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Polen
Rzeczpospolita Polska
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Einwohner
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38,65 Mio.
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Fläche
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312 685 qkm
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Einwohner / qkm
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124
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Hauptstadt
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Warschau (1 628 500 Einw.)
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Amtssprachen
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Polnisch
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Religion
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Katholisch (95,7 %)
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Urbanisierung
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68 %
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Arbeitslosigkeit
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18,1 % (2002)
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Staatsform
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Parlamentarische Republik
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Nationalfeiertag
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3. Mai
(Jahrestag der Verfassung 1791)
11. November
(Tag der Ausrufung der Republik 1918)
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Regierung
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Alexander Kwasniewski
(Staatspräsident)
Marek Belka
(Ministerpräsident)
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Beitritt zur EG/EU
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1. Mai 2004
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Ein
polnisches Sprichwort lautet: "Gosc w dom, bóg
w dom" ist ein Gast im Haus, ist Gott im Haus.
Und es schadet in Polen nicht, wenn der Gast ein trinkfester
ist. Tradition und Kultur(en) haben in dem Land, dass auf
eine mehr als 1000 Jahre alte und wechselhafte Geschichte
zurückblicken kann, einen hohen Stellenwert. So ist es
kein Zufall, dass Ethno-Pop in Polen immer wieder in die TopTen
kommt, wie z.B. die goralische Gruppe "Golec u Orkiestra",
die vor zwei Jahren über Wochen auf Platz 1 der Verkaufslisten
war. Die Goralen sind eine der kleinen ethnischen Minderheiten,
die in Polen leben. Der vergleichsweise hohe Anteil an nationalen
Minderheiten ist auch eine Folge der häufigen Grenzrevisionen,
die im Zuge der "Gleichgewichtspolitk" der europäischen
Großmächte über die Jahrhunderte zustande
kamen. Heute leben etwa 300.000-500.000 Deutsche, 300.000
Ukrainer, 200.000 Weißrussen, und kleinere Gruppen von
Slowaken, Armeniern, und Tschechen in Polen.
Im Jahr 966 hatte der Piasten-Herzog Mieszko, der erste geschichtliche
Herrscher Polens, den christlichen Glauben angenommen. Seit
dieser Zeit verbindet Polen und die Römisch-Katholische
Kirche ein enges Band. Das polnische Königreich war,
wie alle europäischen Großmächte, im ausgehenden
Mittelalter in zahlreiche Kriege in Europa verwickelt, wie
zum Beispiel am 15. Juli 1410, als Polen und Litauer bei Tannenberg
gegen den Deutschen Ritterorden siegten. Im 15. und 16. Jahrhundert
erlebte Polen seine Blütezeit, war eine der großen
Handelsmächten in Europa und einige polnische Städte
gehörten zu den Zentren europäischer Kunst und Kultur.
Die zentrale Lage Polens machte es immer wieder zum Ziel
von Begehrlichkeiten der angrenzenden Reiche. Ende des 18.
Jahrhunderts mussten die Polen dreimal zusehen, wie ihr Land
zwischen den europäischen Großmächten Preußen,
den Habsburgern und Russland aufgeteilt wurde. Eine kurze
Phase der Selbstständigkeit nutzten die Polen, um sich
als erstes Land in Europa eine schriftliche Verfassung zu
geben. Noch heute ist der 3. Oktober, der Tag an dem diese
Verfassung im Jahr 1791 verabschiedet worden ist, ein Nationalfeiertag
in Polen. Das 19. Jahrhundert über war Polen der "Spielball"
der sogenannten Mittelmächte. Erst nach dem Ersten Weltkrieg
erhielten die Polen am 11. November 1918 ihre Unabhängigkeit
zurück. Doch nur für kurze Zeit. Im Zweiten Weltkrieg
teilten Deutschland und Russland erneut das Land zwischen
sich auf. Millionen von Polen haben dabei ihr Leben verloren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Polen unter die Direktive
von Moskau. Und es dauerte bis zur Wende von 1989, bis Polen
wieder ein souveräner Staat werden konnte.
