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Spanien
Espana
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Einwohner
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41,12 Mio.
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Fläche
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504 782 qkm
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Einwohner / qkm
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82
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Hauptstadt
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Madrid (2.393.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Spanisch, Katalanisch (regional),
Baskisch (regional), Galizisch (regional)
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Religion
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Katholiken (96 %), Protestanten und Muslime
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Urbanisierung
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78 %
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Arbeitslosigkeit
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11,2 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Monarchie
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Nationalfeiertag
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12. 10. (Entdeckung Amerikas durch Columbus)
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Regierung
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König Juan Carlos I. (Staatsoberhaupt)
José Maria Aznar (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1986
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Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner einstigen Stellung
als See-und Handelsmacht war Spanien über die Jahrhunderte
hinweg zahlreichen unterschiedlichen kulturellen Einflüssen
ausgesetzt. Nach der Romanisierung der iberischen Halbinsel
durch Kaiser Augustus brachte Spanien sogar einige römische
Kaiser (Trajan, Hadrian, Theodosius) hervor. Die christianisierte
römisch-katholische Bevölkerung Spaniens erlebte
im frühen 8. Jahrhundert die Eroberung ihres Siedlungsgebietes
durch das vordringende islamische Großreich, das in
Spanien ein eigenständiges Kalifat errichtete.
Auch wenn die Spanier nach und nach das gesamte Territorium
zurückerobern konnten, lebten auf der iberischen Halbinsel
über eine Spanne von rund 750 Jahren Muslime, Juden und
Christen in enger Nachbarschaft. Eine derartig "multikulturelle"
Gesellschaft hatte es nach Zusammenbruch des Römischen
Reichs auf europäischem Boden noch nicht wieder gegeben.
Königin Isabella von Kastilien und ihr Mann Ferdinand
II von Aragonien vertrieben schließlich Ende des 15.
Jahrhundert die meisten Muslime und Juden aus ihrem Reich.
Der Einfluss der Mauren, der muslimischen Herrscher, lässt
sich heute vor allem in der Architektur ausmachen.
Nach erfolgreichem Abschluss der Reconquista wurden die spanischen
Königreiche zu einem einzigen vereint, das fortan eine
Vormachtstellung in der Welt ausbauen sollte. Als Folge der
Unterdrückung der katholischen Religion während
der Jahrhunderte langen Fremdbeherrschung wurde Spanien nun
zum katholischen Vorzeigestaat und verfolgte mit der heiligen
Inquisition Anders-und Ungläubige. Spanien galt später
auch als Vormacht der europäischen Gegenreformation.
Die
Unterstützung des damals unbekannten Italieners Columbus
brachte der spanischen Krone Amerika als Kolonie, und die
Spanier Cortez und Pizarro eroberten im Namen der spanischen
Krone den größten Teil Mittel-und Südamerikas.
Große Reichtümer strömten ins spanische Mutterland.
Doch dauerte diese Vormachtstellung Spaniens nur ca. 100 Jahre
an. Im späten 16. Jahrhundert hatten sich Wohlstand und
Ruhm in diversen Kriegen gegen andere europäische Staaten
(vor allem England) verflüchtigt. Das große Reich
zerfiel, und Spanien versank außenpolitisch allmählich
in der Bedeutungslosigkeit.
Die Spanier sind leidenschaftliche Lokalpatrioten. Ihre Identität
konzentriert sich vornehmlich auf ihre Heimatprovinz denn
auf ihre Nation. Nach dem Ende der Militärdiktatur Francos
hat die regionale Identität eine blitzartige Neubelebung
erfahren. In vielen Provinzen gibt es separatistische Tendenzen,
wobei das Baskenland mit seiner terroristischen Untergrundorganisation
ETA die Forderungen nach mehr Unabhängigkeit am militantesten
durchzusetzen versucht. "Den Spanier" oder "das
Spanische" wird man deshalb vergeblich suchen. Dies zeigt
sich schon an der ungeheuren Sprachvielfalt. Was gängig
als "Spanisch" bezeichnet wird ist eigentlich Kastilisch.
Basken, Katalonen und Galizier haben ihre eigenständige
Sprache. So sind es auch diese vier Sprachen, die als offizielle
Sprachen Spaniens gelten. Daneben gibt es eine Vielzahl stark
differierender regionaler Dialekte.
Spaniens
Mitgliedschaft in der EU wird von den Spaniern überwiegend
positiv bewertet (62%). Eine Umfrage unter Jugendlichen in
fünf europäischen Ländern hat jedoch bestätigt,
dass die Identifikation spanischer Jugendlicher mit Europa
eher gering ist und zum Teil erheblich von der Ausprägung
der nationalen Identität abweicht.
