeitkräfte in der Textilindustrie,
auf dem Bau oder in der Landwirtschaft tätig sind. 45% der
Kinder verlassen die Schule noch vor Beendigung des 9. Schuljahres.
34% erreichen nach Beendigung eines Schuljahres das Klassenziel
nicht. (Vergleichszahl: in Deutschland sind es etwa 8%). Vor allem
in den ländlichen Gebieten herrscht Lehrermangel, mangelt es
an Schulraumkapazitäten und Lehrmitteln. Weiterführende
Schulen sind kostenpflichtig eine unüberwindbare finanzielle
Hürde in einem Land, in dem jede zweite Familie unterhalb der
Grenze der sog. Relativen Armut lebt. Angesichts dieser Zahlen hat
die portugiesische Regierung ein bildungspolitisches "Dringlichkeitsprogramm"
auf den Weg gebracht, um die Missstände zu beseitigen.
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