Bis
in die heutige Zeit verfügt die katholische Kirche in
Polen über einen vergleichsweise hohen Stellenwert in
Politik und Gesellschaft wenn man es z.B. mit Frankreich
vergleicht. Die Verfolgung in der Stalin-Ära konnte das
Festhalten der Polen an ihrem Glauben nicht verhindern. Auch
heute sind 95 Prozent der Polen Katholiken. Und es ist durchaus
als symbolisch zu verstehen, dass 1978 der Krakauer Kardinalerzbischoff
Karol Wojtyla zum Papst Johannes Paul II. gewählt wurde.
Der katholischen Verwurzelung Polens entspricht auch, dass
nach fast 40 Jahren liberaler Regelung von Schwangerschafts-abbrüchen
seit 1993 ein restriktives Abtreibungsgesetz in Kraft getreten
ist, welches Abtreibungen nur aus medizinischen Gründen,
nach Vergewaltigungen und bei Missbildungen des Kindes erlaubt.
Der Entwurf für einen EU-Verfassungsvertrag, der vom
EU-Konvent zur Zukunft Europas im Juli 2003 vorgelegt worden
ist, sollte nach Willen der polnischen Regierung um einen
Gottesbezug in der Präambel des neuen Vertragswerks ergänzt
werden. Eine Position, die übrigens auch vom spanischen
Ministerpräsidenten Aznar befürwortet wird. Die
polnische Regierung hat aber auch bereits erklärt, dass
sie ihre Zustimmung zum neuen EU-Verfassungsvertrag nicht
von dieser Frage abhängig machen werde eine Meinung,
die wohl auch die meisten Polen teilen. Denn die Mehrheit
der Polen sind heute ebenso wenig strengpraktizierende Christen,
wie es die Mehrheit der Italiener sind. Aber das Wort der
Kirche hat hier immer noch ein größeres Gewicht,
als in anderen Ländern Europas.
Polen wird der EU zum ersten Mai 2004 beitreten. In dem Referendum
vom 7.-8. Juni 2004 haben die Polen mit 77,5% für den
zuvor von ihrer Regierung ausgehandelten EU-Beitrittsvertrag
gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag allerdings nur bei 58,8%.
Viele Menschen in Polen sind verunsichert über die Veränderungen,
die sie in den letzten Jahren bewältigen mussten. Und
sie sind sich noch weniger sicher, was die nächsten Jahre
nach dem EU-Beitritt kommen wird. So konnte
bei den letzten Parlamentswahlen die Partei Samoobrona (Selbstverteidigung)
zusätzliche Wählerstimmen gewinnen.
Hauptanliegen und -versprechen des Parteivorsitzenden Lepper
ist die Bewahrung der etwa 2 Mio. polnischen Bauernhöfe
vor dem Untergang in der EU. Ebenfalls zugelegen konnte die
national-klerikale Partei "Liga der polnischen Familien".
Diese warnt im Falle des EU- Beitritts Polens vor zu einer
Liberalisierung nach westlichem Vorbild wie etwa der Legalisierung
von Abtreibung, Aufwertung der Homosexualität und rechtliche
Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.
Beide Parteien können bislang jedoch nur eine Minderheit
der Polen hinter sich vereinigen.
Ein Teil der polnischen Bevölkerung befürchtet
persönliche Härten durch die "Europäisierung
ihrer Wirtschaft", andere dass ihr Land ein Mitglied
zweiter Klasse sein wird, das politisch durch die großen
EU-Länder und "Brüssel" dominiert wird.
Die Situation ist damit durch gegenläufige Trends gekennzeichnet.
Auf der einen Seite sieht sich ein Teil der Polen als Verlierer
der Demokratisierung Polens und der strukturellen Veränderungen
im Zuge des EU-Beitritts - eine Umfrage hat ergeben, dass
25% der Polen sogar die Wiederabschaffung der Demokratie und
eine "starke Hand", die im nationalen Interesse
Polens handelt, befürworten würden. Auf der anderen
Seite sieht die große Mehrheit in Polen in dem Beitritt
zur EU die bessere Zukunft - sowohl für die persönliche
Lebensperspektive, wie für das Land als Ganzes. Laut
einer kürzlichen Umfrage von Eurobarometer sind 82% der
befragten Polen stolz darauf, Europäer zu sein
20% mehr als im EU- Durchschnitt.
