<< zurück szenarien.fgje.de vor >>  
  FGJE StartseiteC·A·P Startseite  
   
Start
Themen nder Storys  
 
 

Europas Verfassung

EU 25+: Die EU vor ihrer bislang größten Erweiterung

Die Europäische Einigung ist ein dynamischer Prozess. Seit ihrer Gründung hat sich die Europäische Union bereits in mehreren Runden von sechs Gründungsmitgliedern auf derzeit fünfzehn Mitglieder erweitert. 1973 traten Großbritannien, Dänemark und Irland bei, 1981 folgte Griechenland, 1986 Portugal und Spanien sowie schließlich 1995 Österreich, Schweden und Finnland. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befindet sich die Europäische Union vor der schwierigsten und größten Erweiterung ihrer Geschichte. Am 1. Mai 2004 werden 10 Länder der EU beitreten. (mehr)

Bisherige und geplante Erweiterungen auf einen Blick (mehr)

Hier gibt’s Landkarten: Die EU und die Beitrittskandidaten
Auf dieser Internetseite der EU-Kommission findet Ihr eine Europakarte und Länderkarten von den heutigen Mitgliedstaaten und den 13 gegenwärtigen Beitrittskandidaten. (mehr)

Chancen und Herausforderungen der Erweiterung
Die Auswirkungen der anstehenden EU-Erweiterung sind politischer und wirtschaftlicher Art. Bereits heute zeigt sich bei allen Beitrittskandidaten, dass sich die Perspektive auf einen EU-Beitritt positiv auf die Stabilität und den Prozess hin zu Demokratie und wirtschaftlicher Erneuerung in diesen Ländern auswirkt. Das kommt auch den heutigen EU-Mitgliedstaaten zugute. Mit der Erweiterung sind jedoch auch Herausforderungen verbunden: sie machen eine Reform der EU-Entscheidungsprozesse sowie der kostenintensiven EU-Agrar- und Strukturpolitiken erforderlich, die Beitrittskandidaten müssen sich verpflichten, die vielerlei Anforderungen der EU-Mitgliedschft zu einem festgelegten Zeitpunkt zu erfüllen und natürlich wird die Erweiterung auch Geld kosten. (mehr)

Informationen zur EU-Erweiterung und den gegenwärtigen EU-Beitrittskandidaten
Informationen zum Erweiterungsprozess und zu den Ländern, die der EU beitreten wollen. (mehr)

 


 

Chancen und Risiken auf einen Blick (mehr)

Die Zustimmung der Bürger zur EU-Erweiterung
Die Europäer verbinden mit der Erweiterung bzw. mit dem Beitritt ihres Landes jedoch mehrheitlich Hoffnungen für eine bessere Zukunft. Aber es gibt auch Ängste und europakritische Stimmen . (mehr)

Schritte auf dem Weg zur EU-Erweiterung
Der Erweiterungsprozess ist bereits weit vorangeschrittenen. Hier findet sich ein Kurzüberblick über die bisherige Entwicklung. (mehr)

Leitfragen für die künftige Entwicklung
Welche Staaten sollen in den kommenden Jahren in die EU aufgenommen werden? (mehr)

Interview mit Werner Weidenfeld:
Erweiterung und Vertiefung der EU - es wird ernst für Europa
Der Münchner Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld über die Zukunft der Europäischen Union nach der Erweiterung um zunächst zehn Länder und die Notwendigkeiten, die sich daraus ergeben. (mehr)

Provocation:
Das Türkenproblem?

Der Westen braucht die Türkei - etwa als "Frontstaat" gegen den Irak. Aber in die EU darf das muslimische Land niemals – argumentiert der Historiker Hans-Ulrich Wehler. Auszüge aus einem Artikel, der in der ZEIT, Ausgabe 38/2002 veröffentlicht wurde. (mehr)

Provocation: Der Mond unter den Füßen
Die Aufnahme der Türkei ist eine Chance, die sich die Europäische Union nicht entgehen lassen darf – meint hingegen Heribert Prantl in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung. (mehr)

Weiterführende Links:
Weitere Informationen rund um das Thema EU-Erweiterung

 

 

Chancen und Herausforderungen der EU-Erweiterung

Die Auswirkungen der anstehenden EU-Erweiterung sind politischer und wirtschaftlicher Art. Bereits heute zeigt sich bei allen Beitrittskandidaten, dass sich die Perspektive auf einen EU-Beitritt positiv auf die Stabilität und den Prozess hin zu Demokratie und wirtschaftlicher Erneuerung in diesen Ländern auswirkt. Das kommt auch den heutigen EU-Mitgliedstaaten zugute.

