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Ungarn
Magyarorszag
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Einwohner
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10,2 Mio.
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Fläche
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93.036 qkm
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Einwohner / qkm
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108
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Hauptstadt
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Budapest
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Amtssprachen
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Ungarisch
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Religion
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Katholiken 65 %, Calvinisten 20 %,
Lutheraner 4 %, Orthodoxe 2,7 %,
Juden 1 %
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Urbanisierung
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63 %
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Arbeitslosigkeit
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5,7 % (2003)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Nationalfeiertag
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20. 08. (Stephanstag)
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Regierung
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Ference Madl (Staatsoberhaupt)
Dr. Peter Medgyessy (Regierungschef)
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Beitritt zur EG/EU
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1. Mai 2004
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Ungarn
kann auf eine 1000 jährige Geschichte zurückblicken.
Im 9. Jahrhundert wurden die Madjaren auf dem heutigen Staatsgebiet
Ungarns sesshaft. Unter Stephan I., dem Heiligen wurde um
1000 das Königreich Ungarn gegründet und Ungarn
christianisiert. Unter Ladislaus I. (1077 95) und Kolomann
I. (1095 1114) wurde die ungarische Machtposition ausgebaut,
Kroatien und Dalmatien wurden eingegliedert. Durch eine entscheidende
Niederlage Belas IV. gegen die Mongolen 1241 wurde die ungarische
Königsgewalt nachhaltig geschwächt. In der Folge
stand Ungarn im späten Mittelalter unter wechselnden
Herrscherhäusern und war zeitweise in Personalunion mit
Polen und Böhmen verbunden. Unter Ludwig dem Großen
(1342 82) konnte die Zentralgewalt und Königsmacht
wiederhergestellt werden. Im 15. Jahrhundert drangen die Türken
immer weiter vor und obwohl sie mehrmals erfolgreich zurückgedrängt
werden konnten, fiel Ungarn 1526 an das Osmanische Reich.
Nur Siebenbürgen konnte seine Selbstständigkeit
bewahren. Nach der Rückeroberung im Zuge der Türkenkriege
(1681 1699) wurde Ungarn österreichisches Kronland.
Das 18. Jahrhundert stand dann im Zeichen der ungarischen
Unabhängigkeitsbewegung und des Freiheitskampfes unter
dem Revolutionär Kossuth gegen die kaiserliche Herrschaft
Österreichs. Diese wurde jedoch mit russischer Hilfe
von Kaiser Franz Joseph niedergeschlagen. Durch den
Ausgleich mit Österreich 1867 gewann Ungarn im Rahmen
der Doppelmonarchie volle Gleichberechtigung. Unter Graf Andrassy
d. Ä. wird Kaiser Franz Joseph im selben Jahr
zum ungarischen König gekrönt.
Die
Niederlage im Ersten Weltkrieg bringt Ungarn die Trennung
von Österreich. Durch den Vertrag von Trianon 1920 verliert
Ungarn 75% seines Staatsgebietes und 60% seiner Bevölkerung
an die Slowakei, Rumänien, an das neugegründete
Jugoslawien und an Österreich (Burgenland per Volksabstimmung).
Unter Graf Karolyi als Ministerpräsident wird 1918 die
ungarische Republik ausgerufen, nach einem internen Machtwechsel
1919 die Räterepublik. 1920 wird die Monarchie wiederhergestellt,
allerdings ohne König. Die Nationalversammlung wählt
Admiral Horthy zum Reichsverwalter.
Die Wiener Schiedssprüche 1938 und 1940 sowie die Eroberung
jugoslawischer Gebiete im Zweiten Weltkrieg, in den Ungarn
an der Seite Deutschlands und Italiens eintritt, bringen eine
Revision des Vertrages von Trianon. 1944 versucht Horthy das
Engagement mit Deutschland zu lösen und aus dem Krieg
auszutreten. Daraufhin wird Ungarn von deutschen Truppen besetzt,
gegen Ende des Krieges von sowjetischen Truppen. 1946 wird
Ungarn wieder Republik. Im Friedensvertrag von Paris werden
die Grenzen von 1938 wiederhergestellt. 1948 übernimmt
die Kommunistische Partei die Staatsgewalt. Die bürgerlichen
Parteien werden verboten und das Einparteiensystem eingeführt.
Ein Jahr später erfolgt die Umwandlung Ungarns in eine
Volksrepublik nach sowjetischem Muster.
1956 kommt es zu einem Volksaufstand gegen die kommunistische
Herrschaft. Ministerpräsident Imre Nagy erklärt
den Austritt aus dem Warschauer Pakt und Ungarns Neutralität.
Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen, eine pro
sowjetische Regierung eingesetzt, Nagy und andere Kabinettsmitglieder
werden hingerichtet.
Im Zuge der Politik Gorbatschows kommt es auch in Ungarn
in der zweiten Hälfte der 80er Jahre zu immer stärker
werdenden Reformbewegungen. Eine zentrale Rolle spielt Ungarn
bei der deutsch deutschen Wiedervereinigung: als erstes
Land des ehemaligen Ostblocks öffnet es seine Grenzen
für DDR Flüchtlinge Richtung Österreich.
Nach der Auflösung der kommunistischen Partei und der
Wiederherstellung der Republik kommt es 1990 zu ersten freien
Wahlen. Josef Antall wird erster Ministerpräsident.
Politisch
gesehen war Ungarns Weg in die EU problemlos und gilt als
mustergültig, da es bei allen Integrationsschritten keine
nennenswerten Verzögerungen oder Schwierigkeiten gab.
Schon 1988 wurden diplomatische Beziehungen zwischen Ungarn
und der EG aufgenommen. Im selben Jahr wurde ein Handels-
und Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. 1989 wurde das PHARE
Programm gestartet, um den Beitritt Polens und Ungarns
zur Europäischen Gemeinschaft vorzubereiten. Die Gelder
sollten in erster Linie die politische und wirtschaftliche
Transformation unterstützen. Im Rahmen dieses Programms
flossen bis 1999 zirka eine Milliarde Euro nach Ungarn. 1991
unterzeichnete Ungarn als erster Reformstaat das Assoziierungsabkommen
mit der EU, 1994 stellte Ungarn dann den offiziellen Antrag
auf Mitgliedschaft. 1997 entschied sich die EU Kommission
für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen, die 1998
eingeleitet wurden. Im Mai 2004 wird Ungarn der EU beitreten.
Eine Ernüchterung brachte jedoch das Beitrittsreferendum
am 12.4.2003. Obwohl knapp 84% der Ungarn sich für einen
EU - Beitritt ihres Landes aussprachen, lag die Wahlbeteiligung
nur bei knapp 45%. Da die Nein Stimmen gegen einen
EU Beitritt nicht besonders laut waren und Ungarns
Beitritt innenpolitisch wenig umstritten war, hielten die
meisten Ungarn den EU Beitritt wohl für selbstverständlich,
so dass sie es nicht mehr für unbedingt notwendig erachteten
ihre Stimme abzugeben. An mancher Stelle witzelte die Presse:
"Több is veszett Mohacsnal" was sinngemäß
übersetzt bedeutet: "Es könnte schlimmer kommen!".
In Anspielung auf die verlorene Schlacht bei Mohacs, die eine
150 jährige Fremdherrschaft der Türken nach
sich zog, ist dies eine beliebte Redewendung in Ungarn, die
eine besondere Einstellung der Ungarn zu sich und ihrem Land
sehr gut widerspiegelt: Die Ungarn nehmen sich selbst nicht
so ernst und kommentieren sich und das Ungar Sein oft
mit einer witzig selbstironischen Note und einem Augenzwinkern.
Besonders stolz sind die Ungarn, neben ihrer musikalischen
Tradition (Franz List, Bela Bartok), auf ihre Landsleute,
die im Ausland zu Berühmtheit gelangt sind. Geht man
nach der Geburtsurkunde, so sind die Ungarn so etwas wie die
Gründerväter Hollywoods. Drei der größten
US Filmproduktionsfirmen wurden von Ungarn gegründet:
Vilmos Fried, der sich später Willliam Fox nannte, gründete
1915 Fox Film Corporation aus der 1920 20th Century Fox wurde.
Adolph Zukor hob die Firma "Famous Players" aus
der Taufe, später Paramount Pictures. Zwei der drei Firmengründer
der Metro Goldwyn Mayer Corporation waren gebürtige
Ungarn: Sam Goldwyn und Louis B. Mayer. Hinter der Kamera
machte sich Milkaly Kertesz alias Michael Curtiz mit dem Film
"Casablanca" unsterblich. Seinem Namensvetter Imre
Kertesz wurde 2002 der Literaturnobelpreis für sein Buch
"Roman eines Schicksalslosen" verliehen und der
renommierteste Journalisten Preis der Welt ist nach
einem Ungarn benannt: Joseph Pulitzer.
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Der
ungarischen Wirtschaft wird mit dem Jahr 2003 das siebte Jahr
stabilen Wachstums bescheinigt. Im Jahr 2003 lag dieses bei
3,3%. Die Inflationsrate konnte erfolgreich von 14 % im Jahr
1998 auf 4,7% im Jahr 2003 gesenkt werden. Die Privatisierung
staatlicher Unternehmen war schon 1997 weitgehend abgeschlossen
und auf dem Privatsektor werden mittlerweile über 80%
des Bruttoinlandsprodukts erbracht. Diese erfreulichen volkswirtschaftlichen
Daten brachten Ungarn 2002 ein Pro - Kopf Einkommen
von 6.876 Euro.