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Die
politische Wende in Polen lässt sich bereits auf das
Jahr 1980 zurückdatieren, als gegen den Willen von Warschau
die erste unabhängige Gewerkschaft, die "Solidarnosc",
auf der Danziger Lenin-Werft gegründet wurde. Deren charismatischer
Führer Lech Walesa hätte es sich wohl nicht träumen
lassen, dass er ein Jahrzehnt später Präsident von
Polen sein würde. Allerdings vergingen bis dahin noch
zehn Jahre teilweise unter Kriegsrecht in denen
die Warschauer Parteiführung versuchte, diese Entwicklung
rückgängig zu machen. Und einen Teil dieser Zeit
verbrachte Walesa erst einmal im Gefängnis. Im Frühjahr
1989 gestand die KP schließlich den polnischen Oppositionskräften
eine Mitwirkung am politischen Leben zu als erstes
Land beendete Polen die Alleinherrschaft der Kommunisten.
Noch im selben Jahr wurde in Polen die "Dritte Republik",
eine parlamentarische Demokratie mit einem starken Präsidenten
als Staatsoberhaupt, ausgerufen. Nach französischem Vorbild
hat der Staatspräsident nicht nur repräsentative
Funktionen, sondern verfügt zusätzlich über
exekutive Kompetenzen. Auf diese Weise stellt der Präsident
ein Gegengewicht zum Zwei- Kammer-Parlament Polens dar. Der
amtierende Staatspräsident ist Aleksander Kwasniewski,
Ministerpräsident ist Leszek Miller. Obwohl in Polen
seit 1989 neun verschiedene Regierungen gewählt wurden
und die neue polnische Verfassung erst 1997 in Kraft treten
konnte, gilt das politische System als stabil.
Nach der Wende suchte Polen den Anschluss an die (sicherheits-)politische
und wirtschaftliche Gemeinschaft der westeuropäischen
Staaten. 1994 stellte Polen einen Antrag auf Aufnahme in die
EU. Es zeigte sich jedoch schnell, dass es noch ein anstrengender
Weg bis zur Erfüllung der vom Europäischen Rat 1993
in Kopenhagen festgelegten Beitrittskriterien ist. Von 1998
an führte die EU mit Polen Beitrittsverhandlungen, die
im Dezember 2003 auf dem Europäischen Rat erneut in Kopenhagen
in einem letzten Verhandlungsmarathon der EU-Staats- und Regierungschefs
abgeschlossen werden konnten. Nach dem erfolgreichen Referendum
wird Polen am 1. Mai 2004 beitreten. Insbesondere die Höhe
der Agrarsubventionen für die polnischen Bauern waren
bis zuletzt strittig. Drei Gefühle bestimmten die Debatte
dieser Jahre in den Medien: Polen wird noch für lange
Zeit Mitglied zweiter Klasse sein siehe lange Übergangsfristen
für die Freizügigkeit polnischer Arbeitnehmer, geringere
Agrarzahlungen für die polnische Landwirtschaft und die
enormen Anforderungen der EU-Rechtsnormen, die es inzwischen
in nahezu jedem Politikbereich gibt und die von Polen weitgehend
1:1 übernommen werden mussten. Es machte manchmal das
Wort die Runde "Früher unter Moskau, heute unter
Brüssel".
Die Bevölkerung Polens ist größer als die
der anderen neun Länder zusammen, die ebenfalls am 1.
Mai 2004 der EU beitreten werden. Dementsprechend beansprucht
Polen für sich eine Rolle eines großen EU-Mitgliedstaats.
Obwohl auch polnische Vertreter an der Ausarbeitung des Entwurfs
für einen neuen EU-Verfassungsvertrag im EU-Konvent beteiligt
waren, ist die polnische Regierung mit dem Ergebnis nicht
ganz zufrieden und hat bereits bei der Präsentation des
Textes angekündigt, dass die im Oktober 2003 beginnende
EU-Regierungskonferenz hier noch Änderungen vornehmen
müsse. Die vorgesehene Regelung von Mehrheitsbeschlüssen
im Rat würde die gegenwärtig noch überproportionale
Stimmgewichtung von Polen (und auch Spanien) deutlich abwerten.
Die Bestimmungen zur Weiterentwicklung der sicherheits- und
verteidigungspolitischen Dimension der EU werden ebenfalls
kritisch gesehen.
