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Bulgarien
Bulgaria
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Einwohner
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8,02 Mio.
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Fläche
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110.994 qkm
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Einwohner / qkm
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72
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Hauptstadt
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Sofia (1.096.389 Einwohner)
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Amtssprache
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Bulgarisch
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Religion
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bulgarisch-orthodoxe Christen (85,7 %),
Muslime (13,1 %)
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Urbanisierung
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67 %
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Arbeitslosigkeit
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16,3 %
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Staatsform
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Republik
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Nationalfeiertag
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3. März (Jahrestag der Unabhänigkeit vom
Osmanischen Reich
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Regierung
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Georgi Prawanow (Staatspräsident)
Simeon Sakskoburggotski
(Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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voraussichtlich 2007
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Der Zusammenbruch der sozialistischen Volksrepublik Bulgarien
erfolgte 1989 ohne den abrupten Regimewechsel, der in vielen
anderen Wendestaaten das Bild prägte. Der regierende
Parteiführer wurde abgesetzt, doch die bis dahin regierende
kommunistische Partei regierte danach unter dem Namen Bulgarische
Sozialistische Partei weiter. Durch die Verfassung von 1991
wurde Bulgarien zu einer demokratischen Republik mit parlamentarischer
Regierungsform. Erst 1997 kam die Opposition an die Macht,
und die wirkliche Öffnung Bulgariens in Richtung Westen
konnte beginnen.
Bis zum 2. Weltkrieg war Bulgarien eine Monarchie gewesen.
Der von den Kommunisten entmachtete Zar hatte fast 50 Jahre
im spanischen Exil gelebt, bis er 2001 seine eigene bulgarische
Partei gründete und zum Ministerpräsidenten gewählt
wurde. Simeon II aus dem Hause Sachsen- Coburg- Gotha und
seine Partei "Nationale Bewegung Simon der Zweite"
regieren seit 2001 gemeinsam mit der Partei der türkischen
Minderheit. Das Staatsoberhaupt Bulgariens ist seit 2001 der
Ex-Kommunist Georgi Parwanow, der jedoch weitgehend nur repräsentative
Aufgaben inne hat.
Bulgariens Minderheiten sind nicht alle so gut organisiert
und vertreten wie die türkischstämmige Bevölkerung
(9% der Gesamtbevölkerung), die auch auf Unterstützung
durch ihr Mutterland rechnen können. Als 1984 die Kommunistische
Partei Bulgariens den "Wiedergeburtsprozess" einleitete,
eine Bulgarisierungskampagne, die u.a. die Türken dazu
zwang, bulgarische Namen anzunehmen, flüchteten Hunderttausende
in die Türkei. Diese Möglichkeit war den Pomaken,
den Bulgaren islamischen Glaubens, und den Roma (4 Prozent
der Bevölkerung) nicht gegeben. Insbesondere die Integration
der Roma wurde niemals gefördert, heute sind sie stärker
als andere ethnische Gruppen von Arbeitslosigkeit und Armut
betroffen. In der Verfassung Bulgariens werden die nationalen
Minderheiten nicht erwähnt. Immerhin wird allen Bulgaren
Religionsfreiheit garantiert so wie die gewaltsame Assimilation
als rechtswidrig verankert.
Obwohl
Bulgarien innerhalb der letzten Jahre eine enorme Aufholleistung
hinsichtlich der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien
(Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, offene Märkte, Erfüllung
von EU-Satandards) bestätigt werden kann, wird das Land
noch nicht 2004 mit den anderen Mittel- und Osteuropäischen
Staaten der Europäischen Union beitreten können.
Gemeinsam mit Rumänien hofft man, ab 2007 dabei zu sein.
