| |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Deutschland
Bundesrepublik Deutschland
 |
 |
|
Einwohner
|
82,33 Mio.
|
|
Fläche
|
357.023 qkm
|
|
Einwohner / qkm
|
231
|
|
Hauptstadt
|
Berlin (3.387.000 Einwohner)
|
|
Amtssprachen
|
Deutsch
|
|
Religion
|
Protestanten (34 %),
Katholiken (33 %), Muslime (4 %)
|
|
Urbanisierung
|
87 %
|
|
Arbeitslosigkeit
|
8,3 % (2002)
|
|
Staatsform
|
Parlamentarische Bundesrepublik
|
|
Nationalfeiertag
|
3. 10. (Tag der Deutschen Einheit)
|
|
Regierung
|
Johannes Rau (Staatsoberhaupt)
Gerhard Schröder (Regierungschef)
|
|
Beitritt zur EG/EU
|
Gründungsmitglied
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Laut
und penetrant ist ihr Auftreten an Urlaubsorten. Als Raser,
Anhänger bayerischer Volksmusik, Würstchenesser,
Krautesser, Biertrinker und Weiße-Socken-zu-Sandalen-
Träger, deren Fußballmannschaften nur durch sehr
viel Glück die Spiele gewinnen, verleiht man ihnen auch
gern die Attribute ordnungsvernarrt in Spanien nennt
man sie "Cabezas quadradas" (Quadratköpfe)
arrogant, humorlos, autoritätshörig und bürokratisch.
Dafür liefern sie pünktlich tolle Autos. Kaum überraschend,
dass sich die Deutschen, denen diese nicht immer ganz ernst
gemeinten Beschreibungen im Ausland gelten, selber ganz anders
sehen. Selbstbewusstsein und Außenwirkung stimmen schließlich
nicht immer überein. Also wer oder was ist "der
Deutsche"?
Auch wenn das sich über nahezu ganz Europa erstreckende
Heilige Römische Reich Deutscher Nationen ihre Nationalitätsbezeichnung
im Namen getragen hatte und die deutschen Königshäuser
Monarchen in ganz Europa installieren konnten, so entstand
der eigentliche Staat der Deutschen doch erst später
als die meisten anderen europäischen Nationalstaaten.
Erst ab 1871 gab es einen wirklichen deutschen Kaiser (Wilhelm
I.) und einen deutschen Nationalstaat. Vielleicht ist diese
lang vermisste Identität verantwortlich gewesen für
eine nationalistische Ausprägung des deutschen Selbstbewusstseins
in der Folgezeit. Der junge Staat, der flächenmäßig
der größte Europas gewesen ist, versuchte seinen
Einfluss in Europa zu vergrößern.
Das Ergebnis ist bekannt. Deutschland löste zwei Weltkriege
aus, die nicht nur zur Zerstückelung des Landes selbst
führten, sondern auch zur Teilung Europas beitrugen.
Der Nationalstolz und das Selbstbewusstsein waren gebrochen,
die deutsche Bevölkerung suchte andere Zukunftsperspektiven.
Zum einen fanden die Deutschen diese in dem Wiederaufbau ihres
wirtschaftlich und infrastrukturell zerstörten Landes.
Eine zweite Vision galt Europa.
1947 wurde im Auftrag der französischen Besatzung eine
Umfrage unter deutschen Jugendlichen zwischen 15 und 25 durchgeführt.
Darin zeigte sich, dass sich 50% der Befragten für eine
Zukunft Deutschlands als Teil der "Vereinigten Staaten
von Europa" sahen. Europa war zur Ersatzidentität
der Deutschen geworden. Auch heute zeigen Umfragen ein ähnliches
Bild. In der nahen Zukunft sehen sich überdurchschnittlich
viele Deutsche primär als Europäer bzw. Europäer
und Deutsche. Auch deutsche Jugendliche identifizieren sich
stark mit der Europäischen Einigung. Eine kürzlich
Umfrage unter Jugendlichen aus fünf europäischen
Staaten (Spanien, Großbritannien, Österreich, Slowakei
und Deutschland) ergab, dass das nationale und europäische
Identitätsgefühl bei deutschen Jugendlichen in etwa
gleich stark ausgeprägt ist.
Mit
dem Aufschwung der deutschen Wirtschaft in den 50er und 60er
Jahren und dem damit verbundenen Gewinn an Einfluss und Ansehen
in der Welt, begannen die Deutschen langsam, ein neues Selbstbewusstsein
und auch Stolz auf die eigene Leistung zu entwickeln. Ein
nationales Symbol, das den Deutschen sehr ans Herz gewachsen
war und dessen Aufgabe ihnen entsprechend schwer fiel, war
die D- Mark.
