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Als
Irland der EG/EU 1973 zusammen mit Großbritannien und
Dänemark beigetreten ist, war es das Land mit dem niedrigsten
Pro-Kopf-Einkommen in der damaligen Gemeinschaft der Neun.
Als strukturschwaches Land profitierte Irland maßgeblich
von den Fördermitteln der EU, v.a. vom Strukturfonds
und dem 1993 eingerichteten Kohäsionsfonds. Politische
Maßnahmen der irischen Regierung haben die Attraktivität
Irlands als Produktionsstandort im Binnenmarkt erhöht.
Irland konnte in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre
das größte Wirtschaftswachstum in der EU verzeichnen.
Während sich in diesem Zeitraum im EU-Binnenmarkt das
Bruttosozialprodukt jährlich um durchschnittlich 2,5
Prozent erhöhte, waren es in Irland durchschnittlich
9,4 Prozent.
Irland ist pro Kopf gerechnet nach Singapur und Belgien der
drittgrößte Exporteur der Welt. So wurde Irland
in den 80er Jahren eines der führenden Länder im
Bereich der Kommunikationstechnologie und es kam darüber
hinaus zu einem kräftigen Aufschwung im Bereich der exportierenden
Industrien wie Elektrotechnik, Maschinenbau, und Chemie. Ein
Grund für das rasche Wirtschaftswachstum war, dass es
Irland gelang, viele ausländische Investitionen anzuziehen.
Beispielsweise entfielen in den Jahren 1994-99 ein Drittel
aller getätigten US-Direktinvestitionen in den EU-Binnenmarkt
auf Irland. Dies ermöglichte es der irischen Regierung
alle für die Teilnahme an der gemeinsamen Währung
erforderlichen Konvergenzkriterien (beispielsweise die Rückführung
der Staatsschulden) zeitgerecht zu erfüllen.
Als treibende Kräfte für die wirtschaftliche Dynamik
Irlands werden eine vergleichsweise junge und gutausgebildete
Erwerbsbevölkerung, vergleichsweise günstige Produktionskosten
und investitionsfreundliche rechtliche Rahmenbedingungen sowie
eine gute Forschungsinfrastruktur gesehen. Vier von zehn Iren
sind unter 25 Jahre, der Anteil der Studierenden ist in den
letzten zehn Jahren um 80 Prozent angestiegen und die Forschungseinrichtungen
haben sich verdoppelt. Der Anteil der Bevölkerung mit
Hochschulabschluss ist der höchste in ganz Europa. Jährlich
verlassen zum Beispiel rund 500 Biotechnologie-Absolventen
die irischen Universitäten.
Angesichts der rasanten Wirtschaftsentwicklung und in Anlehnung
an die (vormals) boomenden Wirtschaften in Ostasien (sog.
"Tigerstaaten") hat sich der Begriff von Irland
als dem "keltischen Tiger" geprägt. Galt das
Land auch lange Zeit als wirtschaftsschwaches Land am Rande
Europas, als typisches Land der Auswanderer, so entwickelten
sich Wirtschaft und Lebensqualität in den 90ern derartig
schnell, dass Irland zukünftig keine Förderung aus
den Kohäsionsfonds der Europäischen Union (Förderung
für Mitglieder, deren Bruttosozialprodukt pro Kopf weniger
als 90% des EU- Durchschnitts ausmacht) mehr benötigt.
Diese Entwicklung ist auf Verschiedenes zurückzuführen,
aber vor allem darauf, dass Irland einen interessanten Investitionsstandort
für Unternehmen aus Asien und den USA, die ein Standbein
innerhalb der EU haben wollen, darstellt. Im Gegensatz zu
dem übrigen Europa sind Sozialabgaben recht niedrig,
was die Arbeitskosten niedrig hält. Die Tatsache, dass
man in Irland Englisch spricht, ist ein weiterer wichtiger
Faktor der Anteil der Erwerbstätigen, die in Call-Centern
beschäftigt sind, ist der größte in der EU.
