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Finnland
Suomi, Finland
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Einwohner
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5,91 Mio.
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Fläche
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338.144 qkm
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Einwohner / qkm
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15
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Hauptstadt
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Helsinki (502.000 Einwohner)
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Amtssprachen
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Finnisch, Schwedisch
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Religion
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Christen (88,4 %)
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Urbanisierung
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63 %
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Arbeitslosigkeit
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9,3 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Nationalfeiertag
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6. 12. (Proklamation der Unabhängigkeit von Russland)
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Regierung
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Tarja Halonen (Staatsoberhaupt)
Matti Vanhanen (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1995
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Wer
nicht gerade Wintersportfan oder Sammler ausgefallener Euro-Münzen
ist, kennt das 1995 der Europäischen Union beigetretene
Finnland wohl nur als Land am Rande. Das hat nicht nur mit
seiner geografischen Lage zu tun Finnland ist ein relativ
junges Land (erst 1917 erlange es seine Unabhängigkeit).
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges kam es zu verschiednen
Streitigkeiten mit Russland über den gemeinsamen Grenzverlauf.
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die finnischen Regierungen
stets darauf bedacht, die Neutralität ihres Landes zu
wahren. Zu einem EU- Beitritt entschieden sich die Finnen
erst 1992 nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.
Die Geschichte Finnlands ist geprägt durch die Erfahrung
von mehr als 700 Jahren der Fremdbestimmung. Im 12. Jahrhundert
wurde das Siedlungsgebiet der Finnen zunächst Schweden
zugeschlagen. 1809 fiel das Land an Russland. Obwohl sich
bereits im 16. Jahrhundert eine finnische Schriftsprache herausgebildet
hatte, dauerte es bis Mitte des 19. Jahrhunderts bis Finnisch
neben Schwedisch als Sprache offiziell zugelassen wurde. Das
mit der estnischen und ungarischen Sprache verwandte Finnisch
wird heute von etwa 5 Millionen Menschen gesprochen und ist
erste Sprache Finnlands. 6 Prozent der Finnen sprechen Schwedisch
als Muttersprache. Sami ist eine weitere anerkannte Minderheitensprache
und wird von rund 10.000 Lappen gesprochen.
Die rund 62.000 Seen Finnlands machen fast zehn Prozent der
gesamten Landesfläche aus. 64 Prozent der etwa fünf
Millionen Einwohner leben in den Städten, davon gut 500.000
in der Hauptstadt Helsinki. Mit einer Gesamtfläche von
338145 qkm hat Finnland eine sehr geringe Bevölkerungsdichte.
Lediglich durchschnittlich 15 Einwohner leben auf einem Quadratkilometer.
Generell sind Finnen zurückhaltende Menschen. Man behauptet
sogar, dass der Sprechabstand in Finnland 70 cm ist, während
er in Deutschland eher bei 40 cm liegt. Hat man einen Finnen
erst mal kennen gelernt, stellt man fest, dass Finnen sehr
hilfsbereit, freundlich und sozial eingestellt sind. In Finnland
begnügt man sich in vielen Fällen mit mündlichen
Verträgen: was einmal abgemacht ist, gilt.
Das wahrscheinlich einzige finnische Wort, das weltweite
Bekanntheit erlangt hat, ist Sauna. In Finnland findet man
in jedem Mietshaus, Reihenhaus, Einfamilienhaus und in vielen
Institutionen und Unternehmen eine Sauna. Die Sauna war traditionell
in Finnland eine Art heiliger Ort, in dem Kinder geboren und
Leichen aufgebahrt wurden. Es gibt immer eine Sauna für
Männer und eine für Frauen. Typisch für den
finnischen Lebensstil sind ebenso wie zum Beispiel in Tschechien
die kleinen Wochenendhäuschen im Grünen, genannt
Mökki, in denen die Finnen gerne ihre Freizeit verbringen.
Finnland ist der Europäischen Union Anfang 1995 beigetreten.
In der Zeit des Ost-West-Konfliktes vertrat das Land einen
strikten Neutralitätskurs, den es nicht zuletzt wegen
seiner unmittelbaren Grenze zu Russland nach wie vor beibehält.
So lehnt Finnland bislang eine Mitgliedschaft in der NATO
ab. Deswegen übt die finnische Regierung Zurückhaltung,
wenn es um die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Außen-
und Sicherheitspolitik der EU geht.
Obwohl die Finnen nach ihrem Beitritt zur EU die Vorteile
einer Mitgliedschaft erkennen konnten (so sanken zum Beispiel
die Preise für einige Lebensmittel um fast die Hälfte),
sind die Finnen keine begeisterten Europäer. Laut Umfrage
identifizieren sich die Bewohner Finnlands vor allem über
ihren Nationalstaat. Die Mitgliedschaft Finnlands in der EU
wird von 36% als weder gut noch schlecht bezeichnet. 17% halten
sie sogar für schlecht (EU- Schnitt: 11%).
