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Geschichten über die Zukunft

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Landwirtschaft - ein Unternehmen der Zukunft

Der kurze Beitrag setzt sich mit den Zukunftsperspektiven der Landwirtschaft in Polen nach dem EU-Beitritt auseinander. Ein Bild von einem Betrieb der Familie Gaidar, der nicht nur über die notwendige Größe zum Überleben verfügt und 300 Menschen in der Region eine Beschäftigung ermöglicht, sondern verschiedene Wirtschaftsbereiche von der Energieerzeugung bis hin zum Agroturismus integriert. Ausdruck der nachhaltigen Wirtschaftsweise des Betriebes der Gaidars ist, dass die einzelnen Geschäftsfelder funktional ineinander greifen, stets auf neue Produktionsmöglichkeiten geachtet wird und alle Bereiche einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit leisten. Nach Auffassung der Autoren hat "lediglich so eine Form der Landwirtschaft, die von den Gaidas geführt wird, eine Überlebenschance"

 

Unser Beitrag ist alles andere als eine Geschichte. Das ganze ist für uns deshalb so interessant. weil wir hier in einem Raum leben, in dem vor 10 Jahren noch 50 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft gearbeitet haben. Jetzt verödet hier sehr viel, die Leute sind arbeitslos (19%). Man überlebt hier, weil ca. 120 000 Leute nach Deutschland pendeln.

Wir schreiben das Jahr 2020. Es entstehen riesige Bauernhöfe, was mit den Prognosen der EU übereinstimmt. Neben der traditionellen Agrarproduktion entstehen neue Beschäftigungszweige. Sie sind unmittelbar in die Landwirtschaft integriert. Sie sollen den Zwischenhandel eliminieren, durch den der Produzent einen Teil des Gewinns verliert.

In den Ländern, die 2004 in die EU eingetreten sind, kam es auch zu verschiedenen Veränderungen in der Landwirtschaft. Aus den bisher kleinen Bauernhöfen entstanden riesige landwirtschaftliche Betriebe, die die Fläche eines antiken Latifundiums haben. Das hängt damit zusammen, dass viele Bauern sich umqualifizieren lassen mussten oder sich mit einer anderen landwirtschaftlichen Tätigkeit beschäftigen mussten.

Die reichsten Bauern haben nach und nach die kleinen, nicht mehr rentablen und konkurrenzfähigen Höfe aufgekauft. Ein Teil der Leute, die früher eigene Betriebe besaßen, finden bei ihren früheren Kollegen Arbeit.

In Polen, einem der größten Länder, die der EU im Jahr 2004 beigetreten sind, kam es ebenfalls zu einer Revolution im Bereich der Landwirtschaft. Wo noch im Jahr 1999 27% der gesamten Bevölkerung im Agrarsektor arbeiteten, sind mittlerweile nur noch 3% hier beschäftigt.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Bauernhof der Familie von Marek und Ewelina Gaida. Zusammen mit ihren Söhnen (Wiktor und Leon) und ihrer Tochter Maria führen sie einen 1500 ha großen Bauernhof. Aufgrund der riesigen Fläche erstreckt sich ihr Besitztum über drei Dörfer. In jedem der drei Dörfer hat jedes ihrer Kinder ein Haus.

Wiktor wohnt bei den Eltern. Jeder von ihnen kümmert sich um einen der vier Betriebe, mit denen sie sich beschäftigen. Die Eltern sind für das Getreide (vor allem Weizen) zuständig. Dieses Getreide braucht Wiktor, der sich mit der Vieh-, und Straußenzucht beschäftigt. Leon ist ein Spezialist für alternative, ökologische Energien. Maria kümmert sich dagegen um die Agrartouristik, die mit der Straußenzucht direkt verbunden ist.

Anfangs hatte der Bauernhof von Evelina und Marek gerade mal 300 ha. Zusammen mit dem EU-Beitritt musste sich der Produktionstypus ändern. Die bisher geführte Schweinezucht war in der EU nicht mehr subventioniert. Deshalb wurde sie durch die Rinder- und Straußenzucht ersetzt.

Damit man aus der Zucht einen Profit ziehen konnte, musste man sie enorm ausbauen. Man plante, dass eine Rinderherde 2500 Stück und eine Straußenherde 1000 Stück zählen sollte. Es blieb die Frage, wie man den Grundbesitz erweitern könnte um die Ernährung der Tiere zu sichern. Man musste den Boden den anderen, kleineren Bauern abkaufen. Der Preis war sehr hoch. Deshalb unterschrieb die Familie Gaida einen Vertrag, in dem die anderen Bauern günstiger verkaufen und dafür einen sicheren Arbeitsplatz bekommen sollten.

So umfasst der Bauernhof heute 1500 ha darunter 1000 ha Acker, der 300 Personen Arbeit gibt. Die Finanzierung wurde über eine Bank abgewickelt und für einen Zeitraum von fünf Jahren wurde die Zinszahlung zu 30% von der EU subventioniert.

Die Gaidas bauen hauptsächlich Roggen, Hafer, Weizen und in großem Umfang Raps an, der auf eine unkonventionelle Art genutzt wird. Marek Gaida ist Mitglied des ZNTR (Zwiazek Nowych Technologi Rolniczych), der neue Methoden des Anbaus und neue Maschinen ins Leben ruft. Er ist auch der Patron eines Unternehmens, das an der Konstruktion eines Mähdreschers mit einem Strohbündler arbeitet.
Wiktor züchtet das Vieh auf zwei Arten.