Einem speziellen Brauch der Spanier begegnet man im übrigen
Europa zum Teil mit Kopfschütteln und Unverständnis:
dem Stierkampf. Dabei betonen die Spanier gegenüber ihren
Kritikern, dass es sich um einen Sport mit Tradition handelt.
Bereits im Mittelalter war der Stierkampf ein fester Bestandteil
der Feste bei Hof gewesen.
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Nachdem Spanien Jahrhunderte lang eine Welt-und Kolonialmacht
gewesen war, geriet es im 20. Jahrhundert in einen Bürgerkrieg
mit anschließender Militärdiktatur und damit in
die Isolation von den übrigen europäischen Staaten.
Erst nach dem Tod des Diktators Franco 1975 bildete sich in
Spanien eine parlamentarische Monarchie mit König Juan
Carlos I. als Staatsoberhaupt. Mit der Annahme einer Verfassung
1978 und dem souveränen Niederschlagen eines Putschversuchs
1981 bewies Spanien, dass es an der Errichtung eines stabilen
demokratischen Systems arbeitete und von nun an auf internationalem
Parkett ein verlässlicher Partner sein würde. 1982
trat Spanien der NATO bei, 1986 zusammen mit Portugal der
EG.
Spanien gehört in der EU zu den großen Mitgliedstaaten
und stellt derzeit zwei Kommissare. Außerdem ist das
Land der größte Netto-Empfänger der EU. Um
gegen das mächtige Doppelgespann Deutschland-Frankreich
antreten zu können, formierte sich unter Ministerpräsident
Aznar immer öfter die politische Achse Spanien-Italien-Großbritannien.
Zur Zukunft Europas nimmt Aznar eher Abstand von der Vorstellung
eines Föderalstaats. Dennoch fordert er ein Fortschreiten
der Integration, vor allem in den Bereichen Justiz und Inneres
und Sicherheit und Verteidigung. Die Europäischen Institutionen
Rat, Kommission und Parlament sollen weiterhin gleichgewichtig
nebeneinander agieren.
Schon früh hatte Spanien realisiert, dass bei einer
EU Osterweiterung die eigenen Geldzuweisungen aus Struktur-und
Kohäsionsfonds geringer ausfallen würden. Deshalb
forderte das Land Garantien für weitere Unterstützungen
derjenigen Regionen, die nach einer Erweiterung plötzlich
über dem Schnitt von 75% des durchschnittlichen EU-BIP
liegen. Eine Untersuchung durch die EU-Kommission ergab jedoch,
dass keine nennenswerten Verluste auf Spanien zukommen werden.
Wie die Zukunft der Kohäsionsfonds-Förderung aussehen
wird, ist bisher noch nicht vollständig geklärt
worden. Spanien, Hauptbegünstigter dieses Fonds, wird
bei der finanziellen Planung für 2007+ sicher genauso
viel Verhandlungsgeschick beweisen müssen wie bei den
Verhandlungen zur Agenda 2000 um die eigenen Besitzstände
zu wahren.
Obwohl die finanziellen Auswirkungen der EU Erweiterung
also für Spanien nicht ganz klar sind und möglicherweise
zu weniger Geldzuweisungen führt, sieht Spanien die politische
Notwendigkeit der Erweiterung. Das Land hatte selber erfahren
können, wie die Mitgliedschaft in der EG den Demokratie-und
Aufholprozess fördert. Besonders die Bevölkerung
zeigt eine überdurchschnittliche Zustimmung.
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Zu
Zeiten der Militärdiktatur war die Wirtschaft Spaniens
auf den Agrarsektor konzentriert. Zahlreiche Umstrukturierungen
waren erforderlich, um Spanien wirtschaftlich wettbewerbsfähig
zu machen. Heute ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige
der Tourismus. Spanien ist nach Frankreich das zweite Touristenziel
weltweit und weltweit der sechstgrößte Kfz-Hersteller.
Exportgüter sind Automobile und landwirtschaftliche Produkte
wie Obst, Gemüse und Wein. Spanien stellt für 2003
mit 3% eine verglichen mit anderen EU-Ländern optimistische
Wirtschaftswachstumsprognose. Als problematisch könnte
sich in der Zukunft Spaniens hohe Inflationsrate erweisen
(2002: 4%).
Spanien verfügt über nur wenig Primärenergiequellen.
Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten steigt der
Primärenergieverbrauch in Spanien jedoch stetig. Ein
aktueller Plan zur Förderung erneuerbarer Energien soll
Spanien bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls (der Einsatz
von erneuerbaren Energien bis zu 12% bis 2010) unterstützen.
Vor allem Biomasse, aber auch Wasser-und Windkraft sollen
verstärkt zur Energiegewinnung eingesetzt werden. Sonnenenergie
wird überraschenderweise kaum genutzt. Spanien ist einer
der größten europäischen Produzenten von Atomstrom.