Die Erfahrungen vor allem aus dem letzten Weltkrieg haben
die deutsche Bevölkerung dahingehend geprägt, dass
sie der Anwendung militärischer Gewalt sehr skeptisch
gegenübersteht, was zuletzt in der deutschen Positionierung
während des Irakkriegs deutlich wurde.
Natürlich gilt im speziellen Falle Deutschlands zu beachten,
dass der Staat fast 45 Jahre lang geteilt war, und die Deutschen
im Osten durch andere Lebenswelten und Erfahrungshorizonte
geprägt waren als die Westdeutschen. An der Überwindung
dieser "Mauer in den Köpfen" arbeiten die Deutschen
heute noch.
87 Prozent der deutschen Bevölkerung lebt in Städten.
Rund neun Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung
besitzt nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Unter
ihnen sind die türkischen Mitbürger mit über
2 Millionen die größte Gruppe. Und ... Berlin ist
wieder eine europäische Metropole.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
"Es
war einmal ein Land in der Mitte eines doch eher kleinen Kontinents,
das war zum Störenfried in der Staatengemeinschaft geworden,
indem es wiederholt Kriege angezettelt hatte
."
Leider hat die Geschichte wenig märchenhaftes
die von Deutschland ausgehenden Kriege waren unter anderem
die Ursache für die Teilung Europas im 20. Jahrhundert.
Die politischen Konsequenzen der beiden Weltkriege für
Deutschland sind bekannt: Teilung, Pufferstaat zwischen Ost
und West, die Einbindung in ein europäisches Staatenbündnis
zunächst nur für den westlichen Teil, der Fall der
Mauer und schließlich die Wiedervereinigung 1990.
Laut Grundgesetz von 1949 ist die Bundesrepublik ein parlamentarischer
Föderalstaat, der die vertikale Gewaltenteilung zwischen
Bund und Ländern vorschreibt. Zum Zeitpunkt der Entstehung
war das Grundgesetz nur als Provisorium verabschiedet worden
und sollte nach einer Wiedervereinigung durch eine "Verfassung,
die von dem deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossen
worden ist" ersetzt werden. Nach der Wiedervereinigung
wurde das Grundgesetz allerdings zur Verfassung des ganzen
Landes und erfuhr lediglich eine Überarbeitung.
Aus den Erfahrungen der Weimarer Republik beschränkte
man die Funktion und Einflussnahme des Staatsoberhauptes.
Bundespräsident Johannes Rau übernimmt heute weitestgehend
repräsentative Aufgaben. Gestärkt wurden hingegen
der Einflussbereich und die Position des Bundeskanzlers.
Ein wichtiges Merkmal für den deutschen Föderalismus
ist das hohe Maß an finanziellem Ausgleich zwischen
den ärmeren und reicheren Bundesländern. Der Länderfinanzausgleich
sorgt für eine Unterstützung ärmerer und strukturell
schwacher Gebiete zu Lasten wirtschaftlich reicher und erfolgreicher
Bundesländer. Wie auf europäischer Ebene beklagen
die Nettozahler von Zeit zu Zeit ihr Schicksal und fordern,
weniger zahlen zu müssen. Große Nettozahler im
deutschen Föderalismus sind derzeit Baden-Württemberg
und Bayern. Bayern
nimmt in so fern eine Sonderstellung unter den Bundesländern
ein, weil man sich im 19. Jahrhundert nur widerwillig dem
Deutschen Reich hinzugesellt hatte und zunächst Sonderprivilegien
genoss. 1949 ratifizierte der "Freistaat" Bayern
das Grundgesetz nicht (auch wenn der Text im oberbayerischen
Herrenchiemsee erarbeit wurde). Zum damaligen Zeitpunkt hatte
sich das Land unter amerikanischer Besatzung eine eigene Verfassung
und eine eigene Regierung gegeben. Gleichwohl ist Bayern ein
deutsches Bundesland mit praktisch allen damit verbundenen
Rechten und Pflichten.
Deutschland ist Gründungsmitglied der EG/EU und zugleich
größtes Land der Gemeinschaft. Nach dem zweiten
Weltkrieg sahen alle deutschen Regierungen in der (west-)europäischen
Integration einen Weg zur Wiedereingliederung in die Staatengemeinschaft
und als Garant für den Frieden innerhalb Europas. Ohne
diese Einbindung wäre auch die deutsche Wiedervereinigung
sicherlich nicht so reibungslos vonstatten gegangen. Traditionell
arbeitet Deutschland in der Fortentwicklung der europäischen
Einigung eng mit Frankreich zusammen. Die beiden Länder
werden darum häufig auch als Lokomotive der Integration
bezeichnet. Ohne Übereinstimmung Deutschlands und Frankreichs
lässt sich kein bedeutender Integrationsschritt vollziehen.