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Wie alle Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes musste
das Land in den 90er Jahren tiefgreifende Strukturreformen
der Wirtschaft und der Verwaltung anpacken. Und wie in anderen
Ländern, ist dieser Wandel von einer zentralistisch geführten
Planwirtschaft zu Demokratie und offenen Märkten mit
sozialen Härten und steigender Arbeitslosigkeit verbunden
gewesen. Der Einbruch der Beschäftigungsmöglichkeiten
in der Landwirtschaft und der Verlust von wichtigen Handelspartnern
im Osten haben zu einer hohen Arbeitslosigkeit von durchschnittlich
18,1 Prozent im Jahr 2002 beigetragen. Andererseits wies Polen
in den 90er Jahren hohe Zuwachsraten in der wirtschaftlichen
Entwicklung auf.
Wichtigste Wirtschaftssektoren Polens sind die verarbeitende
Industrie (Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Maschinenbau,
Elektrotechnik, chemische Industrie, Fahrzeugbau und Metallverarbeitung,
Polen ist bereit seit 1961 der zweitgrößte Produktionsstandort
des Möbelkonzerns IKEA). Telekommunikation und IT sowie
Handel und Finanzdienstleistungen. Wunsch der Polen ist es,
an das "goldene Zeitalter", der politischen, wirtschaftlichen
und kulturellen Blüte Polens im 15./ 16. Jahrhundert
anzuschließen, als polnische Handelsstraßen ganz
Europa miteinander verbanden. Und es zeichnet sich bereits
ab, dass Polen wieder zunehmend eine Drehscheibenfunktion
für den Handel zwischen Ost und West zukommt. Wirtschaftszentrum
des heutigen Polens ist die Region um Warschau, wo die Mieten
inzwischen höher als in Hamburg liegen. Das durchschnittliche
Pro-Kopf-Einkommen liegt in Polen jedoch bei 40 % des EU-Durchschnitts.
Die Arbeitslosigkeit ist hoch und viele Regionen können
nur überleben, weil ein Teil der Erwerbstätigen
nach Deutschland pendelt. Nach zehn Jahren großer Wachstumsraten
konnte Polen lediglich 2002 lediglich ein Wirtschaftswachstum
von 1,3 % verzeichnen, was maßgeblich wohl auf die allgemeine
Flaute der Weltwirtschaft zurückzuführen ist.
Ein
im europäischen Vergleich sehr hoher Anteil der Erwerbsbevölkerung
arbeitet in der Landwirtschaft. Im Gegensatz zu den Bewohnern
anderer Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes war es den
Polen auch unter dem kommunistischen Regime möglich gewesen,
das Privateigentum an landwirtschaftlicher Nutzfläche
zu bewahren. Dies erklärt die große Anzahl kleiner
landwirtschaftlicher Betriebe. Jeder vierte Pole arbeitet
haupt- oder nebenberuflich in der Landwirtschaft (Hauptbeschäftigte
in der Landwirtschaft: 19,2%). Nur zögerliche Reformen
werden im Hinblick auf die Umstrukturierung vorgenommen
Polens Landwirte haben eine große Lobby. Der an der
Regierung beteiligten Bauernpartei PSL ist es wohl vor allem
zu verdanken, dass Polen gerade im Bereich Landwirtschaft
auf europäischer Ebene eigene Sonderregelungen durchgesetzt
hat. So werden Polens Bauern zum Beispiel nicht wie sonst
üblich nach Ertrag bezahlt, sondern nach Größe
der Anbaufläche. Generell wird kein Land von der EU-
Mitgliedschaft derartig profitieren wie Polen. Bis 2006 werden
ca. 20 Mrd. Euro als Strukturhilfe dem Land zugute kommen,
rund 50% der gesamten EU- Transferzahlungen für die Beitrittsländer.
Polen ist ein ressourcenreiches Land. Bereits in der Antike
war Polen für den Reichtum an Bernstein berühmt.
Die polnischen Vorkommen an Stein- und Braunkohle, so wie
Zink, Kupfer und Baurohstoff gehören zu den reichsten
der Welt. Obwohl Polen als erstes Land weltweit 1854 mit der
Erdölförderung begonnen hatte und auch heute noch
Erdöl- und Gasvorkommen in der Ostsee erschlossen werden,
muss das Land einen Teil seines Energiebedarfs importieren.
