Ausgangslage
Wie in allen Industriestaaten kommt es in Europa zu einer
Überalterung der Gesellschaft. Die Lebenserwartung
in der Europäischen Union liegt gegenwärtig bei
81 Jahren für Frauen und 75 Jahren für Männer.
In allen Mitgliedsstaaten leben Frauen länger als Männer.
EU-weit leben Frauen im Durchschnitt 66 und Männer
63 Jahre ohne körperliche Behinderung. Damit hat sich
die Lebenserwartung seit 1970 um gut sechs Jahre erhöht.
Ein Plus, dass die Menschen in erster Linie dem rasanten
medizinischen Fortschritt verdanken wie den Vorsorge-Untersuchungen,
die lebensverlängernden Gesundheits-Checks.
Dies ist kein gänzlich neues Phänomen, denn durch
den Rückgang der Fruchtbarkeits- und Sterbeziffern
wird die Bevölkerung der Industriestaaten bereits seit
einem Großteil der letzten 150 Jahre immer älter.
Da aber die Lebenserwartung so hoch ist wie nie zuvor,
die Zahl der je Frau zu erwartenden Geburten hingegen einen
historischen Tiefstand erreicht hat (1,4 im EU-Durchschnitt),
bewegen wir uns auf eine Situation zu, die in der Geschichte
ohne Beispiel ist: eine Umkehrung des Verhältnisses
zwischen Jungen und Alten.
Der Schriftsteller Umberto Eco hat bereits auf die Auswirkungen
hingewiesen, wenn der Trend zur Ein-Kind-Ehe anhalten sollte:
es wird keine Tanten und Neffen mehr geben.
Im Vergleich zu den Bevölkerungsproblemen der übrigen
Welt nehmen sich die Herausforderungen der Bevölkerungsentwicklung
in Europa geradezu harmlos aus.
Derzeit leben auf der Erde knapp 6 Milliarden Menschen,
2020 werden es wohl zwischen sieben und acht Milliarden
sein. Neunzig Prozent dieses Zuwachses entfallen auf die
Entwicklungsländer. Folglich wird sich das demographische
Gewicht der Industriestaaten und speziell Europas weiter
verringern.
Bereits im Jahr 2010 wird nur ein EU-Mitgliedstaat (Deutschland,
und wenn bis dahin beigetreten, auch die Türkei) einen
Platz unter den 20 bevölkerungsreichsten Ländern
der Erde einnehmen. Der Anteil der EU an der Weltbevölkerung
wird zurückgehen."
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