Durch eine EU-Osterweiterung würde sich die geographische
Randlage Deutschlands in der EU verringern und es könnten
interessante Absatzmärkte hinzugewonnen werden. Andererseits
sind mit der Osterweiterung gerade für Deutschland absehbar
auch hohe Kosten verbunden.
Die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zur europäischen
Integration hat seit Anfang der 90er Jahre deutliche Schwankungen
erlebt. So wurde die Einführung einer gemeinsamen Währung
von weiten Teilen der Bevölkerung abgelehnt und die Kosten
der Gemeinschaft in Form der "Nettozahlerdebatte"
verstärkt thematisiert. Auch der verstärkte Wettbewerbsdruck
im Binnenmarkt wird von einigen gesellschaftlichen Gruppen
zunehmend als Belastung empfunden. Auf diese Vorbehalte gegenüber
der EU muss die deutsche Regierung Rücksicht nehmen.
Im allgemeinen ist die Einstellung der Deutschen zur Europäischen
Integration im Vergleich zu anderen Mitgliedstaaten aber sehr
hoch.
Die EU-Erweiterung wird von Politikern und Bevölkerung
unterschiedlich bewertet. Mit der längsten Außengrenze
mit den Beitrittskandidaten von allen EU- Mitgliedern ist
das Interesse Deutschlands an politischer Stabilität
groß. Außerdem wird Deutschland absehbar am stärksten
wirtschaftlich von der Öffnung der mittel- und osteuropäischen
Märkte profitieren. Bereits heute ist kein anderes Land
derartig in Aufbauprojekte in den ehemaligen Ostblockstaaten
involviert wie die Bundesrepublik. Deutschland ist außerdem
Haupthandelspartner fast aller Kandidatenstaaten. Im Zuge
der Erweiterung wird Deutschland als Drehscheibe des Verkehrs
zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum sowie zwischen
West- und Osteuropa noch an Bedeutung gewinnen.
Die Bevölkerung hingegen fürchtet eine wachsende
Konkurrenz am Arbeitsmarkt (darum hatte sich die deutsche
Regierung für eine Übergangsfrist für die Freizügigkeit
der Arbeitnehmer eingesetzt), eine steigende grenzüberschreitende
Kriminalität und hohe Kosten für die Unterstützung
der Beitrittsländer.
Es versteht sich, dass die deutsche Position in den Verhandlungen
über die weitere Europäische Integration ein großes
Gewicht hat, zum einen aufgrund der Größe des Landes,
zum anderen wegen dem Umstand, dass Deutschland der größte
Nettozahler in der Gemeinschaft ist. Deutschland befürwortet
insbesondere eine Stärkung der externen Handlungsfähigkeit
der EU. In diesem Zusammenhang wird auch ein gemeinsamer Sitz
für die EU bei der UN angedacht.
Neue Aufgaben für die EU lehnt Berlin ab und fordert
stattdessen eine klarere Abgrenzung der Zuständigkeiten
zwischen der nationalen und der europäischen Ebene. Jedoch
wird die verstärkte Nutzung der bereits bestehenden Instrumente
und Rechtsgrundlagen, z.B. in bezug auf eine engere Abstimmung
in der Steuerpolitik oder dem Ausbau von Sozial- und Umweltstandards
befürwortet. Das von der deutschen Regierung vertretene
integrationspolitische Leitbild lässt sich mit einem
strikt am Subsidiaritätsprinzip ausgerichteten Föderalismus
umschreiben. Diese Haltung geht sicherlich auch auf die Erfahrungen
mit dem Föderalismus seit dem Zweiten Weltkrieg zurück.
Der
Entwurf für einen Vertrag über eine EU-Verfassung,
den der EU-Konvent zur Zukunft der EU vorgelegt hat, sollte
nach Auffassung der deutschen Regierung weitgehend übernommen
werden, da er ihn ihren Augen den besten möglichen Kompromiss
darstellt, der gegenwärtig zu erreichen ist und eine
Aufschnürung des Pakets dazu führen könnte,
dass man letztlich keine Einigung mehr findet.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Der Wirtschaftsaufschwung in Westdeutschland setzte 1952
ein und machte die Bundesrepublik zum reichsten und wirtschaftlich
einflussreichsten Staat Europas. Im Rahmen der Wiedervereinigung
1990 wurde mit der Transformation der ehemaligen DDR-Zentralverwaltungswirtschaft
in eine funktionierende Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild
begonnen. Hohe Transferzahlungen vom Westen an den Osten sorgen
für ein allmähliches Wohlstandswachstum in den neuen
Bundesländern. Der wirtschaftliche Anschluss an die westlichen
Gebiete ist allerdings noch nicht erfolgt. So liegt die durchschnittliche
Produktivität der Unternehmen in den neuen Bundesländern
immer noch bei etwa 65 Prozent des Niveaus von Westdeutschland.
Mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von über
2 Billionen Euro gehört Deutschland heute zu den führenden
Wirtschaftsnationen der Erde. Den größten Anteil
daran hat der Dienstleistungssektor, der kontinuierlich auf
Kosten des verarbeitenden Gewerbes wächst. Bei letzterem
machen die Automobilindustrie, der Maschinenbau und die Elektrotechnik
die größten Sektoren dar. Dazu kommen chemische
Produkte und Konsumgüter der Nahrungs- und Genussmittelbranche.
Zahlreiche Firmen haben in den letzten Jahren aus Kostengründen
ihre Produktion ins Ausland verlagert. Die Exportabhängigkeit
der deutschen Industrie d.h. der Anteil der Exporte
an der gesamten Wirtschaftsleistung - hat sich hingegen weiter
erhöht. Die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten
sinkt seit Jahrzehnten im Zuge der Aufgabe kleinerer und mittlerer
Betriebe. Bezogen auf die 36 Millionen Erwerbstätigen
in Deutschland sind derzeit 2,4 % in der Landwirtschaft beschäftigt,
32,4 % in der Industrie und 65,2 % im Dienstleistungssektor.
Abgesehen
davon, dass Deutschland der größte Kartoffelproduzent
in der EU ist, spielt Landwirtschaft doch eher eine untergeordnete
Rolle. Deutschland ist vor allem eine Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft.
Das Land verfügt über relativ wenig eigene Rohstoffe
und ist damit auf den Import von Rohstoffen angewiesen. Die
Erdgasförderung sichert zum Beispiel nur ein Fünftel
des Bedarfs. Der Rest, so wie auch Erdöl müssen
importiert werden. Erdöl deckt derzeit mit ungefähr
35% den Großteil des deutschen Energieverbrauchs, gefolgt
von Erdgas und Kohle (25%). Obwohl Deutschland mit Milliardensubventionen
den deutschen Steinkohleabbau am Leben erhält, wird Steinkohle
zusätzlich importiert. Nachdem Deutschland 2002 gesetzlich
den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte, müssen
zukünftig verstärkt alternative Energieversorgungen
eingesetzt werden. Wind- und Wasserkraft, Solarenergie und
Biomasse tragen derzeit 6,3% zur Stromgewinnung bei. Ihre
Nutzung soll bis 2010 mindestens verdoppelt werden.
Kein anderes EU- Land wird von der Erweiterung der EU derartig
profitieren wie Deutschland. Bereits jetzt ist vor allem die
Bundesrepublik an Projekten beteiligt, die den Beitrittskandidaten
das Aufholen und die Erfüllung des Acquis Communautaire
ermöglichen sollen. Der Außenhandel mit den ehemaligen
Ostblockstaaten steigt seit Jahren kräftig an, und bereits
heute ist Deutschland wichtigster Handelspartner der meisten
Beitrittskandidaten (auch der nicht angrenzenden).
Bereits zum zweiten Mal in Folge verstößt Deutschland
gegen die Vorgaben des Stabilitätspaktes. Mit einer Neuverschuldung
von 3,8% liegt man in Berlin erheblich über der einst
auf Initiative des deutschen Wirtschaftsministeriums eingeführten
Grenze des sogenannten "Stabilitäts- und Wachstumspakts"
von 3%.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Der Sozialstaat moderner Prägung hat seine Wurzeln in
Deutschland. Als erster Staat überhaupt führte die
deutsche Regierung unter Bismarck 1883 eine öffentliche
Krankenversicherung ein auch um den an Einfluss gewinnenden
Sozialdemokraten das Wasser abzugraben. Seitdem hat sich der
deutsche Sozialstaat zu einem umfassenden System der sozialen
Sicherung entwickelt.
Die Abschwächung des Wirtschaftswachstums, so wie eine
stetige Alterung der Bevölkerung aufgrund steigender
Lebenserwartung, niedriger Geburtenquoten und geringer Zuwanderung
haben auch in Deutschland eine Reform des Sozialwesens notwendig
gemacht. Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit führt zu
weiteren Finanzierungslücken. Eine zusätzliche Belastung
des deutschen Sozialsystems stellen die hohen Transferzahlungen
für den "Aufbau Ost" dar.
