| |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Schweden
Sverige
 |
 |
|
Einwohner
|
8,89 Mio
|
|
Fläche
|
449.964 qkm
|
|
Einwohner / qkm
|
20
|
|
Hauptstadt
|
Stockholm (758.000 Einwohner)
|
|
Amtssprachen
|
Schwedisch
|
|
Religion
|
Lutheramer (85 %), andere Protestanten (3 %), Katholiken
(1,5 %)
|
|
Urbanisierung
|
83 %
|
|
Arbeitslosigkeit
|
4,0 %
|
|
Staatsform
|
Parlamentarische Monarchie
|
|
Nationalfeiertag
|
6. Juni - Geburtstag des Königs
|
|
Regierung
|
König Carl XVI Gustav
(Staatsoberhaupt)
Gören Persson
(Regierungschef)
|
|
Beitritt zur EG/EU
|
1. 1. 1995
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Wohnst Du noch in Schweden oder lebst Du schon in Europa?
Diese Frage stellt sich derzeit das übrige Europa beim
Blick nach Norden: Schweden stimmte kürzlich über
den Beitritt zur Euro- Zone ab. Die Bevölkerung sprach
sich dabei eindeutig mit 56,4% zu 41,5% gegen eine neue Währung
aus. Warum wehren sich die Schweden so sehr gegen den Euro?
Auch
gegen den Beitritt zur EU hatten sich die Schweden lange gesträubt.
Erst 1991 wurden Verhandlungen aufgenommen, jedoch eher aus
wirtschaftlichen Zwängen denn aus Begeisterung für
den europäischen Gedanken. Das Ergebnis des Beitrittsreferendums
1994 war dann auch sehr knapp: 52,5% stimmten für den
Beitritt, 46,9% dagegen. 1995 trat Schweden der EU bei. Laut
einer Umfrage bezeichnen überdurchschnittlich viele Schweden
die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU als schlecht (27%;
EU- Schnitt: 11%).
Anders als die übrigen europäischen Länder
sehen die Schweden die Notwendigkeit ihrer Teilnahme an einem
politischen Bündnis oder einer militärischen Allianz
als nicht gegeben. Schwedens letzte Kriegsbeteiligung liegt
schon 190 Jahre zurück. Während der napoleonischen
Kriege bekämpfte Schweden 1813- 1814 Dänemark. Seitdem
konnte das Land am nördlichen Rand Europas seine Neutralität
und Unabhängigkeit bewahren. Wenn also die Schweden nur
aus rein wirtschaftlichen Gründen der EU beigetreten
sind, dann verwundert es umso mehr, dass sie den Euro nicht
einführen wollen. Vermutlich steht als Priorität
noch vor wirtschaftlichem Wohlstandswachstum die Bewahrung
nationaler Symbole wie das der eigenen Währung.
Bereits beim EU- Beitritt Schwedens waren dem Land einige
Zugeständnisse hinsichtlich nationaler Gebräuche
gemacht worden. So entspricht das Kauen von Feuchttabak (rauchloser
Tabak, der unter die Oberlippe geschoben wird und der in EU-
Ländern eigentlich verboten ist) einer schwedischen Tradition,
und man war nicht gewillt, diese aufzugeben. Eine weitere
Ausnahme stellt das staatliche Monopol auf Alkoholverkauf
dar. Aus Gründen der "Volksgesundheit" beziehen
die schwedischen Bürger nun auch weiterhin ihre alkoholischen
Getränke ausschließlich in vom Staat eingerichteten
und überwachten Läden.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Schweden
ist eine konstitutionelle Monarchie mit König Carl XVI
Gustaf als rein repräsentativem Staatoberhaupt. Der derzeitige
Ministerpräsident ist Göran Persson. Die schwedische
Verfassung besteht aus vier Teilen, deren ältester auf
das Jahr 1809 zurückdatiert. Das "Gesetz über
die Regierungsform", das "Thronfolgegesetz",
das "Pressegesetz" und das "Gesetz über
die Freiheit der Meinungsäußerung" bilden
zusammen die Verfassung.
