Werte der Entscheider von morgen
Es sind die Jugendlichen von heute
also Ihr die die Zukunft in Europa maßgeblich
prägen werden. Ihre Haltungen und Werte werden eines
Tages in den Regierungen und Chefetagen der Unternehmen
ankommen.
Die nachfolgenden Zahlen beruhen auf einer
Erhebung Europäischen Kommission. Befragt wurden über
2000 15-25 Jährige aus allen EU-Mitgliedstaaten. Erkennt
Ihr euch in diesen Zahlen wieder? Wie werden sich diese
Lebensentwürfe und Einstellungen in der Zukunft Europas
widerspiegeln?
Gesellschaftliches Leben
Der Shell Jugendstudie 2002 zufolge sehen die heutigen Jugendlichen
in Deutschland wieder optimistisch auf ihre persönliche
Zukunft. Obgleich die Zukunft der Gesellschaft als Ganzes
weniger rosig gesehen wird die Mehrheit erwartet
zunehmende Probleme am Arbeitsmarkt, in der wirtschaftlichen
Entwicklung und in bezug auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt
sowie zunehmende Umweltprobleme herrscht bei den
Jugendlichen in Deutschland dennoch eine positive Grundstimmung
vor.
Neben "tollem Aussehen", "Markenkleidung
tragen" und neuer "Technik" (Internet, Handy
etc.), werden Orientierungen wie "Karriere machen",
andererseits aber auch persönliche "Treue"
als absolut "in" bezeichnet. Sich "in die
Politik einzumischen" ist hingegen "out",
was allerdings nicht heißt, dass die Jugendlichen
nicht gesellschaftlich aktiv sind.
Diese Einstellung der Jugend geht auf einen grundlegenden
Wertewandel hin zu einer neuen pragmatischen Haltung zurück.
Die Jugendlichen orientieren sich an konkreten und praktischen
Problemen, die für sie mit persönlichen Chancen
verbunden sind. Dafür zeigen sie heute wieder in erhöhtem
Maße persönliche Leistungsbereitschaft ("Aufsteigen
statt aussteigen").
Werte
Demokratie wird von der großen Mehrheit der Jugendlichen
als die beste Staatsform empfunden. In die Parteien und
Politiker ihres Landes haben sie hingegen nur ein begrenztes
Vertrauen Tendenz: weiter abnehmend.
Knapp ein Viertel (22%) gehören in Deutschland zu den
"mitwirkungsbezogenen" Jugendlichen. Sie bringen
sich mit einem mehr oder weniger kontinuierlichen Engagement
in politische Organisationen oder Parteien ein. Zumindest
die Möglichkeit zu Mitbestimmung und Engagement ist
ihnen wichtig. Das Gegenstück hierzu bilden mit einem
weiteren knappen Viertel (24%) die "politik-kritischen"
Jugendlichen. Sie weisen die größte Distanz zur
Politik auf und charakterisieren sich selber am stärksten
als "politikverdrossen". Parteipolitik wird von
ihnen abgelehnt. Mit 31% bilden die "politisch desinteressierten"
Jugendlichen die größte Gruppe. Weitere 23% der
Jugendlichen können schließlich als im weitesten
Sinne "ordnungsorientiert" bezeichnet werden.
Ihnen kommt es darauf an, dass politische Angelegenheiten
straff und ohne große Debatten geregelt werden.
Sex vor der Ehe wird als normal angesehen. Die Toleranz
europäischer Jugendlicher gegenüber homosexuellen
Beziehungen ist größer als die gegenüber
Familien mit vielen Kindern.
Probleme haben viele Jugendliche, insbesondere aus Griechenland,
Italien, Irland, Portugal und Finnland, dagegen mit der
Eheschließung zwischen Homosexuellen oder mit der
Möglichkeit für Homosexuelle, Kinder zu adoptieren.
Das Klonen von Lebewesen wird von den jungen Europäer
vehement und die Verwendung gentechnisch veränderter
Lebensmittel überwiegend abgelehnt.
Über 25 Prozent der jungen Europäer ist der Auffassung,
dass es in ihrem Land zu viele Ausländer gibt. In den
nordischen Ländern sowie in Luxemburg, Spanien und
den Niederlanden sind die Jugendlichen am ausländerfreundlichsten.
Europa
Die Jugendlichen verbinden mit der Europäischen Union
an erster Stelle die Vorstellung persönlicher Freizügigkeit,
also die Möglichkeit, in jedem Mitgliedstaat arbeiten,
studieren und wohnen zu können.
Mit 47% spricht sich eine relative Mehrheit der Jugendlichen
in Deutschland dafür aus, dass sich die europäische
Union perspektivisch zu einem eigenen Staat entwickeln sollte.
26% sind dagegen und 27% haben hierzu (noch) keine Meinung.
Ähnliches gilt für die vorgesehene EU-Osterweiterung,
also die Aufnahme von Ländern wie Tschechien, Ungarn
oder Polen in die EU. Mit 48% ist die Befürwortung
bei Jugendlichen aus den neuen Ländern sogar höher
als mit 42% in den alten Bundesländern. Europa ist
für die Jugend eine Realität und wird ganz offensichtlich
als persönliche Chance betrachtet.
Vor allem die jungen Europäer in Griechenland, Italien
und Portugal besitzen die Auffassung, die Europäische
Union verspreche den Jugendlichen eine bessere Zukunft.
Nach der Vorstellung der jungen Leute wird die bedeutendste
Errungenschaft der Europäischen Union in zehn Jahren
der Euro sein.
Sprachen und Mobilität
Mehr als vier von zehn Jugendlichen sind bislang noch nicht
im Ausland gewesen.
Weniger als 10 % der Jugendlichen verbringen eine längere
Zeit im Ausland, um dort zu studieren oder zu arbeiten.
46 % der jungen Europäer beherrschen mindestens eine
Fremdsprache, aber immer noch können 3 von 10 Jugendlichen
keine Fremdsprache sprechen.
Seit 1987 stieg der Anteil der jungen Leute, die Englisch
sprechen können, von 34 % auf 54 %.
Die Informationsgesellschaft
Das Handy ist das beliebteste Kommunikationsmittel.
80 % der jungen Europäer haben eines. Computer, Internet
und E-Mail prägen zunehmend den Alltag der Jugendlichen.

Zahlen:
Eurostat 2002, Shell Jugendstudie 2002