Nach einer langen Phase des Reformstaus hat sich die derzeitige
Bundesregierung an die überfälligen Reformen gewagt.
Auf Vorschlag der sogenannten Hartz-Kommission wurde eine
Arbeitsmarktreform begonnen, die durch die Absenkung von Leistungen
für Arbeitslose, mit Hilfe von privaten Vermittlungsagenturen,
der Förderung von "Mini-Jobs" und Selbständigkeit
die hohe Arbeitslosigkeit von derzeit 10,6 Prozent deutlich
verringern soll. Zum Teil werden auch hohen Lohnkosten und
starre Regulierungen für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich
gemacht. Eine Reform des Rentensystems erfolgte bereits 2001
durch die so genannte "Riester- Rente", eine staatlich
geförderte, private und kapitalgedeckte Altersvorsorge.
Der Reformprozess wird derzeit fortgesetzt und anhand des
Berichtes der Rürup-Kommission fortgeführt.
Die deutsche Bildungsministerin Bulmahn forderte nicht erst
nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Schulstudie
eine umfassende Bildungsreform, die eine gewisse Selbstkontrolle
des Schulsystems, verstärkte individuelle Förderung
von ausländischen Kindern und Jugendlichen sowie eine
Angleichung der Lernstandards in ganz Deutschland beinhalten
soll.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Bundeskanzler Adenauer gleich
von Beginn seiner Amtszeit an auf die Einbindung Westdeutschlands
in euroatlantische Strukturen gesetzt. Westdeutschland trat
1955 der NATO bei und setzte auf die (West-) Europäische
Einigung. Die transatlantische Partnerschaft mit den USA war
eine der wesentlichen Kontinuitäten der deutschen Außenpolitik.
Traditionell hat Deutschland eine vermittelnde Rolle zwischen
den USA und Frankreich eingenommen. 1989 hob der damalige
US-Präsident George Bush die herausragende Bedeutung
der deutsch-amerikanischen Beziehungen hervor: "Partners
in Leadership" war das Konzept, das Bush vorschwebte.
Im Zuge des letzten Irakkrieges hatte sich das Verhältnis
jedoch deutlich abgekühlt, da die deutsche Regierung
eine Unterstützung einer militärischen Intervention
im Irak wohl nicht zuletzt wegen der anstehenden Wahlen
im Herbst 2002 rundweg ablehnte. Nicht zuletzt vor
dem Hintergrund der Kriege im ehemaligen Jugoslawien in den
90er Jahren, setzt sich Deutschland verstärkt für
den Ausbau einer europäischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik
ein.
Hinsichtlich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
(GASP) fordert die Bundesregierung deren Weiterentwicklung,
weg vom zwischenstaatlichen Charakter und hin zu einer einheitlich
handelnden Union. Auch innerhalb der GASP wird von deutscher
Seite eine weitgehende Anwendung von Mehrheitsbeschlüssen
befürwortet. Die Möglichkeit, dass ein einzelner
Mitgliedstaat (wenn er hierdurch wichtige nationale Interessen
gefährdet sieht) zu gemeinsamen Beschlüssen ein
Veto einlegen kann, will die deutsche Regierung abschaffen.
Die Einstimmigkeiterfordernis innerhalb der GASP sollte auf
wenige Bereiche, wie z.B. militärische Einsätze,
beschränkt werden. Die politische Verantwortung und die
Außenvertretung der EU in der Gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik will Deutschland beim Rat belassen.
Die Kommission soll lediglich über eine intensivere Absprache
mit dem Rat verstärkt in die GASP eingebunden werden.
Die Rolle der Kommission als Vertreterin der EU in Fragen
der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit (z.B.
WTO) soll hingegen beibehalten werden.
Noch von der letzten Bundesregierung stammte der Vorschlag
einer engen Zusammenarbeit im Rüstungsbereich, um die
Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Rüstungsindustrie
zu stärken und die Kosten für Forschung und Entwicklung
in diesem Bereich zu senken. Eine Zusammenarbeit der europäischen
Rüstungsindustrie wird auch von der gegenwärtigen
Bundesregierung unterstützt. Die Bundeswehr hat im Zuge
der "neuen Weltordnung" einen tiefgreifenden Strukturwandel
erfahren. In Folge der Veränderungen nach dem Fall der
Mauer, wurde die Bundeswehr in mehreren Schritten verkleinert.
Zunehmend wird in Deutschland die Aufhebung der Wehrpflicht
diskutiert.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
|