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Belgien
Belgie, Belgique
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Einwohner
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10,29 Mio.
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Fläche
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32.545 qkm
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Einwohner / qkm
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316
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Hauptstadt
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Brüssel (964 000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Französisch, Flämisch, Deutsch
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Religion
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Christen (88%), Muslime (1,5 %),
Juden (0,4 %)
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Urbanisierung
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97 %
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Arbeitslosigkeit
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6,9 %
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Staatsform
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Parlamentarische Monarchie
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Nationalfeiertag
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21. 7. (Amtseid König Leopolds I. 1931)
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Regierung
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Albert II. (Staatsoberhaupt)
Louis Michel (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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Gründungsmitglied
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Im Verlauf der vergangenen 2000 Jahre war das Gebiet des
heutigen Belgiens unterschiedlichen politischen Einflüssen
ausgesetzt. Ob Römer, Habsburger, Spanier, Franzosen
oder Niederländer alle haben ihren kulturellen
Stempel hinterlassen. Erst 1830 wurde das unabhängige
Königreich Belgien ausgerufen. Als lange Zeit erfolgreiche
Kolonialmacht hat Belgien weite Teile in Afrika beherrscht.
Diese Vergangenheit prägt heute noch viele Stadtteile
Brüssels.
Vor
allem die beiden Nachbarn Frankreich und die Niederlande haben
Belgien zumindest in einer Hinsicht stark geprägt: trotz
eines gemeinsamen Staatsgebiets hat sich in Belgien bis heute
die regionale Abgrenzung der beiden großen Sprachgemeinschaften
erhalten. Das nördliche Flandern spricht Niederländisch,
und das südliche Wallonien ist französischsprachig.
Zusätzlich gibt es im Osten eine Minderheit, deren Muttersprache
Deutsch ist und der rund 71000 Einwohner angehören.
In Belgien leben heute rund 10 Millionen Einwohner, davon
5,8 Millionen in Flandern, 3,3 Millionen in der Wallonie und
etwa eine Million in der Hauptstadt Brüssel. Belgien
ist mit einer Fläche von nur 30 528 qkm ( rund 330 Einwohner
je qkm) nach den Niederlanden das am dichtesten besiedelte
Land Europas.
Die offiziellen Sprachen in Belgien sind Französisch
in dem wallonischen Teil (französische Gemeinschaft),
Niederländisch im flämischen Teil des Landes (Flandern)
und Deutsch in der deutschsprachigen Gemeinschaft. In Brüssel
werden Französisch und Niederländisch gesprochen.
Vor diesem Hintergrund ist auch die Ausdifferenzierung des
belgischen Bildungswesens zu sehen, das durch Sprachgrenzen
dreigeteilt ist. Neun % der Belgier sprechen vier Sprachen,
weitere 23 können sich in drei Sprachen verständlich
machen.
Die
beiden großen Sprachgemeinschaften Belgiens prägen
die politische Arena der belgischen Politik. Brüssel
gilt hierbei als Bindeglied. Das politische System Belgiens
hat sich über die letzten dreißig Jahre und durch
insgesamt sechs Verfassungsreformen von einem unitarischen
Staat zu einem föderalen Bundesstaat entwickelt. Immer
mehr Aufgaben und Entscheidungsbefugnisse sind in diesem Prozess
von der nationalstaatlichen Ebene an die Regionen und Sprachgemeinschaften
abgegeben worden. Und manche behaupten, dass die unterschiedlichen
Sprachgemeinschaften nur noch durch das gemeinsame Königshaus,
die belgische Fussballnationalmannschaft und die Europäische
Union zusammengehalten werden. Letztlich fehlt es auch an
Alternativen zum belgischen Staat. Für sich wären
die Regionen zu klein und die Wallonen wollen nicht zu Frankreich
gehören, ebenso wenig wie die Flamen einen Anschluss
an die Niederlande anstreben.