Die finnische Regierung vertritt die Ansicht, dass die EU
in ihrem Wesen ein Zusammenschluss unabhängiger Staaten
ist und sich diesen Charakter auch künftig erhalten soll.
Das bedeutet, dass wichtige Beschlüsse immer einstimmig
gefällt werden müssen, insbesondere wenn es um die
Übertragung von Kompetenzen auf die Gemeinschaftsebene
geht. In der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
und in der Zusammenarbeit in der Innen- und Justizpolitik
verbliebenen Bereichen soll die Form der zwischenstaatlichen
Kooperation beibehalten werden. Einer Stärkung der Kommission
und des Europäischen Parlaments steht die finnische Regierung
skeptisch gegenüber. Auch an der Stellung der kleineren
Mitgliedstaaten in der Beschlussfassung der EU will Finnland
festhalten. Gleichwohl sieht die finnische Regierung die Notwendigkeit,
die gemeinsame Handlungsfähigkeit der in der EU zusammengeschlossenen
Staaten auch nach der Erweiterung zu gewährleisten.
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Als einziges skandinavisches Land ist Finnland keine parlamentarische
Monarchie. Staatspräsidentin Halonen spielt mehr als
nur eine repräsentative Rolle. Neben der Regierung unter
Ministerpräsident Vanhauen kann auch sie Gesetzesinitiativen
einbringen. Finnland hat erst seit dem Jahr 2000 eine "richtige"
Verfassung. Vorher setzte sie sich aus vier Einzeldokumenten
zusammen, vielleicht ein wenig vergleichbar mit den Vertragstexten
der Europäischen Union. Man könnte meinen, die Finnen
könnten wohl am ehesten verstehen, warum die Europäische
Union einen einzigen, vereinfachten Verfassungstext braucht.
Laut Umfrage sprechen sich jedoch 39% der Finnen gegen eine
EU-Verfassung aus, so viel wie in keinem anderen europäischen
Land (EU-15-Durchschnitt: 10%).
Obwohl
das Land flächenmäßig sehr groß ist,
gehört Finnland wegen seiner niedrigen Bevölkerungszahl
zu den kleinen EU- Mitgliedstaaten. Um die eigenen Interessen
besser vertreten zu können, werden wichtige Fragen mit
den anderen skandinavischen EU-Ländern, Schweden und
Dänemark, abgestimmt. In der Frage zur Zukunft sind die
Finnen eher zurückhaltend wenn es darum geht, mehr Kompetenzen
auf die Institutionen der EU zu übertragen. Es gibt jedoch
auch Politiker, die die Vision eines Europas mit föderalen
Elementen als Chance gerade für kleine Mitgliedstaaten
sehen.
Als Land, das über unmittelbare Grenzen zu den neuen
EU- Mitgliedern verfügt, wird Finnland nicht nur wirtschaftlich
von der anstehenden Osterweiterung profitieren. Auch geografisch
verbessert sich seine Lage: Finnland wird nicht mehr das Land
am Rande sein, sondern mittendrin in Europa. Wie auch die
Bewohner anderer an die Beitrittsländer angrenzender
Staaten fürchtet die Bevölkerung die Freizügigkeit
für Arbeit und Dienstleistungen und eine große
Einwanderungswelle aus den baltischen Staaten. Aus diesem
Grund sprach sich Finnland wie auch Deutschland auf EU- Ebene
für flexibel gestaltete Übergangsfristen aus. Eine
weitere Befürchtung betrifft die Finanzierung der Osterweiterung,
da sich Finnland derzeit immer mehr in Richtung einer Netto-
Zahler- Position bewegt.
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In vielen Bereichen ist Finnland Musterschüler im Europäischen
Vergleich. Mit Umwelt, Technologischem Wandel und einem Wirtschaftswachstum
um 2,8% in diesem Jahr liegt Finnlands Politik an der europäischen,
wenn nicht sogar Weltspitze.
Neben
der traditionellen Holz- und Papierindustrie hat sich in Finnland
vor allem die High- Tech- Industrie einen weltweiten Namen
gemacht. Finnland gehört zu den wenigen Staaten weltweit,
die mehr Daten- und Kommunikationstechnologie ausführen
als einführen. Exportprodukt Nummer 1 ist- Nokia sei
dank!- das Mobiltelefon.
Die Technologisierung des Landes ist sehr weit fortgeschritten.
In Finnland gibt es mehr Mobiltelefone pro Kopf als in irgendeinem
anderen Land der Welt (auf 100 Einwohner kommen 65 Telefone).