Trotz einer restriktiven und ehrgeizigen Finanzpolitik ist
das größte Problem der ungarischen Wirtschaft das
hohe Haushaltsdefizit. Das Defizit beträgt fast 10% des
Bruttoinlandproduktes. Mittlerweile hat dies auch politische
Konsequenzen: Anfang des Jahres wurde der ungarische Finanzminister
seines Amtes enthoben. Vor allem die Rückläufigkeit
von Investitionen aus dem Ausland soll gestoppt werden. Dazu
rief die Regierung einige großangelegte Wirtschaftsprojekte
ins Leben, die unter den Namen "Smart Hungary" oder
"Europa Plan" besonders die traditionellen
Stärken Ungarns in der technischen und der IT
Ausbildung bewerben. Allein im Budapester Info Park
arbeiten 5000 hochqualifizierte IT Spezialisten. Daneben
wurde 2003 ein weiteres Programm zur Korruptionsbekämpfung
verabschiedet. Das Projekt "Gläserne Westentasche"
soll vor allem das verlorene Vertrauen ausländischer
Firmen in die ungarischen Behörden wiederherstellen.
Ungarns Hauptwirtschaftspartner ist Deutschland. Mit Gesamtinvestitionen
von 10 Mrd. Euro (entspricht etwa einem Drittel aller Auslandsinvestitionen)
seit der Wende hat sich die Bundesrepublik stark und erfolgreich
engagiert. Vorzeigeobjekt ist das Audi Werk Györ,
in das bislang 1,5 Mrd. Euro gesteckt wurde. Weitere Großinvestoren
sind Telekom, RWE, E ON und die Allianz.
Ungarn hat außer Bauxit, Kohle und verschiedenen Erzen
keine nennenswerten Rohstoffe. Deshalb werden rund 40% des
Energiebedarfs durch Atomenergie gedeckt. Obwohl das ungarische
AKW Pak das erste osteuropäische AKW war, das eine umfassende
Sicherheitsprüfung nach den Kriterien der Internationalen
Atomenergiebehörde durchgeführt hat, kam es im April
und Mai 2003 zu Störfällen, die auf fehlerhafte
Wartung zurückzuführen waren. Nach dieser Pannenserie
entschloss sich die Regierung auf internationalen Druck hin
Pak voraussichtlich 2012 vom Netz zu nehmen. Ein Programm
zur Förderung regenerativer Energien wurde ebenfalls
auf den Weg gebracht.
Im
Bereich des Umweltschutzes hat Ungarn trotzdem laut EU
Kommission weitere Fortschritte erzielt. Mittlerweile sind
9% der Gesamtfläche Ungarns besonders geschützte
Flächen. Europas größter Binnensee, der Plattensee,
weist wieder eine sehr gute Wasserqualität auf, nachdem
er zeitweise durch Industrie und Abwassereinleitungen, besonders
aus dem Hotellerie- und Gastronomiegewerbe, stark belastet
galt. Das Umweltministerium hat sowohl sein Budget wie auch
seine Verwaltungskapazitäten aufgestockt. Es wurde ein
interministerieller Ausschuss des Umwelt- Landwirtschaft-
und Verkehrministeriums für nachhaltige Entwicklung gebildet.
Im April 2000 unterzeichneten die Umweltminister Ungarns Rumäniens,
der Ukraine und der Slowakei ein Kooperationsabkommen im Bereich
des Umweltschutzes mit dem Ziel zukünftige Umweltkatastrophen
zu vermeiden.
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Die
Arbeitslosenrate betrug Anfang des Jahres nach ILO
Kriterien 5,8% und ist damit eine der niedrigsten der Beitrittskandidaten.
Schwierig bleibt die Lage jedoch im Nordosten Ungarns. Nach
dem Zusammenbruch der Kohle- und Stahlindustrie ist dort knapp
20% der Bevölkerung erwerbslos. Trotz einiger regionaler
Programme und Sofortmaßnahmen bleibt diese Region Ungarns
sozialer Brennpunkt.
Nach dem unbefriedigenden Abschneiden in der PISA
Studie (in allen drei getesteten Kategorien lag Ungarn im
hinteren Mittelfeld), beschloss die Regierung ein umfassendes
Reformprogramm in der Bildungspolitik. Im Zentrum der Maßnahmen
stand dabei die Einführung eines einheitlichen nationalen
Rahmenlehrplans und eines Zentralabiturs bis 2005. Darüber
hinaus sind Gehaltsanhebungen bei den Lehrkräften sowie
umfangreiche Investitionen bei der Schulausstattung geplant.