Wie auch der niederländische Nachbar verfügt Belgien
in einigen umstrittenen Themen der Gegenwart eine vergleichsweise
liberale Gesetzgebung. Im April 2003 hat das belgische Parlament
ein Gesetz zur Embryonenforschung angenommen, welches neben
dem Forschen an überzähligen Embryonen auch das
therapeutische Klonen unter bestimmten Bedingungen erlaubt.
Damit nimmt Belgien eine Vorreiterrolle in Europa ein. Seit
2002 ist außerdem das "Töten auf Verlangen",
die aktive Sterbehilfe unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Die belgische Bevölkerung gehört zu den größten
Befürwortern der Europäischen Integration. Überdurchschnittlich
viele sehen sich an erster Stelle als Europäer und erst
an zweiter Stelle als Belgier. Da den Belgiern das Modell
des Bundesstaates in dem unterschiedliche Kulturen zusammenleben,
vertraut ist, können sie sich sehr gut ein Mehr an Integration
auf Europäischer Ebene bis vielleicht sogar hin zu einem
großen europäischen Bundesstaat vorstellen.
Einem Teil der in Brüssel lebenden Belgier geht die
"wachsende Eurokratie" in ihrem Alltag jedoch auch
manchmal auf die Nerven ja man spricht sogar von einer
"Kolonialisierung Brüssels durch die EU". Ganze
Wohnviertel des alten Brüssels sind bereits abgerissen
worden, um den Komplex der "Europastadt" zu errichten.
Auch hat die Zahl der Gegner der EU-Erweiterung hat in Belgien
über die letzten Jahre zeitweise 30% erreicht. Vor allem
fürchtet man die hohen Kosten, die eine Erweiterung für
die jetzigen Mitgliedstaaten mit sich bringt. Aber wird die
EU-Erweiterung nicht auch den Markt für belgische Schokolade
um zehn und mehr Länder vergrößern? Die Belgier
sind sich durchaus bewusst, dass das Exportland Belgien auch
von der Erweiterung profitieren wird.
Mit Blick auf die künftigen Aufgaben der EU wünschen
sich die Mehrzahl der Belgier in den Bereichen Kriminalitätsbekämpfung
und Einwanderungsregulierung ein Mehr an Integration. Aufgrund
der Tatsache, dass vor allem in Flandern die rechtspopulistischen
Parteien bei den letzten Wahlgängen starken Zulauf verzeichnen
konnten, ist die derzeitige sozialdemokratisch-liberale Koalition
unter Regierungschef Guy Ve Louis Michel sehr an einer EU-Vorgabe
in den Bereichen Asyl- und Einwanderungspolitik interessiert.
Auf diese Weise würde die Europäische Ebene einen
politischen Bereich übernehmen, dessen Regelung in Belgien
auf nationaler Ebene gegenwärtig sehr schwierig ist.
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Belgien ist Gründungsmitglied der EG/EU und beherbergt
in seiner Hauptstadt Brüssel wichtige Institutionen der
Gemeinschaft, wie z.B. die Europäische Kommission und
den Ministerrat. Darum wird Brüssel häufig auch
als Hauptstadt der Europäischen Union bezeichnet. Belgien
tritt traditionell für eine föderale Ausgestaltung
der EU ein, u.a. indem es sich für eine Stärkung
der Befugnisse der Kommission und des Europäischen Parlaments
sowie einer Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen im Rat
einsetzt. Zwischen Belgien, den Niederlanden und Luxemburg
besteht seit 1949 eine sehr enge Zusammenarbeit. Die sogenannten
Benelux-Staaten sehen sich in vielen Fällen als Motor
für eine Vertiefung der Integration Europas und koordinieren
ihre Positionen regelmäßig. Belgien ist Nato-Mitglied,
Sitz des Nato-Hauptquartiers ist ebenfalls Brüssel. Es
befürwortet die Stärkung der Gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik der EU.