Die Mehrheit der Stromerzeugung Polens wird noch immer mit
polnischer Kohle erwirtschaftet. Zusätzlich tragen erneuerbare
Energien, vor allem Biomasse, aber auch Thermalquellen bis
zu 6% zur Energieversorgung bei. Solarenergie, Wind- und Wasserkraft
werden so gut wie gar nicht genutzt. Man kann sicherlich sagen,
dass der Umweltschutz gegenwärtig nicht zu den drängendsten
Anliegen polnischer Politik gehört. Gleichwohl hat das
Land enorme Anstrengungen vollzogen, um die EU-Umweltstandards
zu erfüllen.
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Die
polnische Regierung hat in den letzten 14 Jahren umfassende
Strukturreformen auf den Weg gebracht. Dies umfasste unter
anderem den Aufbau neuer Verwaltungsstrukturen, die Reform
des Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesens sowie den Aufbau
einer Arbeitsvermittlung. Denn gab es im real existierenden
Sozialismus Polens offiziell keine Arbeitslosigkeit, so musste
man nun an hohe Arbeitslosenzahlen gewöhnen. Gegenwärtig
liegt sie bei über 18 Prozent und ist damit die zweithöchste
in der EU der 25.
Die Verwaltungsreform wurde inzwischen erfolgreich umgesetzt
und hat den ehemals zentralistischen Staat in 16 Verwaltungseinheiten
(Wojewodschaften) untergliedert, denen insbesondere Kompetenzen
in der Gesundheitsfürsorge, sozialen Leistungen und dem
Bildungssystem zukommen. Die öffentliche Verwaltung ist
inzwischen voll "EU-kompatibel". Das Niveau der
Sozialleistungen in Polen liegt entsprechend seiner Wirtschaftskraft
deutlich unter dem EU-Durchschnitt.
Bereits zum 1. Januar 1999 ist die Rentenreform in Kraft
getreten, die eine Altersversorgung in drei Säulen vorsieht:
der Arbeitnehmer zahlt einen obligatorischen Betrag jeweils
in die reformierte gesetzliche Rentenversicherung und in einen
betrieblichen Pensionsfonds. Als dritte Säule steht ein
freiwilliger Betrag für eine private Zusatzversicherung.
Die finanzielle Situation vieler älterer Menschen in
Polen ist gleichwohl düster. Auf dem Land betreiben viele
ein wenig Landwirtschaft für den Eigenbedarf. Die demographische
Entwicklung stellt sich in Polen ähnlich wie im übrigen
Europa dar die Gesellschaft altert. Die Geburtenrate
Polens liegt mit 1,4 Kindern pro Frau im europäischen
Vergleich im unteren Durchschnitt.
Auch der Gesundheitssektor Polens bedarf einer grundlegenden
Reform, die jedoch bislang noch nicht erfolgreich umgesetzt
werden konnte. Die Verschuldung der öffentlichen Krankenhäuser
ist drastisch angestiegen. In diesem Umfeld blüht die
Korruption und Misswirtschaft, und es gilt häufig, dass
nur diejenigen, die es sich leisten können, angemessen
versorgt werden.
Die Bildungsreform ist zum Teil abgeschlossen (Einführung
des Zentralabiturs und von zwei obligatorischen Fremdsprachen
für jeden Schüler). Die Anhebung der sehr niedrigen
Gehälter der Lehrkräfte steht allerdings noch aus.
Akademische Bildung hat in Polen traditionell einen hohen
Stellenwert. Eine der ältesten Universitäten Europas,
die Jagiellonen Universität in Krakau, wurde im Jahr
1364 gegründet. Gegenwärtig sind an den polnischen
Hochschulen - ca. 90 Universitäten und 150 private Hochschulen
- rund 1,3 Millionen Studenten eingeschrieben.