Die Hochschulen sollen reorganisiert werden, indem größere
effizient und interdisziplinär arbeitende Einrichtungen
geschaffen werden. Daneben ist eine Abschaffung der Hochschulaufnahmeprüfung
geplant.
Eine besondere Partnerschaft besteht in der Bildungspolitik
zwischen Ungarn und Deutschland. Die deutsche Sprache liegt
in Ungarn fast gleichauf mit dem Englischen. Auf dieser Basis
existieren enge Kooperationen vor allem im Hochschulbereich.
Bundespräsident Rau eröffnete im Herbst 2002 die
deutschsprachige Universität Andrassy, die als postgraduale
Bildungseinrichtung 150 Spitzenkräfte aus den Bereichen
Rechts-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Internationalen
Beziehungen ansprechen soll.
Im Dezember 2000 wurde mit Ungarn das Abkommen zur schulischen
Zusammenarbeit geschlossen. Damit ist es möglich innerhalb
ungarischen Schulen deutsche Abteilungen einzurichten und
neben dem ungarischen Schulabschlusses die deutsche Hochschulreife
anzubieten.
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Die Integration Ungarns in die euroatlantischen Strukturen
wurde mit der Unterzeichnung des Beitrittsvertrages zur EU
im April 2003 und der Aufnahme in die NATO im März 1999
abgeschlossen. Innerhalb der NATO sucht Ungarn die enge Anbindung
an die USA. So bekundete Ministerpräsident Medgyessy
im Zuge des Irak Konflikts öffentlich seine Solidarität.
Im sogenannten "Brief der Sieben", den er auch unterzeichnet
hatte, sprach man sich für die Haltung der US
Amerikaner im Irak Konflikt aus. Zwar beteiligt sich
Ungarn nicht mit eigenen Kontingenten, doch wurde den USA
Überflugrechte eingeräumt sowie die Erlaubnis erteilt,
auf dem Luftwaffenstützpunkt Taszar in Südungarn
ein Ausbildungslager für Exiliraker einzurichten. Zu
leichten Verstimmungen kam es auf dem NATO Außenministertreffen
in Colorado Springs 2003. Dort wurde erneut, vor allem von
den USA, angemahnt, dass eine Zweidrittelmehrheit im Parlament
eine zu hohe Hürde für die Legitimation von Militäreinsätzen
darstellt. Ungarn weigert sich jedoch weiterhin die dafür
notwendige Verfassungsänderung durchzuführen.
Ein weiterer Schwerpunkt ungarischer Außenpolitik ist
seine aktive Außen Minderheitenpolitik, die in
der Vergangenheit immer wieder zu Spannungen insbesondere
mit den Nachbarländern Slowakei, Ukraine, Rumänien
und Serbien Montenegro geführt hat, in denen rund
3 Mio. Ungarn leben. In der ungarischen Verfassung ist der
sogenannte "beschützende Nationalismus" festgeschrieben,
durch den die Republik Ungarn "Verantwortung für
das Schicksal der außerhalb der Landesgrenze lebenden
Ungarn" zeigt. Für die Koordinierung dieser Aufgabe
wurde das Amt für die Ungarn im Ausland eingerichtet,
das direkt dem Außenministerium unterstellt ist. Mitte
der 90er Jahre wurden bilaterale Grundlagenverträge mit
der Slowakei (1995) und Rumänien (1996) abgeschlossen,
in denen auch Minderheitenabsprachen getroffen wurden. Dennoch
bleibt das Verhältnis in diesem Bereich angespannt. Neuen
Unmut zog die ungarische Regierung durch das 2001 verabschiedete
Statusgesetz auf sich. Darin sagt die Regierung im Ausland
lebenden Ungarn jegliche materielle und ideelle Unterstützung
zu. Die Nachbarländer kritisierten, dass Ungarn damit
erneut eine Integration der ungarischen Minderheiten behindere
und neue Minderheitenkonflikte schüre.
Im Rahmen der Visegrad Kooperation ist jedoch auch
die Zusammenarbeit mit der Slowakei als gut zu beurteilen.
Ungarn hatte von Juni 2001 bis Juni 2002 den Vorsitz inne
und führte die Zusammenarbeit sehr erfolgreich.
Ein weiteres außenpolitisches Interesse gilt der wirtschaftlichen
und politischen Stabilität der südlichen Nachbarn.
Am Stabilitätspakt für Südosteuropa beteiligt
sich Ungarn deshalb aktiv mit eigenen Initiativen.
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