In den letzten Jahren haben in Belgien jedoch politische
Gruppierungen an Einfluss gewonnen, die dem europäischen
Einigungsprozess kritisch gegenüberstehen. Hierauf muss
die belgische Regierung Rücksicht nehmen, zumal ihre
eigene Stellung aufgrund von Korruptionsfällen und innenpolitischen
Auseinandersetzungen sowie steigender Ausländerfeindlichkeit
im Land geschwächt wurde. Als kleiner Mitgliedstaat der
EU achtet Belgien vor allem darauf, dass deren Rolle im EU-Entscheidungsprozess
nicht geschmälert wird.
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Die
belgische Wirtschaft ist intensiv mit den anderen Ländern
der EU verflochten. Die Exportquote macht in Belgien über
60 % des BIP aus. Belgiens Industrie (Chemie, Metall, Kunststoff,
Nahrungsmittel), ist überwiegend im Norden des Landes,
in Flandern angesiedelt und produziert den Großteil
der belgischen Exportprodukte. In Wallonien prägen zum
Teil veraltete Schwerindustrieanlagen das Bild des Strukturwandels.
Dadurch ergibt sich ein Wohlstandsgefälle zwischen dem
reicheren Flandern und dem ärmeren Wallonien.
Eine lockere Finanzpolitik, insbesondere in den 80er und
frühen 90er Jahren, haben zu einem hohen Schuldenstand
der öffentlichen Haushalte geführt. Mit dem Euro
kam es hier zu einer Trendwende. 2002 konnte Belgien bereits
das dritte Jahr in Folge einen Haushalt ohne Defizit vorweisen.
Problematisch und unter Überwachung der Europäischen
Kommission ist jedoch nach wie vor Belgiens Gesamtverschuldung
der öffentlichen Haushalte, die gegenwärtig bei
etwa 105% des BIP liegt. Dementsprechend macht der Zinsendienst
einen hohen Posten der öffentlichen Haushalte aus.
Die Lebensmittelskandale und Tierseuchen, die Belgien in
den vergangenen Jahren gebeutelt haben, führten bislang
nicht zu Reformen der intensiven Landwirtschaft und Viehzüchtung.
Immerhin gehört Fleisch mit zu den wichtigsten Exportprodukten.
Zudem waren nie beide Landesteile gleich stark von den Seuchen
betroffen, so dass sich keine nationale Protesthaltung entwickelte:
BSE traf vor allem die wallonischen Rinderzüchter, während
der Dioxin-Skandal und die Maul- und Klauenseuche vor allem
Hühner und Schweine im flämischen Norden dahinraffte.
Im Umweltbereich hat Belgien mit strukturellen, aber auch
politischen Problemen zu kämpfen. Die dichte Besiedelung
(eine der höchsten Bevölkerungsdichten in Europa),
die intensive Landwirtschaft und ein hohes Verkehrsaufkommen
(Belgien als ein Knotenpunkt in Europa) sind ebenso Gründe
für das schlechte Abschneiden Belgiens in Nachhaltigkeitsberichten
internationaler Organisationen wie das Problem der anhaltenden
Auseinandersetzungen um Kompetenzzuteilungen im Umweltbereich
zwischen der regionalen und staatlichen Ebene. Die Zuständigkeit
für Umweltpolitik liegt heute bei den Regionen, es gibt
lediglich ein nationales Ministerium zur Koordinierung
eine problematische Regelung nicht nur für die Europäische
Umweltkommissarin Margot Wallström, deren Ansprechpartner
der Staat Belgien ist. 1999 wählten Flamen und Wallonen
zwei Umweltparteien in die Regierung. Bei den letzten Wahlen
im Mai 2003 mussten jedoch beide herbe Verluste einstecken
und sind heute nicht länger in der Regierung vertreten.