Nachdem bis in die 1950er Jahre die schwedische Bevölkerung
ethnisch weitestgehend homogen gewesen war, sind heute 12%
der schwedischen Bevölkerung ausländischer Herkunft.
Schweden ist ein attraktives Land für Einwanderer und
Flüchtlinge: nach fünfjährigem Aufenthalt kann
jeder schwedischer Staatsbürger werden und die Vorzüge
des schwedischen Wohlfahrtsstaats genießen. Mangelnde
Integration hat jedoch zu Ghettobildung in den Großstädten,
hoher Arbeitslosigkeit (zum Beispiel 60% bei der kurdischen
Bevölkerung), schlechter Schulbildung und ungenügenden
Sprachkenntnissen geführt.
Spätestens mit dem kürzlich durchgeführten
Referendum zur Euro-Einführung wurde es deutlich: Schwedens
Bevölkerung bleibt europaskeptisch. Die Wahrung nationaler
Souveränität ist den Schweden ein Anliegen. Einer
Vertiefung der Integration steht man misstrauisch gegenüber.
Das schwedische Parlament beschloss zum ersten Mal 1997, nicht
an der Europäischen Währungsunion teilzunehmen.
Anders als Dänemark hatte Schweden allerdings kein vertragliches
Recht zu diesem so genannten "opting out". So kam
es Schweden sehr gelegen, dass die Europäische Kommission
Schweden das Nicht- Erfüllen der Maastricht- Kriterien
bescheinigte und damit Schwedens Teilnahme zunächst ausschloss.
Das letzte Referendum sollte über die Euro- Einführung
ab 2006 entscheiden. Die Bevölkerung wollte sich mit
ihrem "Nein" auch mittelfristig die monetäre
Souveränität erhalten, auch wenn dies bedeutet,
von wichtigen wirtschaftspolitischen Entscheidungen ausgeschlossen
zu sein. Das schwedische Referendum hat nur beratene Funktion,
seine Entscheidung könnte vom Parlament korrigiert werden.
Sowohl Politiker als auch die Bevölkerung sind große
Erweiterungsbefürworter, obwohl Schweden zu den so genannten
Netto- Zahlern der Europäischen Union gehört. Interessanterweise
forderte Schweden keine Übergangsfristen im Bereich Freizügigkeit
von Arbeit und Dienstleistungen, im Gegensatz zu allen anderen
Ländern in der Nachbarschaft der Beitrittsstaaten.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Eine
Industrialisierung Schwedens erfolgte erst relativ spät
(1880- 1900). Um der Armut zu entfliehen waren zuvor 1,4 Millionen
Schweden ausgewandert, die meisten von ihnen in die USA. Bis
zum Ende des 2. Weltkrieges hatte die Landewirtschaft noch
eine entscheidende Rolle gespielt und die Bauernverbände
übten einen beträchtlichen Einfluss auch auf die
Politik aus. Heute produziert Schweden auf dem Agrarsektor
weitestgehend für den Eigenbedarf. Der Export von landwirtschaftlichen
Produkten spielt keine Rolle. Die Lobby der Landwirte ist
nicht mehr so stark wie in anderen europäischen Staaten,
so dass Schweden problemlos auf europäischer Ebene die
Forderung nach mehr Reformen im Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik
stellen kann.
Neben
den klassischen Wirtschaftszweigen Holzverarbeitung, Automobil
(Volvo, Saab: 12,5% der Exporte) und Stahl hat sich in Schweden
ganz besonders die IT- Branche angesiedelt. Schweden gilt
als sehr aufgeschlossen neuen Technologien gegenüber
und wird als drittgrößte IT- Nation weltweit (Kriterien:
Verbreitung von PCs und Mobiltelefonen, Internetzugang) genannt.