Nachdem Bulgarien lange Zeit nicht in die engere Wahl hinsichtlich
des Beitrittskandidatenstatus (=Aufnahme von konkreten Beitrittsverträgen)
gekommen war, belohnte man das solidarische Verhalten Bulgariens
während der Kosovo-Krise 1999 mit dem Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen
Anfang 2000. Weitere Schritte, die zu einer Annäherung
an die EU beigetragen haben, war die Abschaffung der Todesstrafe
und der Ratifizierung der Rahmenkonvention zum Schutz Nationaler
Minderheiten im Jahr 1999. Daneben konnten weitere Erfolge
bei der Einführung einer funktionierenden Marktwirtschaft
verbucht werden.
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Bulgarien gilt als der ärmste der EU- Beitrittskandidaten.
Eine Million von insgesamt acht Millionen Bulgaren leben unter
der Armutsgrenze. Mit einem durchschnittlichen Monatslohn
von 120 Euro ist der Lebensstandard sehr niedrig. So ist es
nicht erstaunlich, dass die Bulgaren sich von ihrem EU- Beitritt
vor allem die Bekämpfung der Armut erwarten.
Rechtsunsicherheiten, Hindernisse in der Verwaltung und die
Tatsache, dass Bulgarien Nachbarstaat einer Konfliktregion
(das ehemalige Jugoslawien) gewesen ist, haben ausländische
Investoren in den 90er Jahren davon abgehalten, in Bulgarien
zu investieren. Motiviert durch die bevorstehende Aufnahme
Bulgariens in den Kreis der Beitrittskandidatenstaaten erfolgten
seit 1999 zahlreiche Umstrukturierungsmaßnahmen, so
dass sich langfristig die Situation verbessern kann. Vor allem
im Bereich Tourismus wurde seit 1996 eine Verdoppelung der
Einnahmen verzeichnet. 2002 bestätigte die Europäische
Kommission Bulgarien eine funktionierende Marktwirtschaft.
Im europäischen Vergleich verlief das bulgarische Wirtschaftswachstum
in den letzten Jahren überdurchschnittlich (2002: 4%).
Überdurchschnittlich hoch liegt jedoch auch die Arbeitslosenquote
(zwischen 18 und 20%).
Nachdem unter kommunistischer Herrschaft das ehemals agrarisch
geprägte Land zum Industriestandort umgewandelt worden
war, spielt heute die Landwirtschaft wieder eine wichtige
Rolle. Zwischen 11 und 13% des BIP werden in diesem Sektor
erwirtschaftet. Hauptanbauprodukte sind Getreide, Tabak, Wein,
Sonnenblumen und Obst.
Den wichtigsten Wirtschaftszweigen chemische Industrie, Nahrungsmittel-
und Tabakindustrie so wie Maschinenbau, Textil-, Glas- und
Porzellanindustrie kommt eine relativ gut ausgebaute Infrastruktur
zu Gute (See- und Flughäfen).
Bulgarien
ist arm an natürlichen Ressourcen. Schon unter kommunistischer
Herrschaft bestand eine Rohstoffabhängigkeit von Russland.
Auch heute werden die Energieträger Erdöl und Erdgas
aus Russland importiert. Neben der heimischen Kohle liefern
die beiden staatlichen Atomkraftwerke einen Großteil
der Energie (bis zu 40%). Stolz auf ihre eigene Energieversorgung
reagierten die Bulgaren mit Unverständnis auf die Forderung
der EU, die Blöcke 1- 4 des sicherheitstechnisch als
kritisch eingestuften Kernkraftwerks Kozloduj abzuschalten.
Laut Umfrage betrachtete die bulgarische Bevölkerung
diese Forderung als unerlaubten Eingriff in die Energieautonomie
Bulgariens. Die Bulgaren befürchten höhere Energiepreise
und forderten mit rund einer Million Unterschriften Ende der
90er Jahre den weiteren Ausbau der Atomenergie. Neben Wasserkraft
(7,5%) werden erneuerbare Ressourcen kaum genutzt.
Der breite Einsatz von Braunkohle zur Stromgewinnung bedeutet
eine hohe Umweltbelastung. Bulgariens Hauptumweltproblem ist
die hohe Luftverschmutzung. Zusätzlich gelten die Bereiche
Wasserversorgung und Abwasserentsorgung als problematisch.