Das belgische Parlament hatte vor allem auf Drängen
dieser beiden Parteien den Ausstieg aus der Atomenergie bis
2025 beschlossen. 2015 soll der erste von insgesamt 7 Atomreaktoren
abgeschaltet werden. Ob die aktuelle Regierung an den Plänen
festhält, ist noch unklar. Immerhin deckt Atomstrom heute
60% des belgischen Energiebedarfs. Erneuerbare Energien spielen
hingegen eine untergeordnete Rolle. Derzeit werden vor allem
Wind- und Wasserkraft eingesetzt.
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Wie auch andere Europäer sehen die Belgier die Arbeitslosigkeit
als eines der größten politischen Herausforderungen
an (41%). Waren im Juni 2001 noch 6,6% der Belgier arbeitslos
gewesen, so waren es im Juni 2003 bereits 8,0%. Die regionalen
Unterschiede hinsichtlich der Arbeitslosenzahlen sind groß.
Im Jahr 2000 betrug beispielsweise die Arbeitslosenquote im
nördlichen Flandern 4,3%, im südlichen Wallonien
10,3% und in der Region Brüssel 14%. Mit verantwortlich
für dieses regionale Ungleichgewicht ist eine geringe
Arbeitsmobilität, die in Belgien nicht zuletzt auf sprachliche
Barrieren zurück zu führen ist.
Ein weiterer Grund für die geringe Arbeitsmobilität
ist die Großzügigkeit des Wohlfahrtsstaates. Für
die Arbeitslosen bestehen, so eine Untersuchung der OECD,
zu wenig Anreize für die Aufnahme einer Tätigkeit.
Deshalb ist die belgische Langzeitarbeitslosenquote mit 56,3%
auch eine der höchsten in der EU. Zur Verringerung der
(offiziellen) Arbeitslosigkeit wurde über die letzten
beiden Jahrzehnte wie auch in den Niederlanden
reichlich Gebrach von Formen der Frühverrentung gemacht,
was dazu geführt hat, dass Belgien heute mit einer Erwerbstätigkeitsquote
von unter 25% bei älteren Arbeitnehmern (55+) EU-weit
den niedrigsten Wert aufweist. Im internationalen Vergleich
betrachtet, sind Belgiens finanzielle Aufwendungen für
Arbeitsmarktmaßnahmen relativ hoch.
Das Bruttoeinkommen in Belgien ist etwa 10 bis 20 Prozent
niedriger als in Deutschland. Die Belastung durch Sozialversicherungsbeiträge
ist jedoch weitaus geringer (ungefähr 13 Prozent vom
Bruttolohn), die steuerlichen Belastungen jedoch höher.
Der durchschnittliche Arbeitnehmer erhält 13,5 Monatsgehälter,
die eine belgische Besonderheit im Lauf des
Jahres automatisch der Inflationsrate angepasst werden. Das
heißt, alle Arbeitnehmer erhalten automatisch eine Lohnerhöhung,
die an den Anstieg der Lebenshaltungskosten gekoppelt ist,
wenn dieser einen bestimmten Prozentsatz übersteigt.
Die Zahlen von 2002 zeigen für Belgien einen leichten
Bevölkerungsanstieg von 4,5%, wovon allerdings nur 0,7%
natürlichem Bevölkerungswachstum zuzuschreiben sind.
3,8% Zuwachs verdankt der Staat Zuwanderung insbesondere
durch den Nachzug von Familienangehörigen von in Belgien
lebenden Ausländern aus den ehemaligen Kolonien. Aufgrund
sinkender Geburtenzahlen wird Belgien auch zukünftig
auf Zuwanderung angewiesen sein.
Belgiens Sozialsystem leidet wie die meisten anderen in Europa
unter alternder Bevölkerung, steigender Arbeitslosigkeit
(derzeit 8%) und schwacher Wirtschaft. Laut einer Eurobarometer-Umfrage
von 2002 wünschen sich 80% der Belgier eine stärkere
europäische Zusammenarbeit in der Sozialpolitik. Viele
Belgier sind skeptisch, dass die notwendigen Reformen des
kaum noch finanzierbaren Sozialstaats von ihrer nationalen
Regierung geleistet werden kann.