Die Europäische Union wird durch die Erweiterung um zunächst zehn Länder von 379 auf über 445 Millionen Einwohner anwachsen. Die Grenzen der erweiterten Europäischen Union werden vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer, von Nicosia bis Kiruna reichen. Die ‚neue Nachbarschaft‘ Europas umfasst zunächst Länder wie Russland, Weißrussland, Bosnien-Herzegowina und nach einem Beitritt der Türkei Syrien und den Irak. Dies wird die Verantwortung der Europäischen Union in der Weltpolitik erhöhen.

Der vergrößerte Binnenmarkt wird den Handel verstärken und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft in der globalisierten Welt verbessern. Insbesondere Deutschland wird von dem verbesserten Marktzugang zu den Ländern Mittel- und Osteuropas profitieren. Und auf der internationalen Bühne wird die Europäische Union an wirtschaftlichem Gewicht und Einfluss gewinnen.

Auch die gemeinsame Agrar- und Strukturpolitik muss im Hinblick auf die wirtschaftlichen Entwicklungsunterschiede eines erweiterten Europas angepasst werden. Und die Erweiterung wird natürlich zunächst auch Geld kosten. Unterschiedliche Interessen bestehen vor allem in der EU-Agrarpolitik (rund 45 Prozent des EU-Haushalts!). Da die Beitrittsländer über einen vergleichsweise großen landwirtschaftlichen Sektor (Zahl der Beschäftigten und Anteil am Bruttosozialprodukt) geprägt sind und in bezug auf das Pro-Kopf-Einkommen durchweg deutlich unter dem wirtschaftlichen Niveau der heutigen EU liegen, würde es, um mit den Worten des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu sprechen, "bei einer Fortschreibung des bisherigen Systems die europäische Kasse schlicht zerreißen". Diejenigen Mitgliedstaaten, die bislang von der Agrarpolitik am meisten profitieren (z.B. Frankreich), wollen diese jedoch beibehalten, während diejenigen Staaten, die davon weniger profitieren (z.B. Deutschland; vgl. auch die Debatte zwischen Nettozahlern und Nettoempfängern), stärker an Änderungen interessiert sind. Auch in der EU-Strukturpolitik (rund ein Drittel des EU-Haushalts), die an erster Stelle die Entwicklung wirtschaftlich schwacher Regionen in der Europäischen Union befördern soll, müssen Veränderungen vorgenommen werden, was vor allem die heutigen Förderregionen in der EU - z.B. die östlichen Bundesländer oder Spanien - schmerzen wird. Unterschiedliche Ansprüche werden zudem in der Wirtschafts- und Sozialpolitik sichtbar, da hier Unterschiede, sowohl in Bezug auf die Höhe der Sozialausgaben als auch der sozialen Mindeststandards, etwa bei den Arbeitnehmerrechten, bestehen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den zehn Beitrittsländern, die der EU wohl als erstes beitreten werden, liegt gegenwärtig bei knapp 40% des heutigen EU-Durchschnitts (35% wenn man alle 13 Beitrittskandidaten einrechnet). Mit dem wirtschaftlichen Gefälle einer EU der 25 oder mehr Mitgliedstaaten stellt sich die Frage nach der Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten in neuer Schärfe. Ohne Zweifel werden diese wirtschaftlichen Unterschiede Europa trotz aller Unterstützung durch EU-Mittel noch auf viele Jahre prägen.

Eine zentrale Herausforderung der Erweiterung liegt darin, dass einvernehmliche Entscheidungen bei 25 oder mehr Mitgliedstaaten schwieriger zu treffen sein werden. Kritiker der Erweiterung befürchten, dass sie eine Vertiefung der politischen Integration erschwert, wenn nicht sogar verhindert. Die EU-Institutionen und Entscheidungsverfahren müssen für ein Europa von 25 und mehr Mitgliedstaaten grundlegend reformiert werden, um die Handlungsfähigkeit europäischer Politik auch künftig zu gewährleisten. Mit dem Vertrag von Nizza sind nur erste Reformschritte eingeleitet worden und es ist eine der großen Aufgaben des EU-Verfassungskonvents, hier Lösungen zu finden.

Auf der anderen Seite müssen die Beitrittskandidaten enorme Anstrengungen bewältigen, um die Kriterien für einen EU-Beitritt zu erfüllen, wozu neben
- der Implementierung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Minderheitenrechten auch
- eine funktionierende Marktwirtschaft, die dem Wettbewerb im Binnenmarkt standhalten kann und
- die Übernahme der EU-Besitzstandes an Regeln und Normen, dem sogenannten ‚Acquis Communitaire‘, gehören.

Allein der Aufwand zum Erreichen der EU-Umweltstandards in den zehn mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten, die der EU im Jahr 2004 beitreten sollen, beträgt nach Schätzungen der EU-Kommission über 120 Mrd. Euro. Und da Umweltverschmutzung nicht an nationalen Grenzen halt macht, werden auch wir in Deutschland davon profitieren.


© 2004
Zuletzt aktualisiert: 05.07.2004