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Bulgarien hatte in den letzten Jahren ein negatives Bevölkerungswachstum
zu verzeichnen (mehr Sterbefälle als Geburten). Zusätzlich
führt eine hohe Abwanderungsrate zu stetigem Bevölkerungsrückgang.
Die Lebenserwartung der Bulgaren ist während der letzten
10 Jahre zudem um zwei Jahre gesunken. Als alarmierend werden
die große Anzahl bösartiger Tumore und Herzgefäßerkrankungen
als Folge von Stress, fettreicher Ernährung, einem hohen
Tabakkonsum und die Ausbreitung typischer Armutskrankheiten
wie Tuberkulose genannt.
Erst 2000 führte Bulgarien ein Pflichtsozialversicherungssystem
ein. Das Rentensystem wurde modernisiert und in drei Säulen
untergliedert: 1. staatliche Umlage nach Pflichtbeitrag durch
den Arbeitnehmer; 2. obligatorische Einzahlung in einen Rentenfonds
und 3. freiwillige private Zusatzversicherung. Auf diese Weise
versucht man vor allem, dem Problem der hohen Arbeitslosigkeit
(18- 20%) und der damit verbundenen geringen Anzahl Beitragszahler
zu begegnen. Derzeit unterhalten die Beiträge von 100
Erwerbstätigen 90 Rentner. Die monatliche Höchstrente
liegt bei 80 Euro.
Das sehr gute und aufwendige Gesundheitssystem aus der kommunistischen
Ära konnte nicht aufrechterhalten werden. Bis 1990 war
die Gesundheitsfürsorge völlig kostenlos gewesen.
Die neu eingeführte Krankenversicherung, die von Arbeitnehmer
und Arbeitgeber finanziert wird, deckt längst nicht alle
medizinischen Leistungen. Das Ergebnis ist eine Zwei-Klassen-Medizin,
die oft nur denjenigen, die es sich finanziell leisten können,
eine angemessene medizinische Behandlung erlaubt.
Erst kürzlich wurde an der Universität in Sofia
ein Studiengang für Allgemeinmedizin eingerichtet. Bisher
zeichneten sich die bulgarischen Mediziner durch einen hohen
Grad an Spezialisierung aus. Bezogen auf die Bevölkerungszahl
ist der Anteil an hochqualifizierten Ärzten heute in
Bulgarien höher als in der Schweiz.
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Zur Zeit des Kalten Krieges war Bulgariens Innen- und Außenpolitik
eng an die damalige Sowjetunion angelehnt. Bulgarien galt
als sozialistisches Musterland in Südosteuropa. Auch
nach der Wende wurde diese besondere Freundschaft mit Moskau
durch die regierende Nachfolgepartei der Kommunisten als Ergänzung
zur EU- Integration und Alternative zur NATO-Osterweiterung
aufrechterhalten. Nachdem die Opposition 1997 die bisherige
Regierung abgelöst hatte, schlug Rumänien den Kurs
in Richtung Westen ein und erwartet im kommenden Jahr die
Aufnahme in die NATO. Der EU hofft Bulgarien 2007 beitreten
zu können. Dennoch sind traditionelle Bande mit Russland
vorhanden und werden erhalten. Bulgarien versteht sich als
Vermittler zwischen euro- atlantischen und russischen Interessen.
Bulgarien beteiligt sich bereits heute im Rahmen der Partnerschaft
für den Frieden an internationalen Missionen auf dem
Balkan, in Afghanistan und derzeit auch im Irak.
Die regionale Kooperation ist ein Schwerpunkt bulgarischer
Außenpolitik. Neben dem Stabilitätspakt für
Süd- Osteuropa konnten in den vergangenen Jahren noch
andere stabilisierende Abkommen in der Region geschlossen
werden, die Schwarzmeer- Wirtschaftskooperation etwa oder
die "Charta für Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft"
zwischen den Anrainerstaaten der ehemaligen Bundesrepublik
Jugoslawien.
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