Die finnische Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2004
allen Finnen den Zugang zu elektronischen Medien zu verschaffen.
Finnland hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der
führenden Industriegesellschaften entwickelt. Die wichtigsten
Zweige der finnischen Exportindustrie sind die Holzverarbeitung
sowie der Elektronikbereich. Der größte Teil der
Passagier- und Luxuskreuzfahrtschiffe der Welt wird schon
seit Jahren auf finnischen Werften gebaut. Im Mobiltelefonbereich
ist Finnland eine der führenden Nationen in der Welt.
Der Verlust des wichtigsten Handelspartners, der ehemaligen
Sowjetunion, führte Anfang der 90er Jahre zu der größten
Wirtschaftskrise nach dem 2. Weltkrieg. Nach einem damals
dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit erreicht Finnland
inzwischen wieder ein reales Wirtschaftswachstum, das sich
auf dem Arbeitsmarkt positiv auswirkt. Einen nicht unwesentlichen
Beitrag zur Stabilisierung und Aufwärtsentwicklung dürfte
auch der Beitritt Finnlands zur Europäischen Union am
1.1.1995 gehabt haben. Seit Mai 1998 geht das Statistische
Zentralamt bei der Ermittlung der Arbeitslosenquote nach dem
von der EU und der internationalen Arbeitsorganisation ILO
empfohlenen Verfahren vor. Die Arbeitslosenquote beträgt
Mitte 2002 rund 9 Prozent.
Forstwirtschaft spielt in Finnland, dem weltweit größten
Herstellerland von Papiermasse, eine bedeutende Rolle. Ackerbau
und Viehzucht nehmen vergleichsweise einen eher kleinen Raum
ein. Die Milchproduktion macht allein 40% der landwirtschaftlichen
Gesamtproduktion aus. Die traditionelle Rentierzucht erwirtschaftet
nur 5%. Der finnische Ackerbau konzentriert sich vor allem
auf Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse.
Der Nachhaltigkeitsbericht, der weltweit 142 Nationen bewertet
und 2002 auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos vorgestellt
worden war, bescheinigte Finnland den ersten Platz weltweit.
Umweltschutz ist in Finnland ein Politikfeld mit Priorität.
Der Beitrag erneuerbarer Energieträger an der Energieversorgung
beträgt derzeit bereits 29%. Der Großteil wird
aus Wasserkraft und Biomasse gewonnen. Die fossilen Energieträger
Erdöl, Erdgas und Kohle müssen importiert werden.
Ihre Nutzung geht allmählich zurück. Ausgebaut wird
hingegen die Nutzung der Atomenergie. Finnland baute das erste
europäische Atomkraftwerk nach der Katastrophe in Tschernobyl.
Derzeit wird die finnische Energieversorgung zu 30% aus Kernenergie
gewonnen.
Obwohl der Nachbar Schweden sich bislang nicht der gemeinsamen
Währung angeschlossen hat, sagten die Finnen "Ja"
zum Euro und begeisterten den Rest Europas mit ausgefallenen
Münzprägungen. Bei Sammlern besonders gefragt sind
die Ein- und Zwei-Cent-Münzen, die nur in kleiner Auflage
in Umlauf gebracht wurden, da in Finnland Barbeträge
gewöhnlich auf fünf Cent gerundet werden.
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Der finnische Wohlfahrtsstaat ist eines der umfangreichsten
Sozialsysteme der Welt. Das Grundprinzip von Gleichheit aller
Bürger unabhängig von ihrer Tätigkeit wird
durch Umverteilung erreicht. Wie auch in den anderen skandinavischen
Ländern finanzieren die Finnen ihr System mit vergleichsweise
hohen Steuern. In Zeiten von steigender Arbeitslosigkeit (derzeit
bei 9,1%) und einer alternden Gesellschaft kommt der auf Vollbeschäftigung
basierende finnische Sozialstaat jedoch wie auch in anderen
EU-Mitgliedstaaten finanziell unter Druck.
Derzeit wird jedem Finnen, der zwischen seinem 16. und 65.
Lebensjahr mindestens 40 Jahre in Finnland gelebt hat, eine
Volksrente gezahlt, die unabhängig von dem vorherigen
Einkommen ist. Ein zusätzliches verdienstabhängiges
Prinzip ergänzt die staatliche Mindestrente. Das Gesundheitssystem
ist überwiegend staatlich finanziert. Eine zusätzliche
Krankenversicherung übernimmt Zuzahlungen für Medikamente,
Zahnpflege oder Gynäkologie.