Ein
weiterer Wachstumsmarkt ist die Musikindustrie. Schweden ist
weltweit hinter den USA und Großbritannien die drittgrößte
Musikexportnation der Welt. Zwar hat die Musik, vor allem
der Schlager und die Jazzmusik, traditionell einen hohen Stellenwert
in der schwedischen Gesellschaft, der internationale Erfolg
schwedischer Komponisten setzte allerdings erst mit der Popmusik
der letzten Jahrzehnte ein. Seit ABBA und der späteren
schwedischen Popkultur spricht man denn auch von "Musikindustrie"
und "Musikexport". Die Regierung hat für diesen
Bereich einen speziellen Exportpreis gestiftet, den der Handelsminister
1997 erstmals an die Band "The Cardigans" überreichte,
die bis dahin weltweit über 5 Millionen Alben verkauft
hatten.
Ein
weiterer Exportschlager sind die Möbel der bekannten
schwedischen Firma IKEA. Mit einem Jahresumsatz von 11, 3
Milliarden EUR (Geschäftsjahr2003) gehört es neben
dem Verpackungshersteller Tetra Pak und dem Bekleidungshersteller
Hennes und Mauritz zu der erfolgreichsten schwedischen Firma
weltweit. Der IKEA Katalog hat weltweit eine Auflage von 118
Millionen Exemplaren und erscheint jährlich in 23 Sprachen.
Schweden gibt mehr Geld für Forschung und Entwicklung
aus als alle anderen OECD- Staaten (Organization for Economic
Cooperation and Development). Wohl auch deshalb gilt Schweden
als Land der Erfinder und Entdecker. Vor allem auf dem Gebiet
der Naturwissenschaften führen die Schweden weltweit
die Erfinderliste an. Der wohl bekannteste Vertreter ist Alfred
Nobel, Erfinder des Dynamits. Wie in seinem Testament verfügt,
wird seit 1901 jedes Jahr in Stockholm der Nobelpreis als
höchste Auszeichnung für außerordentliche
Leistungen vor allem auf dem Gebiet der Naturwissenschaften
vergeben. Auch im Alltag begegnet man schwedischen Erfindungen:
etwa alle 6 Minuten rettet der von Nils Bohlin entwickelte
Drei Punkte Sicherheitsgurt ein Leben und gilt
damit als bedeutendste Entwicklung im Bereich der Verkehrssicherheit.
Dass Schweden die Europäische Umweltkommissarin stellt,
ist bestimmt kein Zufall. Internationale Studien bescheinigen
dem Land einen großen Erfolg mit seiner stark auf Umweltschutz
ausgelegten Politik. Der schwedischen Ratspräsidentschaft
war nicht nur die weltweite Zustimmung zur langfristigen Reduzierung
von CO2- Ausstoß in den Industrienationen (das so genannte
Kyoto- Protokoll) ein Anliegen, sondern auch die Erhöhung
der Umweltstandards auf europäischer Ebene. 1997 beschloss
Schweden den Ausstieg aus der Kernenergie, der jedoch noch
nicht erfolgt ist. Nahezu 50% des Strombedarfs werden in den
12 Kernkraftwerken erzeugt. Bisher ist nur ein Reaktor abgestellt
worden, da die Ausgleichskapazitäten fehlen. Im Bereich
erneuerbare Energien werden Windkraft, Biomasse so wie Kraftwärmekoppelung
gefördert.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
In Schweden wurde einer der umfangreichsten Wohlfahrtsstaaten
der Welt eingerichtet. Das Sozialsystem beinhaltet sowohl
umfassende Leistungen für den Krankheitsfall, als auch
eine Volksrente, die unabhängig vom Einkommen jedem Staatsbürger
zusteht. Die Vorstellung privater Schulen, Krankenhäuser
und Altersvorsorge ist vielen Schweden nach wie vor fremd.
Der Staat wird deshalb von vielen immer noch als das alle
umsorgende "Volksheim" gesehen. Dieses Bewusstsein
sorgt wohl auch dafür, dass Schweden sich mit einer dramatisch
angestiegenen Zahl von Langzeitkranken konfrontiert sieht.
