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Estland
Eesti
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Einwohner
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1,4 Mio.
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Fläche
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45.227 qkm
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Einwohner / qkm
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31
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Hauptstadt
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Talinn (399.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Estnisch
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Religion
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Lutheraner, Estnisch-orthodoxe
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Urbanisierung
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73 %
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Arbeitslosigkeit
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10,3 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Nationalfeiertag
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24. Februar
(Gründung der Republik 1921)
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Regierung
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Arnold Rüütel (Staatsoberhaupt)
Juhan Parts (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1. Mai 2004
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Nach der Unabhängigkeitserklärung Estlands 1988
dauerte die eigentliche Loslösung von der damaligen Sowjetunion
noch bis 1992. Der Ostblock war zu diesem Zeitpunkt bereits
auseinander gebrochen, und bei einem Referendum 1991 hatten
sich 77,8% der Esten für die Unabhängigkeit ausgesprochen.
Laut Verfassung erklärte sich Estland 1992 zu einer parlamentarischen
Demokratie. Derzeitiges Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident
Arnold Rüütel, der nicht nur rein repräsentative
Funktionen besitzt. Unter den estnischen Parteien haben sich
noch keine dominierenden Richtungen herausgebildet, und so
konkurrieren die bestehenden Parteien um die gleichen Wählergruppen.
So war es seit 1992 zu mehreren Machtwechseln gekommen. Derzeitige
stärkste Partei ist Res Publica mit dem jungen Ministerpräsidenten
(er ist 36) Juhan Parts.
Aufgrund
historischer Verbindungen mit Westeuropa, vor allem Deutschland,
und der damit einhergehenden Positionierung auf deutscher
Seite, wurde Estland nach Ende des 2. Weltkrieges größerer
"Russifizierungskampagnen" unterworfen. Die Ersetzung
der lokalen Bevölkerung durch sowjetische Bürger
sollte der damaligen UDSSR ihre Souveränität im
Baltikum garantieren. Als Folge dieser Zwangsansiedelungspolitik
Moskaus ist heute ein Drittel der Bewohner Estlands russischsprachig.
Ihnen wurde der Status von Nicht- Staatsangehörigen mit
eingeschränkten politischen Mitspracherechten (Wahlrecht
auf kommunaler Ebene) verliehen. Derzeit sitzen sechs russischsprachige
Abgeordnete im Parlament. Langjährige Bewohner Estlands
können die estnische Staatsbürgerschaft nach einer
Sprachprüfung sowie einem Test in Landeskunde und über
die Verfassung erwerben.
Das
Ergebnis der Volksbefragung zum EU- Beitritt war nicht wirklich
fraglich gewesen. Überraschenderweise hatte sich jedoch
einen Monat vor der Abstimmung die größte Oppositionspartei
um den Bürgermeister von Tallin gegen den EU- Beitritt
ausgesprochen und die EU mit der früheren Sowjetunion
verglichen. Dieser Positionierung ist es möglicherweise
zuzuschreiben, dass das Ergebnis schlechter als erwartet ausgefallen
war (63% Ja- Stimmen). Lange Zeit hatte sich vor allem die
russischsprachige Bevölkerung mit Blick auf den umfangreichen
Minderheitenschutz in der EU für den Beitritt ausgesprochen.
Mitbestimmungsrecht hatte der Großteil von ihnen bei
dem Referendum im September 2003 zwar nicht. Diejenigen, die
jedoch an der Wahl teilnehmen durften, hatten aufgrund Russland-
feindlicher EU- Werbung und dem Aufruf eines russischen Politikers,
die antirussische Politik der EU nicht zu unterstützen,
gegen die Erweiterung gestimmt. Die estnische Industrie- und
Handelskammer hatte mit einem Plakat "Ist Russland ein
Freund?" und einer anschließenden Auflistung aller
kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Esten und Russen
für den EU- Beitritt geworben. Ein anderes Werbeplakat
zeigte zum "Ja" eine EU- Karte und einen Korb voller
Lebensmittel. Das "Nein" stand mit Russland und
einem im Abfall wühlenden Obdachlosen in Verbindung.
Politisch korrekter warb die Regierungspartei Res Publica:
"230 Millionen Männer leben in der EU. Sie trinken
weniger und leben länger als Esten. Mach auch Du Deinen
Mann zum Europäer!".
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Estonia - ten points! Auch wenn der Grand Prix
dEurovision de la Chanson bereits 2002 in Tallinn stattgefunden
hat, sei der Verweis hier erlaubt: Estland gehört nämlich
im Hinblick auf die Entwicklung zu den so genannten Vorzeigestaaten
unter den EU- Beitrittskandidaten und gilt wie Irland als
"Tigerstaat":
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Bereits 2001 war die Privatisierung der vormaligen Zentralverwaltungswirtschaft
abgeschlossen,
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Das Wirtschaftswachstum ist überdurchschnittlich
(2002: 5,8%).
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Niedrige Steuern sorgten für Investitionen aus dem
Ausland: skandinavische Kommunikations-technologiekonzerne
haben ihre Produktion zum Teil nach Estland ausgelagert.