Im Jahr 2000 wurden 31% des spanischen Gesamtenergiebedarfs
in den 10 Atomkraftwerken gewonnen. In den 70er Jahren hatte
die Regierung sogar den Bau von 30 weiteren Anlagen geplant.
Bisherige Rückständigkeit spanischer Industrieanlagen
im Bereich Umweltschutz wird nach und nach behoben. Der Nachhaltigkeitsbericht,
der 2002 auf dem Weltwirtschaftsgipfel vorgestellt wurde,
bescheinigte Spanien einen guten 42. Platz (von 142 untersuchten
Nationen).
Obwohl Spanien Fortschritte hinsichtlich der Technologisierung
der Bevölkerung macht, liegt die Quote spanischer Internetnutzer
mit 20% der Gesamtbevölkerung noch weit hinter der anderer
europäischer Staaten (zum Vergleich: Deutschland: fast
40%). Unter spanischer Präsidentschaft gelang es 2002
gegen die Stimmen Deutschlands, Großbritanniens und
der Niederlande, das Projekt Galileo voranzutreiben, durch
das Europa 2008 ein neues Satelliten-Navigationssystem zur
besseren Koordinierung von Reise-und Güterverkehr erhalten
soll.
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Obwohl der Geburtenrückgang ein europäisches Phänomen
ist, hat kaum ein anderes Land so mit der Überalterung
seiner Bevölkerung zu kämpfen wie Spanien. Spanien
weist das niedrigste Bevölkerungswachstum EU-weit auf.
Gleichzeitig werden die Menschen mit durchschnittlich knapp
80 Jahren am ältesten, fast 25% der Bevölkerung
sind über 65 Jahre. Möglicherweise ist der Geburtenrückgang
darauf zurückzuführen, dass die Vereinbarung von
Familie und Beruf in Spanien noch wenig gegeben ist. Die spanischen
Frauen wurden aufgrund des starken gesellschaftspolitischen
Einflusses der katholischen Kirche länger als in anderen
Staaten ausschließlich mit der Versorgung der Familie
betraut. Erst in den letzten 10-12 Jahren eroberten sie sich
die gesellschaftliche Anerkennung der Berufstätigkeit.
Im Jahr 2000 betrug die Quote berufstätiger Frauen in
Spanien 40%, wohingegen der nordeuropäische Durchschnitt
bei 60% liegt.
Spanien weist momentan die höchste AIDS-Rate innerhalb
der EU auf. 0,33% der Bevölkerung ist HIV positiv.
Die Rate der Neuansteckungen ist im Vergleich zu anderen EU
Ländern bis zu 10 mal höher. Lange Zeit gab
man dem Einfluss der katholischen Kirche die Schuld für
die Ausbreitung des Virus, jedoch stand dies im Widerspruch
zu dem geringen Bevölkerungswachstum, das zeigt, dass
sexuelle Aufklärung auch im katholischen Spanien kein
Tabuthema mehr ist. Eine breitangelegte Studie bewies schließlich,
dass über 70% der HIV infizierten Menschen aus
dem Drogenmilieu stammen und sich auf diesem Wege angesteckt
hatten.
Wie in anderen südeuropäischen Ländern auch
spielt in Spanien im sozialen Bereich die Familie noch eine
wesentliche Rolle. Bei einer Umfrage unter spanischen Jugendlichen
nannten 76% die Familie als sehr wichtig, noch vor Freunden
(67%). Die Familie als wirtschaftliche und soziale Einheit
wird bei Arbeitslosigkeit und im Alter als Sicherheitsgarantie
betrachtet. Solidarität zwischen den Generationen ist
sehr wichtig, und 90% der Spanier meinen, dass die Pflege
der alten Eltern die Aufgabe der Kinder sei. Altersheimen
begegnet man mit Misstrauen. Zusätzlich zur Familie als
Sozialträger gibt es eine beitragsfinanzierte Sozialversicherung,
Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung. 83% der Beiträge
trägt der Arbeitgeber.
Spanien weist die höchste Arbeitslosenquote innerhalb
der EU auf: 12% der Spanier sind arbeitslos. Sieben Jahre
zuvor waren es allerdings noch 22,9% gewesen. Besonders hoch
ist der Anteil der arbeitslosen Frauen (20%). Laut Umfrage
(aktuelles Eurobarometer, Frühling 2003) setzen die Spanier
ihre Hoffnung in Bezug auf Verringerung der Arbeitslosigkeit
auf die EU. Unter spanischer EU-Präsidentschaft wurde
die Vollbeschäftigung bis 2010 als Ziel gesetzt, allerdings
ohne konkrete Maßnahmen vorzuschlagen.
In seiner Antrittsrede nannte Aznar die Verbesserung der
Bildungsqualität als oberstes Ziel seiner Regierung.