Finnland arbeitet derzeit an einem Reformvorschlag für
die Beschäftigungspolitik, um die hohe Arbeitslosigkeit
zu bekämpfen. Nachdem in den 70er und 80er Jahren in
Finnland noch fast Vollbeschäftigung geherrscht hatte,
stieg die Arbeitslosenquote 1995 zeitweise sogar auf 15,4%
an.
Gleichzeitig wird das Thema Zuwanderung erörtert. Das
natürliche Bevölkerungswachstum Finnlands betrug
2002 0,2%. Bei einer gleich bleibenden niedrigen Geburtenrate
rechnet man spätestens bis 2013 mit einem negativen Bevölkerungswachstum.
Aus diesem Grund ist Finnland in Zukunft verstärkt auf
Zuwanderung angewiesen.
Die Gleichstellung von Mann und Frau wird in Finnland mit
großem Engagement betrieben. Die derzeitige Regierungszusammensetzung
zeigt ein Verhältnis von genau 50: 50.
Aufgrund des hohen Standards ihres Wohlfahrtsstaates sprechen
sich die Finnen gegen eine Europäische Sozialpolitik
aus. Einigungen mit Ländern, deren Sozialstandard weit
unter dem finnischen liegen, würden immer einen Rückschritt
bedeuten.
Spätestens seit der PISA-Schulstudie steht es fest:
das finnische Bildungssystem ist weit überdurchschnittlich
und damit eines der besten der Welt. Zurückgeführt
wird dies auf ein Gesamtschulsystem mit zentralen Vorgaben,
die eigenverantwortlich in den Schulen erzielt werden. Auch
das hohe gesellschaftliche Ansehen von Lehrern und die besondere
Förderung schwächerer Schüler werden als Faktoren
genannt. Der Schwerpunkt derzeitiger Bildungspolitik in Finnland
ist die Förderung internetbasierten Lernens.
Die
hierarchischen Strukturen sind in Finnland sehr gering, sowohl
im Geschäfts- als auch im Alltagsleben. Bereits beim
ersten Zusammentreffen ist es üblich, dass man eher fragt:
"Woher kommst du?" als "Was machen Sie?"
Titel sind weniger wichtig und das Arbeitsklima beruht mehr
auf fruchtbarem Miteinander als auf Förmlichkeit. Man
duzt sich und spricht alle mit dem Vornamen an. Das ist ein
Einfluss des finnischen Sprachgebrauchs und behält nichtsdestoweniger
die normale Distanz und Reserviertheit in den Beziehungen.
Die grundlegenden Werte in Finnland sind Ehrlichkeit, Vertrauen,
Individualismus, Pünktlichkeit und Bescheidenheit.
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Finnland setzt sich für die Beibehaltung der zwischenstaatlichen
Konzeption der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
ein, in der die Entscheidungen grundsätzlich mit Einstimmigkeit
getroffen werden müssen. Lediglich bei der Umsetzung
von zuvor einstimmig getroffenen Grundsatzentscheidungen würde
Finnland eine begrenzte Einführung von Mehrheitsbeschlüssen
akzeptieren.
Eine Stärkung der Kommission in bezug auf die Vertretung
der EU nach außen lehnt Finnland ab. Die Funktion der
Kommission sollte sich in der Außenpolitik auf wirtschaftliche
Mandate (z.B. bei WTO-Verhandlungen) beschränken. Die
Rolle des politischen Sprechers muss nach Auffassung Finnlands
beim Rat der EU, in dem die Vertreter der Mitgliedstaaten
sitzen, verbleiben. Auch die Entscheidung, an militärischen
Einsätzen der EU teilzunehmen, sollte auf jeden Fall
auch weiterhin auf nationaler Ebene getroffen werden.
Ein Beitritt zur NATO kam für die finnische Regierung
bislang nicht in Frage. Da das Land unmittelbar an Russland
angrenzt, wollte man Moskau nicht provozieren. Im Hinblick
auf die finnische Bündnisfreiheit bzw. Neutralität
stellt sich natürlich die Frage, inwiefern diese mit
einer sich weiter entwickelnden Europäischen Sicherheits-
und Verteidigungspolitik (ESVP) vereinbar ist. Bisher hatte
Finnland nach UN- und OSZE- Mandat an internationalen Einsätzen
teilgenommen, zuletzt im Kosovo. Der finnische Politiker Ahtisaari
hatte im Kosovo-Krieg vermittelt und sich damit weltweite
Anerkennung verdient. Generell nimmt Finnland jedoch eher
eine zurückhaltende Position in internationalen Krisen
ein. Vielleicht auch um Finnland den Schritt in Richtung ESVP
etwas schmackhafter zu machen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs
den früheren finnischen Generalstabschef Hägglund
zum Vorsitzenden des Militärausschusses der EU gemacht.
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