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Hinsichtlich seiner Technologisierungsrate gehört
Estland zu den fortgeschrittensten Staaten Europas. Alle
Schulen verfügen über Internetanschluss, und
das Projekt E- Government ermöglicht die Abstimmung
über Gesetze oder die Teilnahme an Wahlen online.
Mehr als 50% aller Esten haben ein Mobiltelefon, 46,7%
haben Zugang zum Internet.
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Seit März 2002 arbeitet Estland an der Erstellung
einer Genom- Datenbank mit den Daten von einer Million
Einwohner: ein interessanter Standortfaktor für die
Ansiedlung von Biotechnologie- Unternehmen.
Der
enorme Aufschwung Estlands kommt jedoch nicht allen Bewohnern
des Landes zu Gute. Der Unterschied zwischen Reich und Arm
hat sich in den letzten Jahren vergrößert. Besonders
hart trifft es die älteren Menschen. Bei mit Westeuropa
vergleichbaren Verbraucherpreisen liegen die monatlichen Renten
von durchschnittlich 99 Euro und das durchschnittliche pro
Kopf Einkommen von 146 Euro nicht mal in der Nähe des
Existenzminimums.
Traditionell hat sich die estnische Wirtschaft auf den Handel
mit Rohstoffen und Halbfabrikaten aus den Bereichen Holz,
Textil und Metall spezialisiert. Wichtige Exportprodukte sind
außerdem elektronische Geräte, die im Auftrag skandinavischer
Kommunikationsindustrie gefertigt werden.
Im Bereich Dienstleistungen spielen vor allem Tourismus und
Transport (Transithandel mit russischem Öl) eine Rolle.
Die Landwirtschaft trägt nur 3,7% zur Wertschöpfung
des BIP bei. Getreide, Kartoffeln und Raps werden angebaut,
wichtiger ist jedoch die Milchwirtschaft.
Estland
verfügt über einen natürlichen Landschaftsreichtum.
Ein Drittel des Staatsgebietes ist mit Wald bedeckt. Die artenreiche
Tierwelt umfasst auch die im übrigen Europa zum Großteil
ausgestorbenen Bären, Wölfe und Luchse. Umweltprobleme
ergeben sich vor allem durch die Verbrennung von Ölschiefer,
die 90% der Strom- und Wärmeversorgung sicherstellt.
Der hohe Stickstoff- und Staubanteil, der bei der Verbrennung
freigesetzt wird, führt zu erheblicher Luftverschmutzung.
Auch der Tagebau zur Gewinnung der Ölschiefer schadet
der Umwelt, indem die Landschaft zerstört wird. Die EU
hat Estland zur Auflage gemacht, bis 2012 den Ölschiefersektor
zur restrukturieren. Erneuerbare Energien kommen bisher kaum
zum Einsatz. Mit Hilfe von Windkraft und Biomasse will Estland
bis 2010 eine Energieversorgung von 5% erreichen.
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Estlands derzeitiger wirtschaftlicher Standortvorteil besteht
vor allem darin, dass Löhne niedrig sind und die soziale
Absicherung der Arbeitnehmer gering, also günstiger ist.
Der soziale Dialog zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ist stark unterentwickelt. Nur 14% der Arbeitnehmer sind Mitglied
in einer Gewerkschaft.
Der
Aufbau leistungsfähiger sozialer Sicherungssysteme ist
in Estland wie auch in den anderen baltischen Staaten lange
Zeit vernachlässigt worden. Größtes Problem
stellte die Umstrukturierung des Rentensystems dar. Mit einer
hohen Arbeitslosenquote (2002: 10,3%) und einem negativen
Bevölkerungswachstum ist die Zahlung der zukünftigen
Rentenbeiträge nicht gesichert. Ein großes Problem
bedeutet zudem der hohe Anteil Schwarzarbeit im Land: die
Sozialkassen bleiben leer. 2001 wurde deshalb eine Rentenreform
durchgeführt und der staatlichen Versorgung eine private
Säule hinzugefügt. Der Arbeitnehmer darf noch wählen,
ob er sich rein staatlich oder gemischt absichern will.
Die Krankenversicherung deckt sich durch eine Sozialsteuer,
für die der Arbeitnehmer 13% des Bruttolohnes abführt.
Eine staatliche Arbeitslosenversicherung wurde gerade erst
eingeführt.
In den vergangenen 10 Jahren wurden in Estland einige Bildungsreformen
durchgeführt. Seit 1993 ist den nationalen Minderheiten
erlaubt, private Gymnasien einzurichten und dort in einer
anderen Sprache als Estnisch zu unterrichten. Neben den Universitäten
(28 für ca. 28.000 Studenten!) wurden College- ähnliche
Bildungsformen mit einer Studiendauer von vier Jahren eingeführt.
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Als Staat zwischen zwei Machtblöcken hatte Estland ab
1992 die Wahl der Positionierung. Vor allem die schlechte
Erfahrung mit Russland in der Zeit des Kalten Krieges, aber
auch die verhängten Sanktionen seitens Russlands im Anschluss
an die Unabhängigkeitserklärung Estlands gaben den
Ausschlag für eine Ausrichtung der estnischen Politik
in Richtung Westen. Der EU- und NATO- Beitritt steht 2004
bevor.
Im Rahmen des Ostseerates arbeitet Estland jedoch nach wie
vor mit Russland zusammen.
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