Die Notwendigkeit dafür wurde spätestens bei Präsentation
der Ergebnisse der PISA-Schulstudie deutlich: Spanien schnitt
in allen drei untersuchten Bereichen unterdurchschnittlich
ab.
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Die baskische Terroristengruppe ETA kämpft seit 40 Jahren
gegen den spanischen Staat. Mittlerweile hat man dem Baskenland
Teilautonomie mit einer eigenen Verfassung und Sonderrechten
zugestanden. Nach der Aufkündigung des Waffenstillstandes
werden neue Anschlagsserien befürchtet Laut Umfrage bezeichnen
die Spanier den Terrorismus als größtes Problem
des Landes. Schon viele Jahre versucht Spanien deshalb, Terrorismusbekämpfung
als Thema nach Gesamteuropa zu bringen. Aber erst der Aufruf
zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus, der nach
dem 11. September erfolgte, konnte schließlich von der
spanischen Regierung dazu genutzt werden, auf den nationalen
Terrorismus verstärkt aufmerksam zu machen. Spanien setzt
auf ein internationales Vorgehen. Auf Initiative der Spanischen
Ratspräsidentschaft beschlossen 2002 sechs EU Staaten
(Belgien, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Portugal
und Spanien) die vorzeitige Einführung des Europäischen
Haftbefehls, der aufgrund der Verzögerungen durch italienische
Einsprüche europaweit frühestens ab 2004 gelten
wird.
Bereits heute arbeitet die spanische Polizei bei der Bekämpfung
der ETA eng mit der französischen zusammen. Auf Anregung
Spaniens wurde das Thema Terrorismusbekämpfung in die
zweite Säule, die GASP (Gemeinsame Außen-und Sicherheitspolitik)
übertragen und steht dort neben den Petersberger Aufgaben
(friedenschaffende Kampfeinsätze). Außerdem wurden
auf Spaniens Initiative Verhandlungen mit den USA zum Thema
juristische Zusammenarbeit und Auslieferungsabkommen aufgenommen.
Generell wünscht sich Ministerpräsident Aznar eine
stärkere sicherheitspolitische Anbindung an die NATO
und die USA. 2002 schloss Spanien sogar ein Verteidigungsabkommen
mit den USA, das unter anderem US amerikanischen Geheimdiensten
die Tätigkeit in Spanien erlaubt.
Als
Land mit Außengrenzen zu Nicht-EU-Staaten ist Spanien
verstärkt von illegaler Einwanderung betroffen. Besonders
die spanischen Städte Ceuta und Melilla, die an der nordafrikanischen
Küste liegen, sind bevorzugte Anlaufstellen für
Immigranten. So könnte zu erklären sein, dass unter
spanischer Ratspräsidentschaft Italien, Großbritannien
und Spanien ein Programm zur illegalen Einwanderung formulierten,
das Sanktionen für die Herkunftsländer illegaler
Einwanderer vorsieht.
Aufgrund seiner geografischen Lage und seiner Geschichte
als Kolonialmacht unterhält Spanien enge Beziehungen
zu den Mittelmeeranrainerstaaten, den USA und Lateinamerika.
Auf der Mittelmeerkonferenz in Spanien wurde 1995 die Errichtung
einer euro-mediterranen Freihandelszone bis 2010 ausgehandelt.
Spaniens Einsatz für ein Freihandelsabkommen mit der
südamerikanischen Handelszone Mercosur musste jedoch
wegen der katastrophalen Wirtschaftsentwicklung in Argentinien
erst einmal ausgesetzt werden.
Politischen Einsatz zeigte Spanien auch im Nahost-Konflikt.
Im Rahmen der weltweit Aufsehen erregenden Belagerung der
Bethlehem-Geburtskirche durch Israel im letzten Jahr, erklärte
sich Spanien bereit, 13 der in der Kirche Zuflucht suchenden
Palästinenser aufzunehmen.
Nur ein einziges Mal im 20. Jahrhundert nahm Spanien an Kampfhandlungen
außerhalb des eigenen Hoheitsgebietes teil: am NATO-Einsatz
in Serbien 1999. Friedensmissionen werden weltweit von spanischen
Soldaten unterstützt: in Bosnien, dem Kosovo, in Afghanistan,
und seit Juli befindet sich eine Aufstandsbekämpfungseinheit
im Irak. Obwohl sich 90% der Spanier gegen die Politik ihres
Premierministers Aznar, an der Seite der USA gegen den Irak
vorzugehen, aussprechen, gilt Spanien als einer der treuesten
europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten.
Nach Tony Blair und George W. Bush muss sich nun jedoch auch
Aznar im eigenen Land für die Falschinformationen im
Hinblick auf irakische Massenvernichtungsmittel verteidigen.
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