5% der erwerbstätigen Bevölkerung ist auf Dauer
arbeitsunfähig gemeldet, Tendenz steigend.
Grundlage für das schwedische Sozialsystem war die Vollbeschäftigung.
Mit steigender Arbeitslosigkeit (derzeit 4,6%) und einem damit
einhergehenden sinkenden Anteil Beitragszahler, so wie einem
starken Bevölkerungsrückgang ist ein solches System
nicht mehr finanzierbar. Eine umfassende Reform des Sozialstaates
scheint angesichts demografischer Entwicklungen unumgänglich
und wird zunehmend diskutiert. Im Jahr 2001 wurde als erster
Schritt eine Rentenreform auf den Weg gebracht, die eine kapitaldeckende
Zusatzversicherung beinhaltet. Von den 18,5% des Einkommens,
die für die Finanzierung der Altersvorsorge abgeführt
werden, gelangen 16% auf ein Umlagekonto, das die Versorgung
derzeitiger Rentner finanziert. 2,5% fließen zusätzlich
auf ein prämienfinanziertes individuelles Rentenkonto.
Die Gleichstellung von Männern und Frauen nahm in Schweden
schon sehr früh eine wichtige Stellung ein und führte
dazu, dass das Land im Hinblick auf Berufstätigkeit bei
Frauen heute einen Spitzenplatz unter den Industrienationen
einnimmt. 69% der schwedischen Frauen sind berufstätig.
Im schwedischen Reichstag sind 43% der Abgeordneten weiblich,
von 22 Ministern der Regierung sind 10 weiblich. Schweden
hat das weltweit großzügigste System der Elternversicherung,
die es allen Eltern ermöglicht, unter Zahlung eines Elterngeldes
bis zu 16 Monate zu Hause bei ihren Kindern zu verbringen.
Schweden ist auch das erste Land der Welt, das zwei Monate
dieser bezahlten Freistellung in obligatorische "Vatermonate"
umgewandelt hat. Obwohl in Schweden schon länger als
in anderen europäischen Ländern die Vereinbarung
von Beruf und Familie unterstützt und gefördert
wird, verzeichnet Schweden einen starken Geburtenrückgang.
Ohne Zuwanderung hätte das Land in den letzten Jahren
ein negatives Bevölkerungswachstum aufgewiesen.
Das Bildungssystem in Schweden ist vorbildlich. Bei der PISA-Studie
lag Schweden in allen Kategorien über dem OECD-Durchschnitt.
IGLU (Internationale- Grundschul-Lese-Untersuchung) bescheinigte
Schweden sogar einen ersten Platz.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
| |
Die schwedische Politik wird durch die positive Erfahrung
von 190 Jahre des Friedens und der Allianzfreiheit geprägt.
Daraus gezogene Vorteile sind im Bewusstsein der Politiker
und der Bevölkerung tief verwurzelt. Die auf Neutralität
und Allianzfreiheit gegründete Außenpolitik gerät
seit Schwedens Beitritt zur EU zunehmend in Widerspruch zur
Realität der schwedischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
Immerhin ist es auf eine finnisch- schwedische Initiative
zurückzuführen, dass die so genannten Petersberg
Aufgaben (Frieden schaffende Interventionen) in den Amsterdamer
Vertrag aufgenommen wurden.
Schweden setzt sich außerdem für den Ausbau einer
europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein.
Nachdem Schweden bereits Truppen in den Kosovo entsandt hatte,
beteiligte man sich mit militärischen und zivilen Kräften
auch an dem Einsatz in Afghanistan. Ein großes Anliegen
war den Schweden Europas Mittlerrolle im Nahost- Friedensprozess.
Das Scheitern der EU auf diesem Gebiet führte man in
Schweden unter anderem darauf zurück, dass Europa in
außenpolitischen Fragen nicht mit einer Stimme spricht.
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
|