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Mit dem NATO-Beitritt wurde 1999 ein zentrales außen-
und sicherheitspolitisches Ziel der polnischen Außenpolitik
erreicht. Polen sieht sich als ein fester und treuer Verbündeter
der USA, ist aber auch an einer umfassenden Einbindung in
die Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik
(ESVP) interessiert. Das Beharren der Polen auf einer Einbindung
der USA in die Sicherheitsstruktur in Europa gründet
nicht zuletzt auf den Erfahrungen nach dem Ersten und Zweiten
Weltkrieg. Beide Male waren es die Amerikaner, die sich zumindest
ein Stück weit für sie einsetzten (man darf auch
nicht vergessen, dass ein nicht unerheblicher Teil der US-Bevölkerung
polnischer Abstammung ist). Aus polnischer Sicht war der US-amerikanische
Schutzmantel über die letzten fünf Jahrzehnte der
wesentliche Faktor dafür, dass sich die westeuropäischen
Staaten so frei entwickeln konnten.
Die zweite große Zielsetzung und Herausforderung der
polnischen Außenpolitik ist der Beitritt zur EU. Mit
dem EU-Beitritt Polens am 1. Mai 2004 ist dieser Prozess jedoch
noch nicht abgeschlossen. Es geht darum, die Rolle des größten
Beitrittslandes Polens in der europäischen Arena zu definieren
und auszuloten. Als Mitglied der Europäischen Union wird
sich Polen verstärkt für den Ausbau politischer
und wirtschaftlicher Kontakte zu den östlichen Nachbarn
der EU einsetzen. In der Irakkrise wurde deutlich, dass Polen
auch künftig eine eigene Außenpolitik ggf.
auch gegen die Positionen Deutschlands und Frankreichs
vertreten wird. Neben dem politischen Kalkül waren es
sicherlich auch wirtschaftliche Überlegungen, die die
Position Polens hierbei bestimmt haben die Aussicht
beim Wiederaufbau des Iraks mit von der Partie zu sein und
eine engere Kooperation mit den USA bei Rüstungsgütern.
Dass Polen seine Militärflugzeuge bei den USA bestellt
hat und den Krieg gegen den Irak unterstützte, hat zu
einigem Zwist innerhalb Europas beigetragen. Umgekehrt hat
es die Polen gekränkt, als sie vom französischen
Präsidenten Jaques Chirac, aufgrund ihrer Position als
"schlecht erzogen" abgekanzelt wurden. Das alles
wird jedoch wohl nichts wohl daran ändern, dass die Zusammenarbeit
im "Weimarer Dreieck" zwischen Deutschland, Frankreich
und Polen von der polnischen Regierung auch künftig als
ein zentrales Element ihrer Außenpolitik betrachtet
wird.
Die Beziehungen zu Russland bleiben weiterhin komplex. Sie
haben sich seit Mitte des Jahres 2000 nach einem sichtbaren
Tief deutlich verbessert. In Bezug auf unstabile Lage in Weißrussland
sieht es die polnische Regierung als ihre Aufgabe an, die
demokratischen Kräfte des östlichen Nachbarn zu
stärken. Auch die Beziehungen zu den Nachbarländern
Litauen und Ukraine haben für Polen herausgehobenen Charakter.
Die polnische Regierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das
Verhältnis mit der Ukraine dass immer wieder durch
gegenseitige historische Ansprüche und Konflikte um Minderheitenfragen
getrübt wird durch eine Versöhnungserklärung
auf eine neue Grundlage zu stellen.
Polen hat eine langjährige Tradition in Friedensmissionen,
sowohl für die UN als auch im Balkan unter NATO Führung.
Jedoch sind damit die (finanziellen) Möglichkeiten Polens
auch schon stark strapaziert. Nachdem die polnische Regierung
zunächst in dem Ausbau europäischer Sicherheits-
und Verteidigungsstrukturen eine potenzielle Bedrohung für
das atlantische Bündnis gesehen hatte und sich zurückhaltend
zeigte, setzt sie sich zunehmend für eine parallele Stärkung
von NATO und ESVP ein. Eine Abkoppelung von den USA hält
man in Polen aber nach wie vor für gefährlich, da
dadurch die russische Position in Europa gestärkt werden
könnte. Die Wirkung von weicher Sicherheit,
wie die EU sie bislang verkörpert, wird von polnischen
Politikern als gut und wünschenswert, jedoch nicht als
Ersatz für die harten Sicherheitsgarantien
der NATO gesehen.
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