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Es
ist kein Zufall, dass das belgische Comic "Tim und Struppi"
(Orginal "TinTin") in einer Folge in den Kongo reist
zur Entstehungszeit der Comicreihe war auch Belgien
noch eine der eurpäischen Kolonialmächte, unter
anderem im heutigen Kongo, Burundi und Ruanda. Nach Aufgabe
der Kolonien hielt Belgien sich zunächst aus den afrikanischen
Angelegenheiten weitestgehend heraus. Nach 1999 erfolgte jedoch
eine Umorientierung. Belgien wollte Verantwortung übernehmen
und sich stärker für die Belange der von Bürgerkriegen
zerrissen Staaten stark machen. Unter belgischer Ratspräsidentschaft
wurden im Namen der EU mehrere Delegationen entsendet und
Initiativen in Afrika durchgeführt.
Belgien steht einer Stärkung der Rolle der EU als Akteur
in der weltpolitischen Arena positiv gegenüber und befürwortet
die Ausweitung von Mehrheitsentscheidungen in der Gemeinsamen
Außen- und Sicherheitspolitik. Die Gemeinschaftsinstitutionen
sollten zudem stärker eingebunden werden. Dazu gehört
die Ausweitung des Initiativrechts auf die Kommission, die
Mitentscheidung des Europäischen Parlaments in der GASP
und die Kontrolle von GASP-Beschlüssen durch den Europäischen
Gerichtshof, da gerade für den Fall, dass die EU ihre
sicherheitspolitische Dimension stärkt, zunehmend auch
grundrechtsrelevante Bereiche von der GASP betroffen sein
können.
Belgien befürwortet, dass die Kommission die EU in äußeren
Angelegenheiten sowohl im wirtschaftlichen wie auch im politischen
Bereich vertritt. Denn nach Belgiens Auffassung kann nur die
Kommission eine einheitliche Vorgehensweise und zugleich einen
Ausgleich der Interessen sämtlicher Mitgliedstaaten gewährleisten.
Insbesondere müsse die Kommission auch das Recht erhalten,
Vorschläge für ein gemeinsames außenpolitisches
Vorgehen im Rahmen der GASP zu erarbeiten und nach Beschluss
des Rates diese auch umzusetzen.
Die EU muss nach Ansicht Belgiens selbstständig und
autonom in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen werden. Obwohl
die Mittel der NATO deren Hauptquartier ebenfalls in
Brüssel angesiedelt ist genutzt werden sollten,
so verfolgt die belgische Regierung das längerfristige
Ziel einer europäischen Verteidigungsidentität.
Belgien ist in diesem Sinne auch an multilateralen Projekten
im Rüstungsbereich, wie beispielsweise dem Bau des europäischen
Lufttransporters A400-M beteiligt.
Belgien beteiligt sich seit vielen Jahren an Missionen der
Vereinten Nationen. In diesem Rahmen war Belgien auf allen
Kontinenten an "Blauhelm-Einsätzen" beteiligt.
Darüber hinaus hat sich Belgien insbesondere an Operationen
in Afrika beteiligt. Für Afrika, wo Belgien noch starke
wirtschaftliche Interessen hat, empfindet das Land als ehemalige
Kolonialmacht auch eine historische Verantwortung.
Sprachen sich 1999 noch 64% der Belgier für eine Entsendung
von Bodentruppen in den Kosovo aus, so waren die Belgier in
der Frage, ob der Irak ohne UN- Mandat entwaffnet werden dürfte,
klar auf der Seite Deutschlands und Frankreichs. Die belgische
Regierung hätte sich möglicherweise wie der Benelux-Partner
Niederlande für eine Unterstützung der US-Politik
entschieden. Aber die Bevölkerung war gegen einen Krieg,
und im Mai 2003 fanden Wahlen statt.
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