Die europäische Dimension
des Wandels der Arbeitswelt
Seit Anfang der 70er Jahre hat sich die Arbeitslosigkeit
in den Mitgliedstaaten der EU nahezu vervierfacht. Die Frage
der Beschäftigung ist damit auch zu einer zentralen
Bewertungsgrundlage europäischer Politik geworden.
Die offizielle Arbeitslosenquote in der Europäischen
Union liegt gegenwärtig bei 8,4 Prozent, was etwa 16
Millionen Arbeitslosen entspricht. Daneben, so Schätzungen,
suchen rund 10 Millionen Europäer eine Arbeit, ohne
jedoch arbeitslos gemeldet zu sein.
Der Beschäftigungsrückgang, der in allen Mitgliedstaaten
stets mit den drei wirtschaftlichen Abschwungphasen dieses
Zeitraumes verbunden war, konnte in den darauf folgenden
Wachstumsphasen nicht zurückgeführt werden.
Der Anteil der Langzeitarbeitslosen, also der diejenigen,
die bereits länger als ein Jahr arbeitslos sind, ist
Mitte der 90er Jahre auf über 50% angestiegen (inzwischen
liegt dieser Anteil bei rund 40 Prozent), die Jugendarbeitslosenquote
liegt im europäischen Durchschnitt bei über 16
Prozent und ist damit fast doppelt so hoch wie die allgemeine
Arbeitslosigkeit (8,4 Prozent).
Die regionalen Unterschiede innerhalb der Gemeinschaft
haben ebenfalls schärfere Konturen angenommen. So liegt
die Arbeitslosigkeit in Teilen Spaniens bei über 20%,
im Raum Salzburg bei etwa 2,2%.
Neben der anhaltenden Arbeitslosigkeit ist es der tiefgreifende
Wandel der Arbeitswelt selbst, der Neuorientierungen erfordert.
So hat zum Beispiel die Teilzeitarbeit in allen EU-Mitgliedstaaten
über die letzten Jahre deutlich zugenommen. Hinzu kommt
die beschleunigte Verfallsgeschwindigkeit beruflicher Qualifikation,
die eine ständige Weiterbildung zur Voraussetzung der
Beschäftigungsfähigkeit macht. Der klassische
Dreiklang von Ausbildung, Erwerbsarbeit und Ruhestand gilt
nur mehr bedingt.
In bezug auf die Beschäftigungslage bestehen innerhalb
der Europäischen Union deutliche Unterschiede. Sowohl
Höhe der Arbeitslosigkeit als auch der Veränderungen
der Beschäftigungsbedingungen variieren stark zwischen
den einzelnen Mitgliedstaaten, und noch mehr im interregionalen
Vergleich:
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So ist z.B. die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien mit
rund 22 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland
(ca. 9,5%);
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der Anteil der Langzeitarbeitslosen an den Arbeitslosen
insgesamt liegt in Belgien bei über 50%, in Dänemark
bei lediglich 24%;
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die Erwerbsbeteiligung der Frauen variiert zwischen
72% in Dänemark und 42% in Spanien;
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während in den Niederlanden mittlerweile vier
von zehn Arbeitsverhältnissen und in Großbritannien
jeder vierte Arbeitsplatz ein Teilzeitarbeitsplatz ist
(42%, 25%), sind in Griechenland nur etwas über
4% der Erwerbstätigen teilzeitbeschäftigt.
Diese Vielfalt darf jedoch nicht den Blick dafür verstellen,
dass den strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt
ähnliche Ursachen zugrunde liegen und das Phänomen
der Arbeitslosigkeit alle Mitgliedstaaten prinzipiell vor
die gleichen Herausforderungen stellt.
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