Das Wirtschaftswachstum für 2003 wird mit 4,8% veranschlagt.
Als Problem könnte sich die steigende Inflation erweisen
(derzeit bei ca. 3,5%).
Ein überdurchschnittlich hoher Anteil der Bevölkerung
ist in der Landwirtschaft tätig (9%), vor allem im Bereich
Rindermast und Milchwirtschaft. Trotzdem trägt die landwirtschaftliche
Produktion weniger als 5% zum Bruttosozialprodukt bei.
Der Export von IT- Produkten so wie chemischer und pharmazeutischer
Industrie hat sich in den vergangenen Jahren in Irland zum
Hauptwachstumsbereich entwickelt. Besonders hohes Wachstum
konnte die Computer-Branche vermelden. Viele Weltspitzenunternehmen
haben mittlerweile Niederlassungen in Irland.
Irland
ist relativ arm an natürlichen Ressourcen. Zusätzlich
zu Erdgasvorkommen vor der Küste verfügt Irland
über die höchste Torfabbaurate der Welt. Mitte der
80er wurde durch Torf noch 1/5 der gesamten Energiegewinnung
gedeckt. Heute ist der Anteil extrem zurückgegangen.
Torf als Energielieferant ist umweltschädlich und teuer.
Atomenergie hat in Irland nie eine Rolle gespielt. Alternativ
zu fossilen Energieträgern wird vor allem Wasserkraft
eingesetzt.
Irland hat im europäischen Vergleich pro Kopf gerechnet
neben Finnland und Schweden den höchsten CO2-Ausstoß
und liegt auch beim Energieverbrauch im oberen Mittelfeld.
Das starke Wirtschaftswachstum in den neunziger Jahren hat
dazu geführt, dass sowohl der Energieverbrauch als auch
der Schadstoffausstoß kräftig angestiegen sind.
Knapp die Hälfte des irischen Energieverbrauches wird
durch Öl bestritten, etwas weniger als ein Drittel stammt
aus der Verwendung von Gas. Erneuerbare Energien spielen in
Irland praktisch keine Rolle. Das Land verzichtet bislang
zudem auf den Einsatz der Atomenergie. Die Zusammensetzung
des irischen Energiemix führt im Vergleich zur wirtschaftlichen
Produktion zu relativ hohen Schadstoffemissionen, da bei der
Verbrennung von Öl und Kohle höhere Emissionen anfallen
als bei anderen Energieformen. Nach den Vereinbarungen von
1998 darf Irland seinen CO2-Ausstoß bis 2010 um 13 Prozent
erhöhen (basierend auf dem Ausstoß von 1990). Dieser
Spielraum ist angesichts der starken wirtschaftlichen Dynamik
des Landes bereits mehr als ausgeschöpft. Bereits in
den neunziger Jahren ist der Energieverbrauch Irlands jährlich
um durchschnittlich 4 Prozent angestiegen. Irland hat bereits
eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um den energetischen
Wirkungsgrad zu verbessern. Dazu gehören modernere Verbrennungstechniken
zur Verfeuerung von Torf, verbesserte Wärmedämmung
in Gebäuden, Informationskampagnen, die Förderung
erneuerbarer Energien so wie auch die Förderung des öffentlichen
Verkehrs in Stadtzentren. Die Industrie hat zusätzliche
freiwillige Leistungen versprochen. Viele der vorgesehenen
Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit EU-Maßnahmen.
Nationale Ökosteuern gibt es bislang in Irland nicht,
und die öffentliche Unterstützung für Umweltmaßnahmen
ist eher gering.
Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung Irlands
wird zwar ebenfalls ein anhaltendes stetiges Wachstum erwartet,
jedoch auf niedrigerem Niveau. Zentrale Herausforderungen,
vor denen die irische Regierung steht, ist zum einen der Ausbau
der irischen Infrastruktur der Verkehrsverbindungen
und Kommunikationsnetze , um mit dem Wachstum schritt
zu halten und zugleich die Förderung umweltverträglicher
Produktionsprozesse.
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