Das erste ist das traditionelle. Das Vieh bleibt im Stall. Es wird von den Arbeitern versorgt. Die zweite basiert auf dem Verbleib der Herde auf der Wiese bis zur Schlachtung. Für diese Zuchtart wurden Tiere speziell aus Australien importiert. Sie sind gegen verschiedene Wetterarten besonders widerstandsfähig. Die Zucht von Straußen ist mit den Richtlinien, die er in Portugal gesehen hat, verbunden. Tom hatte während seines Studiums an der Akademie ein Praktikum auf einer Straußfarm absolviert. Alles, was er kennen gelernt hat, versucht er jetzt auf polnische Verhältnisse zu übertragen. Er hat Hallen mit Auslauf für die Vögel gebaut, damit sie einigermaßen natürliche Bedingungen haben. Strauße sind Allesfresser und deswegen machen sie bei der Zucht keine Probleme. Das einzige Problem für den Züchter ist das etwas zu kalte Klima. Deswegen haben die Hallen ein Heizungssystem.

Wenn es um den Schlachthof geht, so wurde er gebaut um die Einnahmen zu erhöhen und den Zwischenhandel zu eliminieren. Es funktioniert auch eine Transportfirma, von Leon gegründet, die mit 20 ihrer Kühlwagen das Fleisch in alle Regionen Europas transportieren. Im Moment versucht man den Straußmarkt in Skandinavien zu erobern. Nach dem Bau des Kanals LGM der Danzig und Stockholm verbindet, kann Wiktors Firma direkt zu den Abnehmern liefern.

Neben der Transportfirma beschäftigt er sich mit einem sehr kostspieligen, aber zukunftsausgerichtetem Unternehmen. Er befasst sich mit der Produktion von Biogas und Biodiesel. Er ist ein Absolvent der Akademie der Alternativen Treibstoffe in Wrzoski (Heidefelde). Die Komponenten, die er zur Produktion des Biogases braucht, werden ihm von Wiktors Viehzucht geliefert. Das Methan, das entsteht, wird zur Beheizung der Hallen mit den Straßen und dem Haus der Gaidas genützt. Leon plant eine größere Menschengruppe mit Gas zur versogen.

Bei der Produktion von Biodiesel wird Raps genutzt Nach ein paar chemischen Umwandlungsprozessen wird der Raps flüssig und dem Diesel sehr ähnlich. Im Moment befindet sich Leo in der Testphase. Zwei Traktoren, die auf dem Feld genutzt werden, werden mit sauberen Treibstoff aus Raps betrieben. Zwei LKWs werden mit einer Mischung von Treibstoff aus Raps mit 20 % Diesel betankt. Letztens nahm Leo an einem Treffen teil, das der Windenergie gewidmet war. Hauptziel des Treffens in Holland war es, die Windenergie in Mittelosteuropa zu fördern.

Marias Aufgabe besteht darin für die Promotion der agrartouristischen Tätigkeiten zu sorgen. Die Werbung hat das Ziel neue Kunden für die Agrartouristik zu begeistern, neue Sponsoren und Käufer für die Waren zu finden. Jedes Jahr werden zu diesem Zweck Konferenzen organisiert.

Für die Menschen aus der Stadt sind sie etwas Außergewöhnliches, weil man Sträuße bisher nur im ZOO Besichtigen konnte. Hier dürfen die Tiere berührt und gestreichelt werden. Es gibt ein Hotel mit 100 Betten. Den Gästen stehen auch eine Sporthalle und ein Schwimmbad zur Verfügung. Für die Interessierten werden auch Besichtigungstouren durch das Agrargelände organisiert. Die Fahrt führt durch alle drei Dörfer.

Während des Aufenthaltes auf dem Bauernhof werden die Gäste mit Spezialitäten aus dem Fleisch versorgt. Im nebenliegendem Souvenirladen kann man sich als Erinnerung ein Ei oder eine Feder des besonderen Vogels kaufen. Auf Wunsch werden auch Kleidungsstücke und Accessoires aus Straußenleder angefertigt.
Die Saison ist abhängig von dem Wetter und dauert ungefähr von März bis Oktober.

Mit der Weiterentwicklung der Zivilisation kommen immer neue Probleme auf die Familie zu. Die meisten sind mit dem Absatzmarkt verbunden. Die Vereinigten Staaten nehmen nach einer erneuten Wirtschaftskrise im Jahr 2010 Fahrt auf. Ihre Produkte, die teilweise gentechnisch unterstützt werden und schneller hergestellt werden können, schaffen Konkurrenz für die anderen Länder.

Nach der Veränderung in eine freie Marktwirtschaft, versucht auch China den Markt mit seinen landwirtschaftlichen Produkten zu überfluten. Die Familie Gaida gibt aber nicht auf. Im Moment werden Gespräche über die Einfuhr von Chinchillas aus Südamerika geführt, um eine Zucht zu eröffnen.

Lediglich so eine Form der Landwirtschaft, die von den Gaidas geführt wird, hat eine Überlebenschance.

 

Beitrag der Klasse 3j des Lyzeums in Opole
zum Wettbewerb "Think Europe – 2020 Visions”
von
Lukas Gonsior
Grzegorz Wocka
Marcin Widera
Betreuer: Martin Kübler

 

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Zuletzt aktualisiert: 18.04.2004
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